Amsterdam

Abi mit acht: Laurent will am liebsten lernen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Juli 2018
Der achtjährige Laurent Simons hat sein Abitur gewmacht.

Der achtjährige Laurent Simons hat sein Abitur gewmacht. ©dpa -  Annette Birschel

Immer wenn die Bässe laut durch das alte Haus an der Prinsengracht in Amsterdam dröhnen, lernt Laurent. «Er lernt am liebsten ohne Kopfhörer», sagt seine Mutter Lydia Simons und rollt mit gespieltem Entsetzen die Augen.

Laurent sitzt neben ihr am großen runden Esstisch und grinst schelmisch. Zur Zeit muss er nicht lernen. Er hat gerade erst sein Abitur bestanden und wurde dafür fast schon weltberühmt. Denn Laurent ist erst acht Jahre alt. Hochbegabt, Genie, Wunderkind. Schon jetzt wird der belgisch-niederländische Junge mit einem IQ von 145 von Medien mit Einstein und Stephen Hawking verglichen. Doch er macht nicht den Eindruck, als ob ihn das sehr einschüchtern würde. Laurent ist ein freundliches, zurückhaltendes Kind. «Ich will Dinge gerne wissen.»

Das war schon immer so, erinnert sich Mutter Lydia. «Warum, warum, warum, fragte er immer.» Inzwischen ist es häufiger andersherum, räumt sie ein. Dann fragt sie den Achtjährigen. «Er kann gut erklären und hat Geduld», bestätigt Vater Alexander. «Wenn er jemanden mag.» Laurent grinst.

Als hochbegabt gilt, wer einen Intelligenzquotienten von über 130 hat. Nur rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung fallen darunter, wie die Wiesbadener Stiftung «Kleine Füchse» informiert. Ab einem IQ von 140 wird von Höchstbegabung gesprochen. «Einen IQ von 145 oder höher erreichen nur noch 0,1 Prozent - also nur einer von 1000 Menschen», sagt Isabel Vöhringer, die leitende Psychologin der Stiftung.

Was Laurent einmal werden will? Das weiß er noch nicht genau. Was er studieren will hingegen schon: Mathematik. Das war auch sein Lieblingsfach auf dem Gymnasium im belgischen Brügge, wo er in nur wenigen Monaten die Oberstufe durchlief. In der Regel sind die Schüler 18 Jahre alt, wenn sie dort das flämische Abitur machen, wie ein Mitarbeiter der Schule sagt.

- Anzeige -

Auch Erdkunde und Geschichte fand Laurent toll. «Am interessantesten fand ich den Kalten Krieg.» Sein Vater ist Belgier, seine Mutter Niederländerin. Da beide voll eingespannt in ihrer Zahnarztpraxis waren, wuchs der kleine Laurent sechs Jahre lang bei den Großeltern im belgischen Ostende auf.

Bevor er nach Brügge wechselte, kam Laurent im Januar 2017 zunächst auf ein Privatgymnasium in Amsterdam. Das ging eigentlich schon in der ersten Woche schief, erinnert sich seine Mutter. «Kaum hatte der Lehrer eine Frage gestellt, gab Laurent die Antwort», sagt Lydia Simons. «Das fanden die anderen Kinder natürlich auch nicht schön.» Schließlich wurde ein maßgeschneidertes Unterrichtspaket für ihn entwickelt. Und ganz wichtig: Er bekam Einzelunterricht.

Laurent, sagt sein Vater, blühte auf. «Wenn er echt gefordert wird, dann geht es rasend schnell, zu schnell für uns.» Der Junge absolvierte Grundschule und Gymnasium im Rekordtempo. In Amsterdam machte er noch ein Praktikum bei einem Kardiologen. In den Sommerferien besuchte er Sonder-Kurse für Hochbegabte. Und nun bekam er das Abiturzeugnis.

Doch als Laurent das schmucklose Diplom im A4-Format in der Hand hielt, reagierte er wie viele Abiturienten. «Dafür habe ich nun so hart gearbeitet.» Laurent kichert leise, als er an den Moment zurück denkt. «Aber ich bin auch echt stolz.» Nach dem Sommer will er mit dem Studium beginnen. Die Familie reist nun durch Europa auf der Suche nach einer geeigneten Universität. Nein, der achtjährige Junge wird nicht gemeinsam mit 20-Jährigen im Hörsaal sitzen. Vermutlich könnte er kaum über den Tischrand schauen. Er wird Einzelunterricht von Professoren bekommen. «Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit in Belgien oder den Niederlanden», weiß Laurent. Am liebsten in der Nähe von Oma und Opa und seinen Freunden.

Doch erst mal sind da noch die Sommerferien. Auch ein kleines Genie kann das Nichtstun genießen. «Wir fahren nach Marbella», sagt er und freut sich: «Da kann ich mit Jet-Ski fahren und schwimmen.» Und er fährt mit seinen Eltern in den Europa-Park in Baden-Württemberg. Jetzt aber muss er noch ein paar Interviews geben. «Das ist mal schön, aber manchmal auch doof», sagt er sehr diplomatisch. Denn die Fragen könnten ganz schön nerven. Die Eltern hoffen aber, dass Laurent nach dem ganzen Wirbel in Ruhe gelassen wird und das tun kann, was er am liebsten will: nachdenken und Lernen.
 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • vor 8 Stunden
    Eröffnung am 30. März
    Beim Grillen wird es jetzt richtig heiß: Der Obi Markt in Offenburg eröffnet am Samstag, 30. März, seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« – und macht sich zur Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. Zur...
  • 19.03.2019
    Kehl
    Zum 29. Mal können Gäste am Wochenende des 30. und 31. März in der Kehler Innenstadt den Kehler Autopark besuchen. Eingerahmt ist er in ein Frühlingsfest, der Sonntag ist außerdem verkaufsoffen.
  • 28.02.2019
    Kehl-Kork
    Traumhafte Bäder in den verschiedensten Varianten, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche des Kunden - dafür stehen die Experten von Badtraum in Kehl-Kork seit 11 Jahren. Das Besondere dabei: Badtraum liefert alle Leistungen aus einer Hand und steht den Kunden von der Planung bis zum Einbau...
  • 15.02.2019
    Bars, Musik, Kostümprämierung
    Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Ulrich Matthes ist der Präsident der Deutschen Filmakademie.
vor 14 Stunden
Berlin
Mit zehn Nominierungen ist das Drama «Gundermann» von Regisseur Andreas Dresen der Favorit für den Deutschen Filmpreis. Der Film über den DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann (1955-1998) ist unter anderem als bester Spielfilm, für die beste Regie und das beste Drehbuch nominiert. Das gab die...
Thomas Gottschalk hat seine neue Karriere als Literaturexperte gestartet.
vor 18 Stunden
Augsburg
In Augsburg schließt sich der Kreis. Denn in Augsburg habe Frank Elstner ihm einst «Wetten, dass..?» übertragen. Das erzählt Thomas Gottschalk zu Beginn seiner neuen Sendung «Gottschalk liest?» im Rahmen eines kleinen Exkurses über die kulturhistorische Bedeutung der Stadt.
Für Sebastian Fitzek ist die Langeweile Grundvoraussetzung für Kreativität.
vor 19 Stunden
Berlin
Sinnfragen statt Serienmorde: Thriller-Autor Sebastian Fitzek (47) beschäftigt sich in seinem Sachbuch «Fische, die auf Bäume klettern» erstmals mit Werten, Glück und Lebensträumen.
Am 3. Mai wird der Deutsche Filmpreis verliehen.
vor 19 Stunden
Berlin
Wer hat in diesem Jahr Chancen auf eine Lola? Rund sechs Wochen vor der Verleihung des Deutschen Filmpreises werden die Nominierungen veröffentlicht.
19.03.2019
William Christie und dem Ensemble »Les Arts Florissante«
Was hat uns Bachs »Johannes-Passion«, die vor 295 Jahren erstmals in der Leipziger Nikolaikirche aufgeführt wurde, heute noch zu sagen? Ist diese immens dramatische Geschichte aktuell, geht sie uns unter die Haut?
Quentin Tarantino bei der Premiere von 'The Hateful Eight' in Rom 2016.
19.03.2019
Los Angeles
Gut vier Monate vor dem geplanten Kinostart des Tarantino-Films «Once Upon A Time in Hollywood» hat Sony Pictures das erste Filmplakat veröffentlicht. Darauf posieren die Hauptdarsteller Brad Pitt und Leonardo DiCaprio lässig vor einem gelben Ami-Schlitten aus den 1960er Jahren.
Volles Haar: Fußballprofi Cristiano Ronaldo.
19.03.2019
Madrid
Cristiano Ronaldo kehrt nach Madrid zurück - aber nicht als Torjäger bei Rekordmeister Real, sondern als Klinikchef. Der stets perfekt gestylte Portugiese eröffnete in der spanischen Hauptstadt ein Zentrum für Haartransplantationen, wie spanische Medien am Dienstag berichteten.
Andre Williams ist tot.
19.03.2019
Chicago
Der US-Sänger, Produzent und Songschreiber Andre Williams ist im Alter von 82 Jahren in Chicago gestorben, wie seine Plattenfirma Pravda Records am Montagabend mitteilte. «Er hat unser Leben berührt und das zahlloser anderer. Wir lieben Dich, Dre.»
18.03.2019
"Wortreich" in La Citta
Bissig, böse, zuweilen makaber und sehr politisch – Lisa Catena bescherte bei »Wortreich« in Kehl einen temporeichen und witzigen, aber am Ende auch sehr nachdenklich stimmenden Kabarett-Abend.
18.03.2019
Konzert in der Alten Kirche
Ein interessanter Vergleich erwartete die Gäste der sehr gut besuchten Konzerte in der Alten Kirche Fautenbach am Sonntag: Unter dem Titel »Der Lehrer und sein Schüler« spielte das Cyprian Ensemble Freiburg das Klavierquintett f-Moll von Brahms und das Klavierquartett F-Dur von Gustav Jenner.
18.03.2019
"Boulevard" im Parktheater
Die Boulevardkomödie »Jahre später, gleiche Zeit« schreibt eine außergewöhnliche Liebesgeschichte fort. Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz verkörpern ein Paar, das sich nur einmal im Jahr trifft. Die Schauspieler waren bereits vor zwei Jahrzehnten in »Nächstes Jahr, selbe Zeit« zu sehen.   
Der Gitarrist Dick Dale wurde 81 Jahre alt.
18.03.2019
Los Angeles
Der US-amerikanische Gitarrist Dick Dale, ein Pionier der Surf-Musik, ist tot. Der Musiker sei am Samstagabend gestorben, teilte Dales Bassist Sam Bolle am Sonntag dem britischen «Guardian» mit. Der «King of the Surf Guitar» wurde 81 Jahre alt.