Straßburg

Endzeit-Spektakel »Kein Licht« zeigt Katastrophe multimedial

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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25. September 2017

Ein Aufjaulen mit moralinsauerem Fingerzeig: »Kein Licht« in Straßburg glich einem Bombardement der Eindrücke, an Ende gab es langen Applaus. ©Klara Beck

»Kein Licht«, ein multimediales Endzeit-Spektakel, feierte am Freitag in der Opéra national du Rhin seine französische Erstaufführung. 

Die dunkle Bühne ist leer, ein paar Wassertanks mit einer giftgelb fluoreszierenden Flüssigkeit stehen herum. Ein kleiner Hund tritt auf, steigt auf einen der Wassertanks und heult jämmerlich, während eine Trompete einen jazzigen Klang im Hintergrund anstimmt. Im Mittelpunkt der Straßburger Aufführung »Kein Licht«, die ihre Premiere bereits im August auf der Ruhrtriennale in Deutschland feierte, stehen die Worte von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Die österreichische Schriftstellerin hatte ihre Eindrücke nach dem Super-GAU von 2011 in Fukushima in einem Text über »die Zeit nach der Apokalypse« festgehalten. 

Komponist und Wahl-Straßburger Philippe Manoury und der Regisseur Nicolas Stemann haben die »Katastrophe« mittels Musik und Theater zum neuen Opernformat verbunden – einem »Thinkspiel«, wie sie es nennen. Die Botschaft: Der Mensch ist machtlos gegenüber den monströsen Geistern, die er rief. Ein brachiales Opus, das viele Fragen offen lässt.

Über zwei Stunden wird das Publikum im vollbesetzten Straßburger Opernhaus pausenlos mit visuellen Effekten, Musik, elektronischen Geräuschen und anderen Klängen, sowie mit Texten und Videos, die auf drei große Leinwände projiziert werden, bombardiert – eine sinnliche Orgie allemal. 
Manourys »Thinkspiel«, wohl ans deutsch Genre »Singspiel« anlehnt, entpuppt sich als eigentümlicher, irritierender Mix aus gesprochenen und gesungenen Passagen. Alles ist erlaubt: auf dem Theaterraum paart sich Kunst mit Politik. Wenigstens wird aber gewarnt: Der Text ist unklar, aber die Realität genauso. 
Hoffnungslosigkeit, ja Resignation steigt beim Zuschauer derweil auf.  Wenn bei dieser künstlerischen Dekonstruktion Wörter und Sätze dazu verdammt sind ihre Bedeutung zu verlieren, dann droht die Gefahr, das Werk selbst zu verstehen. Es wird keine Geschichte im herkömmlichen Sinn erzählt, zu widersprüchlich und gebrochen kommen die Szenen daher; ohne Hintergrundwissen gibt es hier wenig Chancen zu folgen. Es ist vielmehr die Musik, der Gesang und die visuelle Dominanz der Inszenierung von Nicolas Stemann, die streckenweise faszinieren. 

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Die existentielle Frage, ob wir weiterhin die Kernenergie nutzen sollten oder es besser ist, auf sie zu verzichten, gerät angesichts dieser multi-emotionalen Flut von Sinneseindrücken letztendlich in den Hintergrund. Der moralinsaure Fingerzeig auf die Eigen- und Mitverantwortung für die katastrophale zeitgenössische Umweltpolitik hilft nicht. Und die grobe Anspielung auf Trump als unersättlicher König scheint überflüssig.
Loben muss man Manourys dissonante Musik unter der Leitung von Julien Leroy, die während des Abends eine hypnotische Wirkung ausübte.
Von der These ausgehend, dass Theater heutzutage gesellschaftlich nichts mehr zu bewirken vermag, präsentiert sich »Kein Licht« als das, was es ist: der verzweifelte Versuch die Katastrophe ästhetisch bis zur Sättigung zu verarbeiten. 

Kaum enthusiastisch

Die experimentelle Schöpfung von Manoury und Stemann lässt das Publikum natürlich nicht kalt, das zwischen Befremdung und Begeisterung schwankt und sich zu einem langen, wenig enthusiastischen Beifall hinreißen lässt. 
Am Ende kann man nur eins: um ein Glas Wasser bitten, um den post-apokalyptischen Abend schnell hinunterzuspülen.

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