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Ferdinand Vögele berichtete live vom Straßburger Attentat

Autor: 
Ferdinand Vögele
Lesezeit 3 Minuten
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26. Dezember 2018

Ferdinand Vögele berichtete direkt aus Straßburg vom Attenat. ©Ferdinand Vögele

Chérif Chekatt hat vor zwei Wochen am Straßburger Weihnachtsmarkt mehrere Menschen getötet und sich anschließend zwei Tage vor der Polizei versteckt. Baden Online berichtete im Liveticker von den Ereignissen. Wie es vor Ort war, erzählt Mittelbadische-Presse.TV-Redakteur Ferdinand Vögele.

Ich komme gerade vom Einkaufen zurück, als mich mein Kollege Matthias Jundt aus der Online-Redaktion auf dem Handy anruft: »Es gibt Schüsse am Straßburger Weihnachtsmarkt.« Noch ist die genaue Lage unklar. Ein Attentat? Ein Anschlag? Oder doch etwas ganz anderes? Klar ist nur, ich muss so schnell wie möglich nach Straßburg. Also mache ich mich mit Kamera, zwei Handys, Licht, Stativ und Zusatzakkus auf den Weg.
Wo ich genau hin muss, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich probiere mein Glück beim Parkhaus Austerlitz – die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellt.

Nur wenige Meter davon entfernt, an der Brücke beim Place Corbeau, stehen Journalisten anderer Verlage. Hier ist auch der Hauptzugangspunkt der französischen Einsatzkräfte zur Stadt.
An diesem Platz fällt zum ersten Mal das Wort »Attentat« und auch, dass es mehrere Tote geben soll.

Soldaten und schwer bewaffnete Polizisten haben die Stadt bereits komplett abgeriegelt. Durch das große Eingangstor »Strasbourg – Capitale de Noël« sind einzig die vielen Kastenwägen zu erkennen. Das Blaulicht überdeckt die Weihnachtsbeleuchtung fast komplett. Immer mehr Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge fahren mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei in die Innenstadt – Gendarmerie, Soldaten, schließlich Spezialeinheiten. Polizisten schreien Schaulustige und uns Reporter an, Platz zu machen. Die Lage ist  angespannt.

Wie geht es den Opfern?

Vielleicht sind es diese Momente, für die man als Journalist brennt – die Spannung, das Unbekannte. Erst Tage später denke ich kritischer über das eigene Tun und Handeln nach. Was habe ich da gesehen? War ich selbst in Gefahr? Und vor allem: Wie geht es den Opfern?

Zu dem Zeitpunkt aber denke ich nur: »Liefere schnell Fotos, versorge die Online-Redaktion, die zeitgleich die Nutzer mit einem Liveticker auf dem Laufenden hält, mit Infos, mach deine Videoaufnahmen, informiere die Leser so gut und detailliert wie nur möglich.«

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Alles wird von diesem Denken überlagert: Die grellen Sirenen, der Helikopter, der Stress und der Schrecken – immer wieder drücke ich auf Aufnahme.

Nach etwa einer Stunde erhält ein Kollege vom französischen Fernsehen einen Tipp. Es soll eine größere Operation am Sternenplatz geben. Ich renne los. Die Ausrüstung ist schwer, ich werde langsamer, verliere meine Gruppe, treffe aber andere Journalisten, die dem gleichen Tipp nachgehen. Zusammen unterwegs zu sein, gibt ein Gefühl von Sicherheit. Denn die Straßen sind leer. Wie wir erfahren, sitzen die Straßburger abgesichert in Restaurants, Bars oder bei sich zu Hause. Die Stadt wirkt ausgestorben, es ist gespenstisch.

Dann, wieder ein Tipp vom Kollegen des französischen TV-Senders M6. In unmittelbarer Nähe des Hotels Holiday Inn soll »etwas« sein. Noch einmal rennen wir los.

Kurz vor dem Hotel sagt ein Polizist dann zu uns: »Nicht weiter gehen. Ab hier wird es gefährlich.« Erst auf den zweiten Blick erkenne ich, dass der Polizist versteckt hinter einer hohen Mauer mit einer Maschinenpistole im Anschlag sitzt.

Wir müssen warten – und zum ersten Mal an diesem Abend überkommt mich eine leichte Furcht. Wir sind froh und erleichtert, als sich die Spur beim Hotel als wohl falsche Fährte herausstellt.

Den Liveticker zum Attentat von Straßburg finden Sie hier.

Ein Video zu diesem Thema finden Sie hier

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