Kabarett in Achern

Annette Postel lieferte sich Scharmützel mit den S-Lauten

Autor: 
Wolfgang Winter
Lesezeit 3 Minuten
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18. September 2020
Opernparodie im prachtvollen Gewand: Annette Postel verzückte das Publikum in Achern.

Opernparodie im prachtvollen Gewand: Annette Postel verzückte das Publikum in Achern. ©Daniela Busam

Zwei gelungene Kabarett-Vorstellungen mit Annette Postel brachten das Acherner Kulturprogramm „Gong“ wieder in Schwung. Jeweils 50 Zuschauer erlebten im Festsaal der Illenau große Schauspiel- und Gesangskunst.              

Ein halbes Jahr hielt die Corona Pandemie das Acherner „Gong“-Programm im Würgegriff. Am Mittwoch konnten die Kulturfreunde wieder aufatmen. Annettes Postels im April abgesagter Kabarettauftritt „Sing oder stirb“ kam im Festsaal der Illenau zur Aufführung. Die Wiederaufnahme des städtischen Spielbetriebs ist mit erheblichen Opfern erkauft. 
Die landesweit geltenden Abstandsregeln lassen die Kapazität des Saales radikal zusammenschrumpfen. In den beiden am Nachmittag und Abend gebotenen Vorstellungen war die historische Spielstätte bereits mit jeweils 50 Zuschauern ausverkauft. Von der Stadt gab es trotzdem für alle ein Zuckerl obendrauf. Die Bühne wurde mit flexiblen Anbauten beträchtlich vergrößert. 

Vor Energie funkelnd

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Darüber konnte sich auch Annette Postel freuen. Sie kam mit einer kleinen Kunstpause auf die Bretter, die die Welt bedeuten und witzelte: „Die Desinfektion dauert jetzt immer so lange. Ich war ja monatelang nicht On Stage und da hatte sich einiges in den Poren abgesetzt.“ Zusammen mit ihrem formidablen Pianisten Klaus Webel bewies die prachtvoll gekleidete Sopranistin, dass sie nach der coronabedingten Zwangspause vor Energie funkelte. Ihr Programm „Sing oder stirb“ ist bereits seit 13 Jahren ein Dauerbrenner. Obwohl die Postel darin die Oper und den Opernbetrieb gnadenlos durch den Kakao zieht, rührt sie jedoch dabei gleichzeitig die Werbetrommel für das Genre. 
„Oper ist unmodern, Oper ist völlig out. Weil das ein Plot ist, der leider schon Schrott ist“, singt sie zu Beginn auf die Melodie der berühmten „Ach wie so trügerisch“-Arie aus dem Rigoletto und macht sich im Text aber auch über das öde TV-Programm lustig. Ihre mit zahlreichen Beispielen belegte Erklärung „Das Theater ist ein Irrenhaus, darin ist die Oper eine geschlossene Abteilung“, passte perfekt in den Festsaal der ehemaligen Illenau-Psychiatrie.
Wenn Postel Anatevkas Milchmann karikiert und mit ihrem Text „Wenn ich ein Tenor bin“, eifersüchtig seufzend auf seine Traumgage schielt, macht sie im Gegenzug die Heerschar von Soubretten runter, mit denen die Fußgängerzonen der Städte gepflastert seien. Sie selbst habe sich entschieden, parallel die Opern- und die Kleinkunst-Bühne zu bedienen. Wenn Postel, als das von Amor angetriebene Ännchen, in Carl Maria von Webers „Freischütz“ agiert, lässt sie deshalb im Wechsel Dalidas Hit „Er war gerade 18 Jahr’“, erklingen. Zum Brüllen komisch wirkte dabei nicht nur ihr französischer Akzent, sondern generell auch Postels hinreißende Mimik und exaltierte Körpersprache. Wenn dabei, akustikbedingt, die eine oder andere Textpassage unverständlich blieb, versöhnte sie jedoch bei weiten nicht nur durch ihre brillante Schauspielkunst.  

Herzzerreißendes Lamento

Didos herzzerreißendes Lamento „When I am laid on earth“ aus Henry Purcells Barockoper „Dido und Aeneas“ war zum Beispiel als Parodie gedacht, zeigte jedoch darüber hinaus Postels Gesangskunst vom Feinsten. Ihr „Oh Donna Clara“, in dem sie Carusos Schelllackplatte unvermutet viel zu schnell oder extrem langsam laufen ließ, gehörte zu den Glanzlichtern des Programms. Absolut witzig geriet auch Postels Auftritt als Lispelmaus, die sich in Franz Lehárs „Meine Lippen küssen so heiß“ ein aussichtsloses Scharmützel mit den 
S-Lauten lieferte. 
Die Acherner klatschten begeistert und hingen noch für drei Zugaben an Annette Postels Lippen. Allein ihre bezaubernd schön intonierten Koloraturen sollten noch lange in den Ohren der Besucher nachklingen.

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