Kabarett in der Illenau

Acherner Publikum amüsierte sich prächtig bei Michael Klink

Autor: 
Bodo G. Toussaint
Lesezeit 3 Minuten
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16. April 2018

Michal Klink alias LinkMichel überraschte in seinem Programm immer wieder mit alltäglichen Absurditäten. ©Bodo G. Toussaint

Der vermeintliche Antagonismus zwischen den Schwaben und den Badenern scheint zumindest zeitweilig außer Kraft gesetzt. Am Freitagabend jedenfalls amüsierte sich in der Illenau der badische Teil der Kontrahenten köstlich über einen Schwaben, der eine Nummer für sich ist: Michael Klink. 

Ist Michael Klink, der nur unter »LinkMichel« auftritt, Kabarettist? Spaßmacher? Oder ein vergnüglicher Erzähler? Was auch immer: Die ätzende, politisch-sozialkritische Schärfe mancher seiner Kollegen sucht man bei ihm vergebens. Das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, eher im Gegenteil. 
LinkMichel gibt seinem Publikum nicht das Gefühl, als habe er als einziger den Durchblick und könne den Verantwortlich sagen, was sie alles falsch machen, nein, der LinkMichel schildert schlichtweg den Alltag mit seinen Tücken, schaut dem Volk aufs Maul und beschreibt das menschliche Allzumenschliche, trocken, knapp, pointiert.

»He, Alter, ...«

Ab einem gewissen Alter fühlen sich viele Männer überflüssig, sagt er. Das daraufhin lang gestreckte bedauernde »Oooh« einer Dame aus dem Publikum zaubert selbst dem Spaßmacher ein Lächeln auf die Lippen. Jedenfalls könne man diese Altersklasse deshalb zuhauf in ihrer orangefarbenen Kluft auf dem Mountainbike durch den Wald radeln sehen. Er beschreibt die Situation im Supermarkt, wenn ihm ein junger Rapper seine Dose Bier vor die Nase hält und ihn fragt: »He, Alter,… kann ich zu vorne? Guckst du,… hab ich nur des!«. Dann mokiert er sich über diejenigen, die erst dann, nachdem alle Waren an der Kasse durchgelaufen sind, ihre Portemonnaies zücken und schließlich noch umständlich nach dem fehlenden Ein-Cent-Stück kramen. 

»Das sind immer nur Frauen!«, meint er und erntet natürlich den erwarteten Protest der weiblichen Besucher. Und relativiert sofort sein Statement: »Das männliche Pendant finden Sie an der Tankstelle.« Alle Männer wollten partout an der Zapfsäule auf die zwei Nullen hinter dem Komma kommen, was natürlich einige Zeit in Anspruch nähme. Einmal habe ihn seine Tochter mit dem freudigen Ausruf überrascht: »Papa, ich bin die Klassenbeste!«, woraufhin er geantwortet habe: »Da hab ich keine Erfahrung!« 

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Am »Schwätzpoint«

Dann fügt er hinzu: »Bevor ich etwas lerne, was ich nicht kann, lerne ich lieber etwas, was ich kann!« Er hat auch einen guten Freund, und der scheint überaus gutmütig, aber leider nicht der Hellste zu sein, und von dem sagt er: »Der ist nicht dumm, nein,… der hat nur so viel Pech beim Denken!«

Dann lässt er sein Publikum noch wissen, dass er in einem Städtchen mit rund 6000 Einwohnern wohnt. Dort benötige man keinen Geheimdienst, dort wisse jeder alles über jeden. Vor allem wegen des »Schwätzpoints« mitten in der Stadt. Der werde von seiner Frau natürlich regelmäßig frequentiert. Wenn sich dort zwei Frauen träfen, müsse erst eine dritte hinzukommen, bevor eine gehen dürfe.

Wenn am Ende der Applaus explodiert, dann verkündet er gleich generös, dass man selbstverständlich noch eine Zugabe erwarten könne. Das mit den Zugaben sei überhaupt ein »globaler Zuschauernepp«, behauptet er, denn jeder rechne von vorneherein mit einer Zugabe. »Denn die habt Ihr ja bezahlt!«

Keine Frage: Der Mann versteht sein Geschäft!     

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