Kinder

»Die Fastenzeit ist keine Diät«

Autor: 
Katrin Mosmann
Lesezeit 4 Minuten
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08. März 2019

Auch Kinder können fasten: Es bedeutet in erster Linie, auf Dinge zu verzichten, die nicht zum Leben notwendig sind. ©dpa

Mit dem Ende der närrischen Tage wurde am Aschermittwoch eine neue Zeit eingeläutet, die Fastenzeit. Bis Ostern dauert sie an. Was die Fastenzeit genau ist, hat Thomas Hafen, der wissenschaftliche Leiter des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof in Gutach, im Gespräch mit Robby Rheinschnakes Assistentin verraten.
 

Mit dem Aschermittwoch beginnt eine besondere Zeit. Welche denn? 
Thomas Hafen: Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die traditionell nach christlichem Kalender 40 Tage dauert und am Ostersonntag, also genau genommen, da die Vorabende zum Feiertag selbst gezählt werden, am Samstagabend vor dem Ostermorgen endet. 

Und was ist die Fastenzeit?
Hafen: Die Fastenzeit bezeichnet einen Zeitraum, in dem man sich bewusster ernähren, vor allem aber weniger essen sowie trinken und  überhaupt so weit wie möglich auf Genussmittel verzichten soll. Diese Idee hat aber nichts mit einer Diät zu tun, die man macht, um schlanker zu werden. Sie ist vielmehr eine Zeit, in der man sich auf das Wichtige im Leben konzentrieren und alles Unwichtige vergessen soll.

Viele Menschen essen in der Fastenzeit weniger oder gar kein Fleisch. Besonders am Karfreitag ernähren sich viele Menschen fleischlos. 
Hafen: Zunächst mal geht es nicht nur um den Verzicht auf Fleisch, sondern auf alles, was man nicht unmittelbar zum Leben braucht, und was vielleicht auch nur reiner Genuss ist – außer Fleisch also auch Alkohol oder Süßigkeiten. Aber so rigoros ist das in keinem Regelwerk festgehalten und wird auch von keiner Instanz unter Strafandrohung bewacht. Ursprünglich war das Fastengebot auch auf Mittwoch und Freitag beschränkt  und galt auch nicht für Kinder, Alte oder Kranke.  Aber so wie es Ausnahmen gab, gab es umgekehrt auch Forderungen, die sehr viel strenger gedacht waren und den Menschen am liebsten jede Art von Vergnügen untersagt hätten.

Also früher?
Hafen: Von früher reden, heißt erst mal, von Menschen reden, die in viel größerer Zahl und vermutlich viel tiefer in der Religion verwurzelt waren, als das heute der Fall ist. Christliches Handeln ging weit über die bloße Einhaltung von Gesetzen hinaus, und Gott dienen und gefallen zu wollen,  hieß dann eben auch ganz konsequent zum Beispiel das Fastengebot einzuhalten. Wobei die Fastenzeit im Frühling früher natürlich auch eine sehr weltliche Dimension hatte. Nach den langen Wintermonaten waren die Lebensmittelvorräte aufgebraucht und die Leute hatten kaum noch etwas zu essen. Da war es vorsichtig gesagt doch ganz schön schlau von der Kirche, den Menschen zu sagen, sie sollen jetzt weniger essen. Für jemanden, der kaum etwas hat, ist es ja vielleicht ein Trost zu hören, dass das auch ganz gut so ist. 

Ist die Fastenzeit eine ausschließlich christliche »Erfindung«? 
Hafen: Das Fastengebot bestand schon, als die christliche Kirche noch nicht gespalten war, und wurde dann insofern schon zu einer sehr katholischen Angelegenheit, weil Martin Luther, wie später dann eben auch die evangelische Kirche, gar nicht so sehr auf den Verzicht von diesem oder jenem Lebensmittel pochte, sondern vielmehr eine geistige Einkehr forderte, die nicht durch weltlichen Genuss eingeschränkt und abgelenkt werden sollte. Dieser Gedanke wiederum, dass die Beschränkung auf das Wesentliche zu einem inneren Gleichgewicht wie zur Nähe des Göttlichen führt, ist in der ein oder anderen Form in jeder Religion zu finden. 

Warum dauert die Fastenzeit eigentlich 40 Tage?
Hafen: Die Zahl 40 kommt in der Bibel auffallend oft vor. Im Alten Testament wird berichtet, dass die Arche Noah vierzig Tage auf den Fluten unterwegs war und die Israeliten vierzig Jahre durch die Wüste gewandert sind. Während dieser Zeit war Moses vierzig Tage auf dem Berg Sinai, bis er von Gott die Zehn Gebote erhielt. Und Jesus, so erzählt es das Neue Testament, war vierzig Tage in der Wüste, bevor er sein öffentliches Wirken begann. Wer genau nachzählt, wird übrigens merken, dass es von Aschermittwoch bis Ostern eigentlich nicht 40, sondern 46 Tage sind. Das liegt daran, dass die Sonntage nicht zur Fastenzeit gerechnet werden. 

Dürfen Kinder auch fasten, gerade im Hinblick auf die Gesundheit?
Hafen: Wenn es medizinisch unbedenklich ist, dürfen Kinder natürlich soviel fasten wie sie wollen oder soviel es ihre Eltern zulassen. Überwacht wird das ja von niemandem, außer letztlich von einem selbst.  

Kann man denn auch mit anderen Dingen fasten? 
Hafen: Wenn man fasten mit verzichten übersetzt, kann man das natürlich mit allem machen: Weniger Fernsehen, weniger Handy, weniger Streiten, weniger alles, was nicht gut tut, wenn es zu viel wird. Oder besser: Viel mehr das tun, was nur gut tut: Lesen, Spielen, sich mit Freunden treffen. 

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Mittelbadische Presse
Robbys Kinder-Nachrichten
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