Robbys Tier-Experte beantwortet Leserfragen

Kamberkrebs und Kalikokrebs sind problematisch

Autor: 
Andreas Braun
Lesezeit 3 Minuten
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07. September 2018
Das eingesandte Krebs-Foto.

Das eingesandte Krebs-Foto. ©Julius Forschner

"Lieber Robby, an der Nagoldtalsperre im Schwarzwald habe ich am Ufer einen Stein hochgehoben. Darunter lag dieser tote Krebs. Er war ungefähr 8 cm groß. Kannst du mir sagen, was es für einer ist? Viele Grüße! Julius"

Und hier die Antwort des Biologen Andreas Braun:

"Das ist ein Flusskrebs. Von dieser Tiergruppe gibt es in Baden-Württemberg mehrere Arten: drei einheimische (Stein-, Edel-  und Dohlenkrebs), aber auch mehrere fremdländische Arten. Letztere bereiten vielfach ökologische Probleme.

Einer von ihnen ist der Kamberkrebs, um den es sich hier wohl handelt. Wie der Biologe und Flusskrebs-Experte Michael Pfeiffer aus March bei Freiburg mitteilt, würden die Form der Scheren und Details am Rostrum (das ist ein Fortsatz am Rückenschild) darauf hindeuten.

Orconectes limosus – so sein wissenschaftlicher Name – stammt eigentlich aus Nordamerika. Um 1890 wurden rund 90 Exemplare in einen Teich im Gebiet der Unteren Oder – also in Nordostdeutschland – eingesetzt. Da Kamberkrebse auch verschmutztes Wasser recht gut ertragen und die Weibchen viele Eier produzieren, konnte sich diese Art in der Folgezeit rasch ausbreiten.

Über Flüsse und Kanäle gelangte der Kamberkrebs somit nach und nach in andere Regionen, mittlerweile gibt es ihn in sehr vielen europäischen Ländern. Auch in der Ortenau kommt er vor: Im Rhein, der Rheinaue und in vielen Fließgewässern des Flachlands wird er häufig gefunden, ebenso in einigen Baggerseen. Allerdings ist das nicht unproblematisch, da er den einheimischen Flusskrebsen zusetzt.

Niemals umsetzen!

Für die angestammten Arten ist der Kamberkrebs aus zwei Gründen problematisch: Erstens ist er konkurrenzstärker als sie und vermag daher, sie zu verdrängen. Zweitens – und das ist besonders wichtig – trägt der Kamberkrebs zur Verbreitung der Krebspest bei. Dabei handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die unsere einheimischen Arten befällt und ganze Populationen vernichten kann. Der Kamberkrebs selbst ist gegen die Krebspest jedoch immun.

Aus diesem Grund sollte man Flusskrebse nie von einem Gewässer in ein anderes verfrachten: Durch solche Aktionen ist es nämlich möglich, dass der Krebspest-Erreger an Stellen gelangt, wo es ihn bislang noch nicht gibt – was für einheimische Flusskrebse eine Katastrophe ist. Ebenso sollten keine fremdländischen Krebse aus Aquarien oder Gartenteichen ausgesetzt werden, denn auch sie verbreiten die Krebspest.

Inzwischen gibt es mit dem sehr ähnlichen Kalikokrebs (Orconectes immunis) einen weiteren »Neubürger« unter den Flusskrebsen in unserer Region. Er wurde erstmals 1993 bei Sinzheim in der Nähe des heutigen Baden-Airparks gefunden – vermutlich, nachdem dort zuvor Aquarientiere ausgesetzt worden waren. Der Kalikokrebs kann sich auch in sauerstoffarmen Kleingewässern erfolgreich vermehren, breitet sich rasch aus und gilt als noch problematischer als der Kamberkrebs."

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