Literaturtage »Wortspiel«

Antiker Dichter Ovid gibt gute Ratschläge für die Liebe

Autor: 
Gertrud Schley
Lesezeit 3 Minuten
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19. April 2018
Besichtigung der Spielstätte: Kulturbüroleiter Edgar Common (links) und Regisseur Georg Rootering im Saal des Salmen.

Besichtigung der Spielstätte: Kulturbüroleiter Edgar Common (links) und Regisseur Georg Rootering im Saal des Salmen. ©Iris Rothe

Im Rahmen der Offenburger Literaturtage »Wortspiel« stellen sich nicht nur Autoren und Autorinnen mit ihren aktuellen Werken vor.  Seit es die Reihe gibt, steuert auch das Kulturbüro immer eine Veranstaltung bei. In diesem Jahr ist es ein Theaterabend über Ovids Liebeskunst. Unter dem Titel »Der Brennessel ganz nah ist oft die Rose«, einem Zitat von Ovid, setzen Siemen und Rühaak und Cordula Trantow morgen, Freitag, 20 Uhr, im Salmen die erotischen Ratschläge des antiken Dichters in Szene. Dazu gibt es Barockmusik: Sam Chapmann, ein in Basel lebender Spezialist für alte Musik, spielt die Laute. Inszeniert wird die Aufführung von Georg Rootering. 

Zürich, Salzburg, Wien, München, Paris, Prag: Der 61-Jährige Regisseur war beruflich schon viel herumgekommen, als er 1997 Intendant das Theaters am Kirchplatz in Schaan im Fürstentum Liechtenstein wurde. Eine Aufgabe, die er bis 2006 innehatte, bevor er sich als freischaffender Regisseur selbständig machte. Fasziniert von den klassischen Stoffen der Antike begann er spezielle Theaterabende in Zusammenarbeit mit Museen zu entwicklen. Sein Euripides-Zyklus fand überregionale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Es folgten Gastspiele auch außerhalb des kleinen Alpenstaats. Der Grundstein für Rooterings Antiken-Projekte war gelegt.

Bei einer Euripides-Aufführung in Freiburg kam der Offenburger Kulturbüroleiter Edgar Common mit Rootering ins Gespräch. Es entstand die Idee zu einem litarischen Abend beim »Wortspiel«, der nicht wie die Lesungen von einem Schriftsteller, sondern von Schauspielern gestaltetet wird. Die Akteure sind Siemen Rühhaak und Cordula Trantow. An ihnen schätzt der Regisseur, dass sie ausgezeichnete Schauspieler sind und über eine hervorragend Sprechtechnik verfügen. Das sei bei den komplexen antiken Texten unerlässlich, betont er. 

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Sehr aktuelle Bezüge

Ovids »Ars amatoria« (Liebeskunst) ist seit jeher eines der beliebtesten Werke der antiken Literatur. Der römische Dichter, 43 vor Christus geboren und um 17 nach Christus gestorben, war nach heutigen Maßstäben ein Bestellerautor. Seinen Liebesratgeber hat er sowohl aus der Sicht der Männer wie aus der Sicht der Frauen geschrieben. Darin finden sich sehr aktuelle Bezüge, findet Georg Rootering. So gibt Ovid beispielsweise nicht nur Ratschläge, wie man einen Partner gewinnen kann, sondern auch, was zu tun ist, um sich dessen Zuneigung zu erhalten. Die Anweisungen sind voller Leichtigkeit, Witz und augenzwinkernder Frivolität. Damit erzürnte Ovid zu Lebzeiten Kaiser Augustus die römische Zensurbehörde. Auch später galt seine Direktheit in prüden Zeiten als schockierend und anstößig. 

Beim Theaterabend im Salmen werden einige Kapitel aus Ovids Liebeskunst, Texte aus den Elegien und ein Kapitel aus dem Metamorphosen aufgegriffen. Entrüstung dürfte der  Stoff nicht mehr hervorrufen. Rooterings Zusammenstellung der Texte ergab ganz einfach ein sinnliches, humorvolles und geistreiches Theaterstück. Allerdings: »Der Brennessel ganz nah ist oft die Rose«, ist ein »Lustspiel«, das das Publikum durchaus nicht nur literatisch inspirieren kann, hat Georg Rootering bei seinen Vorstellungen bereits mit großem Vergnügen beobachtet.

Und noch eine Überraschung erwartet das Offenburger Publikum:  Die Schauspieler werden im Salmen nicht auf der Bühne, sondern mitten im Saal agieren – Ovid hautnah. 

Info

Theaterabend

Theaterabend »Der Brennnessel ganz nah ist oft die Rose«, ein erotischer Ratgeber aus der Antike mit Gedichten aus »Ars amatoria« (Liebeskunst) und den Metamorphosen von Ovid. Mit Cordula Trantow und Siemen Rühaak in einer Inszenierung von Georg Rooting. Karten: Bürgerbüro Offenburg, Telefon 07 81/82 28 00, Geschäftsstellen der MITTELBADISCHEN PRESSE, Telefon 0 800/911 811 711 (kostenfrei).

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