Robbys Experte

Vielfalt an unterschiedlichen Wespenarten

Autor: 
Andreas Braun
Lesezeit 3 Minuten
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01. August 2018

(Bild 1/2) Das große Insekt an der rosa Wasserschale ist eine Große Lehmwespe (Delta unguiculata). Sie zählt zu den solitären Faltenwespen, bildet also keine Staaten mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. ©Familie Schreiber

Lieber Robby!
Das große Insekt an der rosa Wasserschale kommt uns täglich mehrfach besuchen. Es ist vermutlich keine Hornisse, wie wir zuerst dachten, sondern wohl eine Wespenkönigin. Um welche Art Wespe es sich handelt, haben unsere Recherchen leider nicht ergeben – vielleicht kannst du helfen?
Auf dem anderen Foto ist wohl auch eine Wespe zu sehen – von dieser Art haben wir ganz viele, die ständig in allen unseren Wasserschalen auf dem Wasser landen und dann wieder abfliegen. Diese Wespen haben sehr lange Beine, die man auch im Flug sehr gut sehen kann. Um welche Wespen handelt es sich bei diesen Gästen? Herzlichen Dank für deine Antworten und liebe Grüße Familie Schreiber aus Offenburg.

Diese aufmerksamen Beobachtungen von Familie Schreiber verdeutlichen sehr schön, welche Vielfalt an unterschiedlichen Wespenarten es bei uns gibt. Außerdem handelt es sich in beiden Fällen um Faltenwespen: Das sind Wespen, bei denen die Flügel in Ruhestellung längs gefaltet sind. Rund 100 Arten aus dieser Gruppe kommen in Mitteleuropa vor.

Das große Insekt an der rosa Wasserschale ist eine Große Lehmwespe (Delta unguiculata). Sie zählt zu den solitären Faltenwespen, bildet also keine Staaten mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. Vielmehr legt jedes Weibchen ihr eigenes, kleines Nest an. Da zu dessen Bau Lehm verwendet wird, heißen die einzeln lebenden Faltenwespen auch Lehmwespen.

Bei uns kommen rund 65 Lehmwespen-Arten vor, von denen die Große Lehmwespe wegen ihrer Länge von zirka zweieinhalb Zentimetern besonders auffällt. Sie lebt in Dörfern und Städten, wo die Weibchen ihre Nester im Sommer oftmals an Hauswände und ähnlichen Stellen bauen.

Meist werden fünf bis sieben Brutzellen errichtet, in jede von ihnen legt die Wespe ein Ei ab. Allerdings werden die Eier nicht einfach sich selbst überlassen: Vielmehr sorgt die Mutterwespe dafür, dass die Larven später auch etwas zu fressen haben. Dazu fängt sie Schmetterlingsraupen, die sie mit einem Stich lähmt und anschließend in die Kammern stopft – als Proviant für den Nachwuchs.

Getrockneter Lehmklumpen

Danach werden die Brutzellen nochmals mit einer Mörteldecke überzogen, weshalb das fertige Nest wie ein getrockneter Lehmklumpen aussieht. Einige Tage später stirbt die Wespe. Die neue Wespengeneration schlüpft im folgenden Jahr .

Nun zur Wespe auf dem zweiten Foto, die auf den Wasserschalen landet und lange Beine hat: Bei ihr handelt es sich um die Gallische Feldwespe (Polistes dominula). Sie gehört zu den sozialen Faltenwespen (ist also staatenbildend) und hat ein schwarzgelbes Muster sowie ein meist vollkommen gelbes Kopfschild,  die Arbeiterinnen sind zwölf bis 15 Millimeter groß. Schon seit einigen Jahren breitet sich diese Art stark aus.

Die Gallische Feldwespe bevorzugt warme Stellen, oftmals im Siedlungsbereich. Der Baustoff für das Nest wird von vertrockneten Pflanzenstängeln geraspelt und mit Speichel vermischt. Meistens befindet sich dieses in Garagen, Schuppen oder an ähnlichen Stellen.  Es hat keine schützende Hülle.

So ein Feldwespen-Nest wird von rund 30 Arbeiterinnen bewohnt, wobei diese auch die Temperatur regeln: Bei Hitze holen sie wie im vorliegenden Fall Wasser und »spucken« dieses anschließend auf das Nest. Zusätzlich wird es mit den Flügeln befächelt.

Noch etwas: Da sich die Gallische Feldwespe nicht nur von Nektar, sondern auch räuberisch ernährt und deshalb verschiedene Schadinsekten auf ihrem Speisezettel stehen, gilt sie  als nützlich. Zudem soll diese Art recht friedfertig sein und sich nur dann verteidigen, wenn sie gestört wird oder sie sich bedroht fühlt.

So erreicht ihr Robby Rheinschnake

Mittelbadische Presse
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