Kunstmesse in Straßburg öffnet

24. St-art stellt das Thema Design in den Mittelpunkt

Autor: 
Jürgen Lorey
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. November 2019
Ein Hingucker auf der Kunstmesse: die Arbeit „Banc Saint-Germain“ des Designers und Bildhauers Paolo Reinoso .

(Bild 1/2) Ein Hingucker auf der Kunstmesse: die Arbeit „Banc Saint-Germain“ des Designers und Bildhauers Paolo Reinoso. ©Jürgen Lorey

Die Straßburger Kunstmesse St-art öffnet heute, Freitag, ihre Pforten für die Besucher. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Design – und hier ein besonderes Designobjekt, der Stuhl in seinen Variationen. 

Gleich hinter dem Eingang der Messehalle sticht den Besuchern eine ungewöhnliche runde dunkle Bank ins Auge: von der runden Sitzfläche schlängeln sich innen dünne Stahlträger wie gekochte Spaghetti in Spiralen in die Mitte und verleihen dem Ganzen eine Leichtigkeit, Transparenz und etwas Kontemplatives. Die dynamische, scheinbar wachsende Bank scheint weder festen Anfang noch Ende zu haben. „Banc Saint-Germain“ heißt das Kunstwerk, das der französisch-argentinische Künstler, Designer und Bildhauer Paolo Reinoso 2015 schuf. Es steht im Eingangsbereich der St-art, der Straßburger Messe für zeitgenössische Kunst. 

Traditionell ein Ort, wo Sammler, Liebhaber und Besucher die Möglichkeit haben, die von talentsuchenden Galerien präsentierten Künstler entdecken und wiederzuentdecken, wartet die Kunstmesse mit zwei Neuigkeiten auf: Erstmals findet sie zum einen nicht mehr auf dem früheren Messegelände Wacken statt, sondern in einer provisorischen Halle auf dem Gelände in nächster Nähe zum Straßburger Palais de la Musique et des Congrès. Dort entsteht bis 2022 die neue Messe, die der renommierte japanische Architekt Kengo Kuma bauen wird. 

Zum anderen bietet die St-art Straßburg erstmals einen besonderen Raum für Galerien, die sich der Gattung Design widmen. Eine Sonderausstellung mit dem Titel „Design und Kunst im zeitlichen Bezug“ zeigt auf 200 Quadratmetern die Querverbindungen zwischen Design und Bildender Kunst Kunst. 

Kennedys runder Stuhl

- Anzeige -

Im ersten Bereich der Ausstellung widmet sich die Messe dem Stuhl und seinen Variationen als besonderem Designobjekt. Hier sind ausgewählte Neuauflagen von Stuhl-Objekten bekannter Designer wie Gerrit Thomas Rietveld mit seinem Stuhl „Zig Zag“ von 1932 oder Hans J. Wenger mit seinem Stuhl „CH24“ zu sehen, der internationale Berühmtheit erlangte, weil John F. Kennedy den runden Stuhl 1960 als Sitzgelegenheit für das Fernsehduell gegen Richard Nixon während des US-Präsidentschaftswahlkampfes auswählte. Weitere ausgestellte Stuhl­objekte stammen von dem Metallkünstler Harry Bertoia,­ der 1952 exklusiv für Knoll International einen Stuhl entwarf, dessen verchromte Stahldrähte sich durch das Gewicht des auf dem Stuhl Sitzenden neu formen und von Paulo Mendes da Rocha, der 1957 seinen Sessel „Paulistano“ schuf. 

Der zweite Raum präsentiert Genremalerei, die sich mit dem Stuhl beschäftigt und als Zeitzeugin die Brücke zwischen Malerei und Designobjekt schlägt. Dabei stehen sieben Werke von sieben Künstlern von Berthe Morisot (1841-1895) bis Jacques Monory (1924-2018) im Mittelpunkt, die sieben Sitzgelegenheiten zeigen. Zum Vergleich wurden die in den Werken reproduzierten Stühle als Objekt daneben gestellt. 

St-art wolle aber mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt nicht zu einer Designmesse werden, sagte die künstlerische Leiterin Patricia Houg: „Wir wollen den Besuchern und Kunstliebhabern lediglich eine Einführung geben“. Die Messe bleibe auch dieses Jahr ihrem Motto treu, einen Raum für vielschichtige Entdeckungen und Plattform sowie Sprungbrett für aufstrebende Künstler aus verschiedensten Nationen zu bieten.

76 Kunst- und Designgalerien aus Europa, unter anderem aus Frankreich, Deutschland, Belgien, Spanien, den Niederlanden und Italien sowie auch aus Kenia, laden dazu ein, zeitgenössische Kunst auf der Messe zu entdecken, zu diskutieren und zu kaufen. Deutschland ist mit sechs Galerien vertreten. Neben den Galerien präsentieren sich auch Städte der Grenzregion mit ihren Kulturangeboten wie etwa Basel Tourismus, Karlsruhe Tourismus, die Stadt Mannheim sowie die französische Région Grand Est.

 

Info

Öffnungszeiten

Kunstmesse St-art, Parc des Expositions, Hall 1, Rue Fritz Kieffer, Straßburg, 15. bis 17. November. Öffnungszeiten für Besucher: heute, Freitag, morgen, Samstag, sowie Sonntag, 17. November, jeweils 
11 bis 20 Uhr. Weitere Infos im Internet unter www.st-art.com/de/

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Ein erfolgreiches Team: Songwriter, Rapper, Produzent und Grafikdesigner Sascha Hummel (links) und Marketingfachmann Markus Schneider.
vor 13 Stunden
25 Jahre Koka Muzik
Koka, das Imperium des Offenburger Musikers Sascha Hummel, feiert das 25-jährige Bestehen. Seit fünf Jahren ist Markus Schneider an seiner Seite. Zusammen haben die beiden noch viel vor.
Dietrich Mack.
vor 13 Stunden
Kulturkolumne
„Das alte Jahr gar schnell entwich/es konnt‘ sich kaum gedulden/und ließ mit Freuden hinter sich/ den dicken Sack voll (Schulden)“ mit Gedenktagen, Jubiläen, Ereignissen (frei nach Wilhelm Busch).
Das Organisationsteam der Puppenparade Ortenau präsentiert den Kalender des Festivals.
09.12.2019
Auf dem Programm für 2020 stehen 35 Stücke
Die Puppenparade Ortenau hat erneut Zuwachs bekommen. Neuried und Friesenheim machen das Dutzend der teilnehmenden Städte und Gemeinden voll. Vom 4. März bis zum 5. April 2020 stehen 34 Stücke und fast 80 Aufführungen für Kinder und Erwachsene auf dem Programm. Alle Infos hier.
Colin Hodgkinson (von links), Neuzugang Marcus Bonfanti sowie die Gründungsmitglieder Ric Lee und Chick Churchill begeisterten als „Ten Years After“ in Kehl.
09.12.2019
Verein Rheinkultur feierte mit Kultband
Der Kehler Verein Rheinkultur feierte 40-jähriges Jubiläum als umtriebigster Veranstalter der Region. Hierfür holte man nach 1992 zum zweiten Mal die legendären „Ten Years After“ in die Kehler Stadthalle. 
Jürgen Stark.
06.12.2019
Kulturkolumne
Der britische Underground galt immer schon als extrem fruchtbar, denn seit den 1960er-Jahren schiessen hier die Bands wie Pilze aus dem Boden. Was jetzt aber The Heavy  mit dem neuen Album „Sons“ abliefern, ist zukunftsweisend.      
Boten Entertainment pur (von links): Djamel Laroussi, Tobias Reisige und Markus Conrads beim Konzert im Kehler Kulturhaus.
06.12.2019
Konzert im Kulturhaus Kehl
Vergessen Sie alles, was Sie über Blockflöte gehört haben! Dieses vermeintlich infantile Instrument wird zu Unrecht völlig unterschätzt. Diese Lehre konnte der Musikfreund vom Konzert des Trios Wildes Holz am Dienstagabend im vollbesetzten Kehler Kulturhaus mitnehmen.  
Brachte ihre eigene Brotzeit mit: die Kabarettistin Simone Solga.
05.12.2019
Kabarett im Lahrer Schlachthof
Simone Solga katapultiert sich vom Kanzleramt direkt auf die Bühne des Lahrer Schlachthofs und beantragt erst einmal politisches Asyl. Die Kanzlersouffleuse hat die Nase gestrichen voll und rechnet noch einmal gnadenlos ab, bevor sie 2020 mit einem neuen Programm an den Start geht.
Oma Dora (Heidi Mahler, Mitte) erlebt einen turbulenten 90. Geburtstag, Links Enkelin Gisela (Eyleen Weidel), rechts Ex-Schwiegertochter Selma (Marina Zimmermann
04.12.2019
Nostalgischer Schwank im Lahrer Parktheater
Heidi Mahler sagt „Servus“! Die Tochter der legendären Heidi Kabel ist zum letzten Mal mit dem Hamburger Ohnsorg Theater auf Tournee. In Lahr wurde am Freitagabend „Ein Mann mit Charakter“ gezeigt, ein wunderbar nostalgisch aufbereiteter Schwank aus dem Jahr 1969.  
„Grande Dame“ des Klaviers: Elisabeth Leonskaja.
04.12.2019
Beethovens fünftes Klavierkonzert im Festspielhaus Baden-Baden
Kontrastprogramm im Festpielhaus Baden-Baden: Pianistin Elisabeth Leonskaja, die am Sonntag mit dem Budapest Festival Orchestra Beethovens fünftes Klavierkonzert spielte, ist keine Tastenlöwin. Mit ihren Konzerten will sie zu geistigen Erkenntnissen verhelfen.
So sieht die Künstlerin Valeria Docampo den gezähmten Fuchs des „kleinen Prinzen“.
03.12.2019
Ausstellung "Der kleine Prinz" in Gengenbach
Bei der Vernissage der Ausstellung „Der kleine Prinz“ in Gengenbach konnte Kurator Reinhard End mit Valeria Docampo die Malerin von zwölf Bildern des Adventskalenders vorstellen. Schauspieler Arno Kempf verkörperte sehr authentisch den 1944 abgestürzten Piloten und Autor Antoine de Saint Exupéry.  
Zwei Seelen und vier Hände: die Klaviervirtuosen Carles & Sofia.
03.12.2019
Carles & Sofia bei Oberrhein-Konzertreihe in Offenburg
Vier Hände, viel Gefühl: Wohlklang und Leidenschaft prägten am Samstagabend die Musik des katalanischen Klavierduos Carles & Sofia in der gut besuchten Oberrheinhalle. Zum zweiten Konzert der Oberrhein-Reihe hatten die beiden Pianisten eine breite musikalische Palette mitgebracht. 
Triosence: Bernhard Schüler (von links), Omar Rodriguez Calvo und Tobias Schulte.
02.12.2019
Erstes Konzert Im Offenburger Salmen
Musikalischer Drive und sorgsam verwobene Melodien, ein elegantes, aus unterschiedlichen Einflüssen schöpfendes Spiel der Jazzharmonien. So hat sich das 1999 von Bernhard Schüler gegründete Triosence am Donnerstagabend bei seiner Premiere in Offenburg präsentiert.  

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • vor 22 Stunden
    KF Kinzigtaler Fenster GmbH - Der Experte in Gengenbach
    Winter – die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die beste Saison für Einbrecher. Gut, wer da sichere Türen und Fenster hat. Die KF Kinzigtaler Fenster GmbH in Gengenbach hat sich genau darauf spezialisiert und ist in der Region Experte für die Sicherheit zu Hause.
  • 10.12.2019
    Triberger Weihnachtszauber 2019
    Wenn die Weihnachtsmärkte schon abgebaut sind, lädt der „Triberger Weihnachtszauber“ vom 25. bis 30. Dezember zu einem romantischen Weihnachtsspektakel ein. Mehr als eine Million Lichter verwandeln den Schwarzwald an Deutschlands höchsten Wasserfällen in ein funkelndes Wintermärchen!
  • 09.12.2019
    Gravuren, Reparaturen, Anfertigungen
    Bei Juwelier Spinner dreht sich alles um Schmuck und Uhren. Aber nicht nur edle Accessoires lassen sich hier finden – es gibt auch einen ausgezeichneten Service mit vielen weiteren Dienstleistungen.
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.