Hausacher Leselenz 2019

Anja Tuckermann will die Welt auf den Kopf stellen

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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08. Juli 2019
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Autorin Anja Tuckermann nahm am Freitagabend in Hausach den Leselenz-Preis für junge Literatur entgegen und bedankte sich mit launigen Versen.

Autorin Anja Tuckermann nahm am Freitagabend in Hausach den Leselenz-Preis für junge Literatur entgegen und bedankte sich mit launigen Versen. ©Jürgen Haberer

Poesie und Wortwitz, eine Preisverleihung, Musik und Kunst. Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des 22. Hausacher Leselenz hat einmal mehr die Bandbreite des noch bis zum 12. Juli laufenden Literaturfestivals aufgezeigt. 

Vogelgezwitscher und Verscollagen reflektierten zum Einstieg das Natur und Mensch-Motto des Festivals. Ein junger Liedermacher markierte den Übergang von den Begrüßungsreden zur Preisvergabe an Anja Tuckermann. In der Pause der Leselenz-Eröffnung am Freitagabend rückte für viele Besucher die Begleitausstellung in der Haus­acher Stadthalle in den Vordergrund, bevor dann im zweiten Teil des Abends Carolina Schutti und das Duo Fransen Musik eine Verschränkung von Wort- und Tonkunst wagten. 

Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Hausacher Leselenz wird seit Jahren von einem interdisziplinären Kulturverständnis geprägt, von Neugier und der Lust am Experiment. José F.A. Oliver hat mit dem von ihm 1998 initiierten Leselenz eine buntschillernde Duftmarke gesetzt, die längst zu den bedeutendsten Literaturfestivals des deutschsprachigen Raumes zählt. Hier blühen Literatur und Prosa auf, Grenzgänger schauen über den literarischen Tellerrand, während der Ableger »Kinderleicht & Lesejung« längst Schulkassen aus der ganzen Ortenau anlockt.

Das Festival ist schrittweise gewachsen. Zu den jüngsten Leuchtturmprojekten zählt der 2017 erstmals vergebene Leselenz-Preis für junge Literatur der Gerhard Thumm-Stiftung. Der mit 5000 Euro dotierte Preis würdigt Autoren, die Kinder und Jugendliche abseits der klassischen Erbauungsliteratur mit Lesestoff versorgen, der die Fantasie beflügelt und doch auch zeitbezogene Themen aufgreift.

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Wunderbare Poesie 

Anja Tuckermann, 1961 in Bayern geboren und im Berliner Stadtteil Kreuzberg aufgewachsen, setzt seit fast vier Jahrzehnten Maßstäbe. Sie hat ab 1980 die von ihr gegründete Zeitschrift »Tigermädchen« herausgegeben und für die Kinderfunkredaktion des Deutschlandradios gearbeitet. Sie leitet Schreibwerkstätten, schreibt dokumentarisch-biografische Bücher zur Zeitgeschichte, punktet aber auch mit einer wunderbaren Poesie. »Ihre Bücher und Themen werden inspiriert von der Realität, die Sprache ist blumig und fantasievoll, aber auch nachdenklich und zerbrechlich«, bescheinigte ihr Gesa Kraus vom Regierungspräsidium Freiburg in ihrer Laudatio.

Anja Tuckermann, die auch über die Schicksale Jugendlicher im Dritten Reich, über einen jungen Roma und Flüchtlinge aus Vietnam geschrieben hat, überraschte im Anschluss an die Preisvergabe mit launigen und verschmitzten Versen. »Beim Schreiben kann man die Welt auch auf den Kopf stellen und abheben, wie der Mann, der eine Blume sein wollte«, betonte die 2006 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Autorin, bevor sie mit skurrilen Familienbildern für eine befreiende Erheiterung im Publikum sorgte. 

Der zweite Teil des Abends gehörte der Tiroler Autorin Carolina Schutti, ihrem Lyrikband »Nervenfieber« und dem Duo Fransen Musik mit Hannes Sprengler (Blasinstrumente, Elektronik) und Klex Wolf (Tasteninstrumente, Elektronik). Klavier und Saxofon umrankten Verse, öffneten den Raum für eine teilweise improvisierte Verschränkung von Wort und Musik. Das Trio tauchte ein in Dissonanzen und zeitgenössische Klänge. Dunkle Metaphern spiegelten sich in elektronischen Rhythmen. Die Performance öffnete neue Räume, in denen bewusst die Hörgewohnheiten des Publikums aus den Angeln gehoben wurden.

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