Interview

Der Jesuitenorden führte einst die Schulnoten ein

Autor: 
Katrin Mosmann
Lesezeit 3 Minuten
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07. August 2018
Schon im 18. Jahrhundert gab es Zeugnisse, allerdings haben sie sich im Laufe der Jahre deutlich verändert.

Schon im 18. Jahrhundert gab es Zeugnisse, allerdings haben sie sich im Laufe der Jahre deutlich verändert. ©dpa

Vor den Ferien gab es Zeugnisse. Einige Schüler der Biberacher Grundschule hatten am letzten Schultag für die Kindernachrichten verraten, ob sie zufrieden mit den Zeugnissen sind oder ob im kommenden Schuljahr etwas besser werden muss. Aber habt ihr euch schon einmal gefragt, seit wann es eigentlich Zeugnisse gibt? Und ob diese schon immer aus dem heutigen Notensystem (die Noten eins bis sechs) bestanden? Robbys Assistentin hat mit Alexander Ziola vom Schulamt Offenburg über die Entwicklung der »Giftblättle« gesprochen.

Seit wann gibt es Zeugnisse?

Alexander Ziola: Schulzeugnisse, wie wir sie heute kennen, sind eine relativ junge Erscheinung, die erst ab dem 18. Jahrhundert in den Schulen Einzug hält. Vorläufer lassen sich aber schon zweihundert Jahre früher nachweisen. 

Wer hat die Zeugnisse »erfunden«?

Ziola: Die Bildung und somit auch die Beurteilung in den Schulen lag jahrhundertelang in kirchlicher Hand. Besonders engagiert in der Bildung war der 1534 gegründete Jesuitenorden. Dieser strukturierte in seinen Klosterschulen den Unterricht und führte das Klassensystem ein. Wer in eine höhere Klasse gelangen wollte, musste eine Prüfung ablegen. Diese wurde von den Lehrern bewertet, und dafür führte man klare Regeln zur Beurteilung der Schülerleistungen ein: ein fünfstufiges Notensystem mit lateinischen Ziffern.

Die Zeugnisse haben sich dann ja wohl im Laufe der Zeit etwas verändert...

Ziola: Wer Schulzeugnisse aus den vergangenen hundert Jahren vergleichend betrachtet, wird viele Unterschiede finden. Da stehen einfache Zeugnisformulare manchen aufwendigen Vordrucken mit Farb- oder Golddruck gegenüber, wir finden Zeugnishefte oder Einzelblätter und entdecken Ziffernnoten oder ausgeschriebene Beurteilungen. Lange Zeit herrschte auch keine Einheitlichkeit bei der Notenskala. Es gab dreistufige und vierstufige  Notensysteme. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergaben die meisten Schulen in Deutschland dann fünf Noten: die Eins für sehr gute, die Fünf für nicht ausreichende Leistungen. Erst 1938 wurde in ganz Deutschland die Note Sechs eingeführt. In manchen Schularten werden auch heute wieder Noten durch Schulberichte und/oder Lernbegleitgespräche mit Eltern ersetzt.

In den ersten Schuljahren bekommt man ja auch noch keine Noten, richtig?

Ziola: Bei uns in Baden-Württemberg gibt es ab der ersten Klasse einen Schulbericht, der ab der zweiten Klasse um Noten erweitert wird. Der Schulbericht beschreibt dabei die verschiedenen fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen der Schüler.

Es werden ja oft auch das Verhalten und die Mitarbeit benotet. Das funktioniert dann ähnlich?

​​​​​​​Ziola: Neben den Noten in den Unterrichtsfächern werden in manchen Bundesländern auch die Mitarbeit und das Sozialverhalten benotet. Meist geschieht das anhand einer vierstufigen Skala. Da diese Noten auf dem Zeugnis oft über den Fächernoten platziert sind, nennt man sie Kopfnoten. Dabei bewerten die jeweiligen Fachlehrer den einzelnen Schüler gemeinsam in Bezug auf Verhalten und Mitarbeit.

Werden sonst in allen Bundesländern die gleichen Fächer benotet?

​​​​​​​Ziola: Es gibt Fächer wie zum Beispiel Deutsch und Mathematik, die in allen Bundesländer zu finden sind. Für solche Fächer gibt es mittlerweile einheitliche Standards, die gemeinsam unter Mitwirkung aller Bundesländer entwickelt worden sind. Unterschiede gibt es oft in den Bezeichnungen (Namen) mancher Fächer und Fächerverbünde und in den Jahrgangstufen, in denen sie an den Schulen eingeführt werden. Auch unterscheiden sich die Fächer manchmal an den ausgewählten Inhalten.  

Wer schreibt Zeugnisse?

​​​​​​​Ziola: Die Verbalbeurteilungen und die Noten der jeweiligen Fächer werden von den Fachlehrkräften gebildet. Der Klassenlehrer erstellt daraus dann in Absprache mit den Fachlehrkräften das Zeugnis. 

Was ist eigentlich eine Notenkonferenz?

​​​​​​​Ziola: Eine Notenkonferenz  stellt eine besondere Form der Klassenkonferenz dar. Sie dient dazu, die schulischen Leistungen jedes Schülers einer Klasse beziehungsweise eines Jahrgangs in allen Fächern zu besprechen. Außerdem wird über die daraus resultierenden Kopfnoten, Versetzungen,   Versetzungswarnungen und sonstigen Zeugnisbemerkungen beraten.

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