Konzert der Philharmonie am Forum in Offenburg

Andrej Melik setzte Glanzlicht mit Schumanns Cellokonzert

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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22. Mai 2019
Orchestrale Feinkost bot die Philharmonie am Forum bei ihrem Sinfoniekonzert. Cellist Andrej Melik (Mitte) glänzte mit einem seiner Lieblingsstücke.

Orchestrale Feinkost bot die Philharmonie am Forum bei ihrem Sinfoniekonzert. Cellist Andrej Melik (Mitte) glänzte mit einem seiner Lieblingsstücke. ©Jürgen Haberer

Dirigent Rolf Schilli hatte für das Sinfoniekonzert der Philharmonie am Forum am Sonntagabend in der Offenburger Oberrheinhalle ein Programm im Geiste der Romantik zusammengestellt. Cellist Andrej Melik überzeugte dabei als Solist. 

Franz Schubert, der Meister der kleinen Form, hat lange mit der sinfonischen Gattung gerungen. Nach sieben Anläufen ist ihm vermutlich 1825, ein Jahr nach der Uraufführung der »9. Sinfonie«“ Beethovens, der große Wurf gelungen. Seine zweite »Sinfonie in C-Dur« sprengt mit rund 50 Minuten Aufführungsdauer den damals gängigen Rahmen, überzeugt aber mit musikalischer Dichte und einer ungemein kraftvollen, lyrischen Tonsprache.

Die Aufführung seines Meisterwerkes hat der 1828 verstorbene Schubert nicht mehr erlebt. Denn die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde legte sie aufgrund ihrer Komplexität erst einmal im Archiv ab. Robert Schumann entdeckte sie zehn Jahre nach Schuberts Tod und leitete sie an Felix Mendelsohn-Bartholdy weiter, der sie am 21. März 1839 mit großem Erfolg im Rahmen der Leipziger Gewandhauskonzerte erstmals aufführte. 

Rolf Schilli hat sich nun mit ähnlicher Begeisterung an die große Sinfonie Schuberts heran­gewagt. »Eine Flut an Noten und doch kein Ton zu viel«, wurde er von Moderatorin Ines Pasz zitiert. Der Leiter der Philharmonie am Forum stellte sie aber nicht einfach in den Raum. Mit dem Dreigestirn Mendelsohn-Bartholdy, Schuman und Schubert gestaltete er einen romantisch geprägten Konzertabend aus und verwöhnte das Publikum in der Oberrheinhalle mit orchestraler Feinkost. 

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Den Anfang macht Felix Mendelssohn-Bartholdys Konzertouvertüre »Das Märchen von der schönen Melusine«, ein schwungvolles Intermezzo, das die Philharmonie am Forum mit sinnlicher Kraft zum Klingen bringt. Danach das Cellokonzert a-moll von Robert Schumann, eines der Lieblingswerke von Solist Andrej Melik. Der in Tiflis geborene und in Moskau ausgebildete Cellist, der seit fast zwei Jahrzehnten an der städtischen Musikschule in Lahr unterrichtet, arbeitet aus dem technisch anspruchsvollen Werk die Feinheiten heraus. 

Ausgefeilter Dialog

Ein leises, lyrisches Cello leitet ein Werk ein, dessen drei Sätze nahtlos ineinander übergehen, in dem das eher sperrige Soloinstrument wunderbar gefühlvoll hervortritt, sich gegen das mit viel Tutti agierende Orchester abgrenzt. Das Publikum darf sich über einen ausgefeilten Dialog freuen, ein musikalisches Glanzlicht, das Andrej Melik mit einer Verbeugung vor Johann Sebastian Bach als Zugabe krönt. 

Nach der Pause folgt die Sinfonie Schuberts, die »Große«, die das Orchester vor eine Herausforderung stellt. Die Philharmonie am Forum muss nun auch mit sich ringen, sich strecken, um fast eine Stunde lang die Konzentration zu halten. Es ist an ein paar Stellen zu hören, dass hier ein projektbezogen arbeitender Klangkörper und kein professionelles Orchester auf der Bühne steht. 
Das Wagnis gelingt aber. Die Philharmonie am Forum stellt unter Beweis, dass sie in der Region zu Recht einen ausgezeichneten Ruf genießt. Der Beifall des Publikums ist anhaltend und alles andere als eine wohlwollende Pflichtübung. Für eine Zugabe fehlt dem Orchester dann aber die Kraft. 

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