Kultur

"2500 Follower aus allen Ländern"

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 4 Minuten
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10. Mai 2021
Der Wiener Fotograf Manfred Poor beim Leselenz 2020: Auch in diesem Jahr wird es wieder Schaufensterausstellungen in Hausach geben.

Der Wiener Fotograf Manfred Poor beim Leselenz 2020: Auch in diesem Jahr wird es wieder Schaufensterausstellungen in Hausach geben. ©Claudia Ramsteiner

Der Leselenz 2021 lässt grüßen. José F. A. Oliver setzt auf Bewährtes und kombiniert mit Neuem. Auf jeden Fall geht es am 1. Juli los – digital oder analog.

Nach dem Leselenz ist vor dem Leselenz oder: Was macht ein Dichter, wenn das Publikum nicht kommen kann? Er schreibt. Im Falle des Hausacher Lyrikers José F. A. Oliver: Er bereitet die neue Ausgabe des Literaturfestivals vor. Eigentlich wäre er jetzt in Tuscon/Arizona. Die Gastprofessur wurde auf 2022 verschoben. Genauso wie seine Reise nach Kapstadt, wo eine Doktorantin über seine Lyrik geschrieben hat, wie Oliver im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse erzählt. Stattdessen Leselenz 2021. Soweit man das planen kann. Oliver hat ein wunderbares Wortspiel dafür: „Unplanbar verplant“.

In diesem Sinne wird es vom 1. bis 5. Juli und vom 5. bis 9. August „Poetische T:räume“ geben, „auch eine große Eröffnung“, unter Umständen wieder als Openair. Das hatte sich im vergangenen Sommer bewährt mit dem „Autorenkino“. Es wird Kabarett geben – „die Menschen brauchen etwas zum Lachen“ –, Musik und eine Ausstellung in den Schaufenstern. „Die Hausacher Geschäftsleute sind sehr offen und machen wieder mit“. „Das sind so Sachen, die wir aus der Krise mitnehmen“, sagt der Leselenz-Chef. Die Stipendiaten werden da sein, und der Leselenz-Preis wird vergeben. Europäische und deutsche Lyriker und Erzähler werden zu Gast sein, und im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ist der Besuch eines kanadischen Autoren geplant.

Durch die digitale Verbreitung der letztjährigen Lesungen hat das Festival Fans weltweit gefunden. „2500 Follower aus allen Ländern und viele Zuhörer an den Radios. Wir werden also auch weiterhin streamen, zumindest die Highlights.“ Auf diese Weise ist der Hausacher Leselenz zu einem der bedeutendsten Literaturfeste in Europa geworden. „Wir arbeiten auf höchstem technischen Niveau.“ Allerdings müsse er das Budget nun anders planen, die ditigale Verbreitung bedeute andere fixe Größen – Hygiene-Auflagen und technischer Aufwand unter anderem. Was die Finanzen betrifft, ist Oliver gelassen. „Die Eintrittsgelder waren immer eher symbolisch. Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Menschen Bücher kaufen. Das hilft den Autoren mehr als Eintrittsgelder.“

Das Motto ist bewusst gewählt: „Träume statt Illusionen, denn Träume können in Erfüllung gehen. Und wir suchen neue Räume für die Literatur“. Für den August hat sich der Fasent-Freund noch etwas einfallen lassen: einen poetischen Umzug. „Als Ersatz für den Fasnachtsumzug“, sagt Oliver lachend.

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Besondere Mühe hatte sich das Leselenz-Team mit dem Bereich „kinderleicht & lesejung“ gegeben und bereits 2020 umdisponiert. Statt Live- und Zoom-Lesungen bietet man nun Publikationen mit medienpädagogischen Aufgaben und Videoclips der Autoren an, auch in diesem Jahr wieder digital verfügbar. „Die professionell gemachten Videos sollen Schüler anregen, interdisziplinär zu arbeiten“. Alle Fächer können einbezogen werden, „wodurch man Begabungen fördern kann“, erklärt Oliver.

„Zoom Fatigue“

Drittes Element war und bleibt eine Art Lose-Blatt-Sammlung: Ein Gedicht eines jungen Dichters mit Erklärungen und Biografischem. „Man erhält eine Sammlung junger Autorinnen und Autoren, junge Leute kommen so in den Genuss von Texten junger Dichter“, was für Oliver besonders wichtig ist. Auch dieses Element sieht Oliver als Unterstützung der Autoren.

Allerdings habe die mehrheitliche Kommunikation über Bildschirm auch ihre Schattenseiten. „Im Amerikanischen wurde bereits der Begriff ‚Zoom Fatigue’ gebildet. Man sieht sich selber auf dem Bildschirm und wird befangen. Das erzeugt Druck“. Er habe das selber erlebt, etwa bei der Poetik-Dozentur in Cork. Zwar hatte er durch die digitale Lesung Studenten weltweit, „aber das war anstrengender als eine normale Vorlesung.“ Die Vorbereitung digitaler Projekte benötigt zudem ein Vielfaches an Aufwand.

Was Oliver darüber hinaus beschäftigt: Institutionen täten sich noch schwer mit dem Umdenken bei der Bezahlung. „Ich arbeite an mehreren Projekten gleichzeitig“, darunter Übersetzungen. Bezahlt werde erst nach Beendigung des Projektes. Das bedeute: „Laufende Projekte unterbrechen, um Arbeiten zu erledigen, die sofort Geld bringen. Was die anderen Projekte verzögert.“ Viel Geld im November nutze dem Künstler wenig, wenn er es im Frühjahr braucht. „Es wäre sinnvoll, die Honorare in Tranchen zu bezahlen“, schlägt Oliver vor.

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