Robbys Tier-Experte beantwortet Leserfragen

Eine fremdgesteuerte Feldwespe

Autor: 
Andreas Braun
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
22. August 2018
Eine von einem Parasiten befallene Wespe.

Eine von einem Parasiten befallene Wespe. ©Albert Geppert

"Hallo Robby, immer wenn ich Blätter vom Basilikum abzupfe für den Salat, fliegen etwa 15 Wespen raus. Nach etwa fünf Minuten haben sich alle wieder in Gruppen, dicht beieinander, regungslos unter den Blättern versteckt. Am Basilikum sind keine Fraßspuren. Eier oder Larven fehlen. Eine Königin ist nicht zu erkennen. Die Wespen sind friedfertig. Das geht schon seit Wochen so. Ist das eine Art, die keine Nester baut? Wie pflanzen sich diese Wespen fort? Vielen Dank! Albert Geppert aus Kehl"

Und hier die Antwort von Andreas Braun:

"Herr Geppert schaut bei sich im Garten nicht nur genau hin, sondern hat zudem etwas sehr Außergewöhnliches entdeckt: Nämlich Wespen, die ihren »Willen« sozusagen verloren haben und nun von einem anderen, winzigen Insekt fremdgesteuert werden. Eine äußerst spannende Geschichte also!

Zunächst einmal ist das die Gallische Feldwespe (Polistes dominula). Diese Art bevorzugt warme Stellen – übrigens gerne im Siedlungsbereich – und ist auch in diesem Sommer verschiedenerorts recht häufig anzutreffen. Ihre Nester haben keine schützende Hülle und werden oftmals in Garagen, Schuppen oder an ähnlichen Stellen gebaut. 

Im vorliegenden Fall sind die Wespen allerdings stark von einem Parasiten befallen. Der entwickelt sich in ihrem Hinterleib, saugt seine Wirte im Prinzip von innen heraus aus und bringt sie letztlich auch zum Absterben. Dabei handelt es sich um einen Fächerflügler (in der Fachsprache: Ordnung Strepsiptera). Das sind relativ unbekannte Insekten, die zumindest einen Teil ihrer Entwicklung im Körper anderer Insekten durchlaufen. Aus systematischer Sicht gelten sie als Schwestergruppe der Käfer, dürften mit diesen also nahe verwandt sein und auf eine nur diesen beiden Gruppen gemeinsame Stammart zurückgehen.

Stylopisiert

Derart befallene Wespen mit deformiertem Hinterleib werden auch als »stylopisiert« bezeichnet – und zwar in Anlehnung an eine Fächerflügler-Gattung namens »Stylops«. Hier haben wir es jedoch mit einer anderen Gattung zu tun: Es handelt sich um die Art »Xenos vesparum«, die wohl ausschließlich bestimmte Feldwespen befällt. 

Weibchen dieses Fächerflüglers werden zirka sieben Millimeter groß und sind völlig umgestaltet: Sie haben weder Fühler, Beine, Augen noch Flügel. Die Männchen sind nochmals deutlich kleiner (rund zwei Millimeter). Ihre Aufgabe ist es, Weibchen, die im Hinterleib einer Feldwespe leben, aufzufinden und zu begatten. 

Interessant ist nun, dass der Parasit das Verhalten seines Wirts – also der Feldwespe – nicht nur beeinflusst, sondern diesen nahezu vollständig kontrollieren kann: Befallene Feldwespen kümmern sich nämlich nicht mehr um ihr Nest, sondern werden ganz im Sinn des Fächerflüglers von diesem fremdgesteuert. Wenn sie ausschwärmen, dann also derart, dass parasitierte Exemplare zueinander finden – was auch das merkwürdige Verhalten der von Herrn Geppert beobachteten Wespen erklären dürfte. 

Treffen derart »umprogrammierte« Wespen aufeinander, kommt es bei deren Parasiten bald zur Paarung. Dazu bohren sich die fertig entwickelten Xenos-Männchen aus ihren Wirten, um sich jeweils ein Weibchen zu suchen. Dieses kann man manchmal als »braunen Punkt« zwischen zwei Hinterleibssegmenten der Wespen erkennen, wo es lediglich einen Teil seines Körpers herausstreckt. Anschließend sterben die männlichen Fächerflügler bald, während sich ihre Partnerinnen mit den nun befruchteten Eiern in der Wespe weiterentwickeln. 

Die Verhaltensänderungen gehen aber noch weiter: Damit der Fächerflügler-Nachwuchs heranwachsen kann, sterben die befallenen Arbeiterinnen nicht ab, sondern überwintern – ähnlich, wie sonst nur die Königin. Und im darauffolgenden Frühjahr veranlassen die Parasiten ihr schwarz-gelb-gemustertes Wirtsinsekt sogar dazu, die Larven direkt in neuen Wespennestern freizulassen. Wie das Ganze genau funktioniert – sprich, wie es diese winzigen Parasiten letztlich schaffen, die von ihnen befallenen Feldwespen zu derart willenlosen Wesen umzufunktionieren, ist letztlich nicht geklärt."

So erreicht ihr Robby Rheinschnake

Mittelbadische Presse
Robbys Kinder-Nachrichten
Nachrichten-Redaktion
Hauptstraße 83a
77652 Offenburg

Ein Fax schickt ihr an: 0781/504-3719

Mit einer Email geht es am schnellsten: robby@reiff.de

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
20.12.2018
Was braucht es für einen gesunden Körper? Den Willen natürlich! Und außerdem das richtige Training und Ernährung. Im Fitnessstudio Sportpark in Schutterwald gibt es die passende Beratung mit gezielten Übungen zur "Gute-Laune-Figur".

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinder

vor 15 Stunden
Wettbewerb
Am Wochenende war Lego-Zeit an der Hochschule in Offenburg. Neben dem Regionalwettbewerb der First-Lego-League fand zum zweiten Mal der Junior-Wettbewerb statt. Auch Robby Rheinschnake war mit einem Team vertreten. 
19.01.2019
Kinder
Freiwillig nachmittags, an den Wochenenden oder sogar in den Ferien in die Schule: Die Teilnehmer der Kinderakademien sind restlos begeistert von den tollen Kursen, wie etwa dem Kurs »Wie arbeitet ein Computer?«  
18.01.2019
Kinder
Inzwischen stehen die wichtigsten Ergebnisse der »Stunde der Wintervögel« fest, die vom 4. bis 6. Januar 2019 stattfand. Demnach haben sich im Ortenaukreis diesmal rund 550 Naturfreunde an der beliebten Mitmach-Aktion des Naturschutzbundes (Nabu) beteiligt – erfreulich viele, zumal das Wetter am...
17.01.2019
Gobots an der Uni
Zur Vorbereitung auf den First-Lego-League-Wettbewerb am Samstag haben die »Gobots« sogar mit einem Wissenschaftler aus Freiburg über ihre Idee, MRTs im Weltall durchzuführen, gesprochen.  
15.01.2019
Kinder
Robbys Ordner mit Buchkritiken seiner Mitarbeiter ist fast leer, dafür ist sein Bücherschrank wieder einigermaßen gefüllt.  Hier findet ihr deshalb immer eine Liste mit Büchern, die er momentan auf Lager hat. Es ist für fast jedes Alter etwas dabei.
Sternsinger ziehen als die »Heiligen Drei Könige«, begleitet von Sternträger und Diener, derzeit von Haus zu Haus, um Geld für benachteiligte Menschen zu sammeln.
06.01.2019
Dreikönigstag
Der 6. Januar ist den Heiligen Drei Königen gewidmet. Was es mit dem Feiertag und den »Weisen aus dem Morgenland« auf sich hat, hat Robbys Assistentin bei Sternsingern aus Hausach herausgefunden. 
03.01.2019
Vogelzählung
Von Freitag bis Sonntag ist Vogelzählen angesagt: Zum neunten Mal findet dann die »Stunde der Wintervögel« statt, eine beliebte Mitmach-Aktion des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Die ermittelten Daten sollen helfen, Veränderungen in der Vogelwelt zu erkennen.