Cannes

August Diehl über das Drama «Ein verborgenes Leben»

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Mai 2019
Mehr zum Thema
August Diehl und Valerie Pachner vor der Premiere ihres Films «A Hidden Life» in Cannes.

August Diehl und Valerie Pachner vor der Premiere ihres Films «A Hidden Life» in Cannes. ©dpa - Petros Giannakouris

Wahrscheinlich gelingt dem deutschen Schauspieler August Diehl mit dieser Rolle endgültig der internationale Durchbruch: In «Ein verborgenes Leben» von US-Regisseur Terrence Malick spielt er den österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der sich im Zweiten Weltkrieg weigerte, für die Wehrmacht zu kämpfen.

Das berührende Drama wurde bei seiner Premiere am Sonntagabend beim Filmfest Cannes euphorisch gefeiert. Kurz davor traf der 43-jährige Diehl noch die Deutsche Presse-Agentur für ein Interview.

Frage: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Was berührt Sie daran besonders?

Antwort: Ich finde bemerkenswert, dass Franz Jägerstätter nicht etwas getan hat, so wie andere Leute, die Juden gerettet haben oder einen Bombenanschlag. Sein Akt war passiv, er hat einfach gesagt «Nein». Das ist vielleicht das Stärkste und Unangenehmste, das es gibt, weil der Umgang damit so schwierig ist. Er hat es ja nicht begründet, er war kein Intellektueller. Er hat einfach gesagt «Das macht man nicht».

Frage: Sich zu verweigern, kann aber durchaus als aktive Tat verstanden werden, oder?

Antwort: Das ist durchaus eine Tat. Darüber habe ich viel nachgedacht: Wie stark überhaupt das «Nein»-Sagen ist. Es wird in unserer Welt immer weniger. Das ist einfach unangenehm - und es bringt jeden anderen dazu, seine Entscheidung zu hinterfragen. Franz Jägerstätter hat dabei niemand anderen verurteilt, sondern gesagt: «Ich kann nicht etwas machen, wo ich ganz sicher weiß, dass es falsch ist für mich.» Das ist eine Stärke, die auch in der heutigen Welt viel verändern könnte.

Frage: Tatsächlich kann man im Film einige Parallelen zur Gegenwart erkennen - von Angst vor Flüchtlingen bis zur Verteidigung des Vaterlandes. Wie beobachten Sie diese Entwicklung, die es derzeit in vielen Ländern gibt?

Antwort: Es ist ja bald Europawahl, da habe ich richtig Angst, das muss ich ehrlich sagen. Auch in Bezug auf diesen Film, wo es eher ein stiller Moment ist, dieses «Nein»-Sagen. Im Moment aber wird die Welt immer lauter und lauter, immer furchtbarer, immer blutrünstiger. Manchmal denkt man dann «So schlimm war es doch noch nie». Dadurch fehlt aber genau die andere Seite, nämlich das Innehalten und Sagen «So geht das nicht» - ohne die anderen zu verurteilen oder zu handeln.

Frage: Ist eine Gefahr, damals wie heute, nicht auch eine Polarisierung, bei der eine Seite nicht mit der anderen spricht?

Antwort: Es ist völlig verlernt worden, in einem guten Sinne zu streiten. Das ist mit die größte Katastrophe. Wenn Denkverbote ausgesprochen werden. Ein Streit ist an sich etwas Wunderbares, etwas ganz Wichtiges. Wenn das flöten geht, dann werden die, die am lautesten schreien, gewinnen.

- Anzeige -

Frage: Wie der Film zeigt, gab es ähnliche Mechanismen schon einmal. Haben wir das vergessen?

Antwort: Das glaube ich sowieso. Der Mensch lernt nichts durch die Geschichte. Wir sind ja auch eine andere Generation. Ich kann nichts vergessen haben, ich war damals noch nicht geboren. Die Jungen haben nichts zum Erinnern - auch weil die Älteren ihre Erinnerungen nicht weitergegeben haben. Ich glaube, dass es da Schnitte zwischen den Generationen gibt.

Frage: Regisseur Terrence Malick ist nie in der Öffentlichkeit zu sehen, auch bei Premieren und Preisverleihungen nicht. Sie aber haben ihn nun näher kennengelernt. Was ist das für ein Mensch?

Antwort: Ein sehr offener, sehr bescheidener, sehr neugieriger und sehr lustiger Mensch. Man lacht viel mit ihm. Ich begreife diese ganze Arbeit am Film als ein riesiges Geschenk.

Frage: Und wie ist er als Regisseur?

Antwort: Er fragt sehr viel über das persönliche Leben und was man über Dinge denkt. Man redet viel über philosophische Fragen oder wie man die Welt sieht. Er will genau wissen, wo man aufgewachsen ist, wie die Kindheit war. Das ist ein Prozess, bei dem man sich nach und nach kennenlernt, auch während des Drehens. Er bezieht einen ganz stark ein in eine Suche. Dabei hat er aber nicht für alles gleich eine Antwort, sondern fragt eher.

Frage: Fließt das auch in den Dreh ein?

Antwort: Ja, sehr. Das ist eine ganz langsame und vorsichtige Suche nach dem Film. Ich erinnere mich, dass wir auch ein Drehbuch hatten. Aber das war bei mir nach drei, vier Tagen schon weggeworfen. Die Takes dauern sehr, sehr lange, in ihnen sucht er (Malick) nach DEM Moment. Die Suche nach dem Augenblick ist sehr wichtig für ihn. Dialoge gab es sehr wenige in dem Film, es ging um die Arbeit an Stimmungen.

Zur Person

August Diehl, 43, studierte an der Hochschule Ernst Busch in Berlin Schauspiel und wurde Ende der 90er Jahre mit dem Kinofilm «23 - Nichts ist so wie es scheint» von Hans-Christian Schmid bekannt. Für die Rolle wurde er mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Er spielte auch in internationalen Produktionen mit, darunter in Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» sowie dem Thriller «Salt» an der Seite von Angelina Jolie.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Boulevard

Michael Madsen muss für vier Tage ins Gefängnis.
16.08.2019
Los Angeles
Eine Trunkenheitsfahrt im März bringt den US-Schauspieler Michael Madsen (61, «The Hateful Eight») für einige Tage hinter Gitter.
Prinzessin Christina ist tot.
16.08.2019
Den Haag
Die niederländische Prinzessin Christina ist am Freitag nach langer Krankheit gestorben. Die Tante von König Willem-Alexander (52) und jüngste Schwester von Ex-Königin Beatrix (81) erlag im Alter von 72 Jahren einem Knochenkrebsleiden, wie das Königshaus in Den Haag mitteilte.
Ein Schminktisch - den nutzt Jeanette Biedermann nur selten.
16.08.2019
Berlin
Popsängerin Jeanette Biedermann (39) zeigt sich am liebsten ungeschminkt. «Ich will ehrlich und authentisch sein», sagte sie im Interview von Barbara Schöneberger im Radio-Talk «Mit den Waffeln einer Frau».
Wenn Hilmar Eichhorn zu Hause sein Auto abstellt, denkt er immer an Quentin Tarantino.
16.08.2019
Freital
Der Schauspieler Hilmar Eichhorn verbindet mit Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino und seiner Besetzung in dessen Film «Inglourious Basterds» ganz besondere Erinnerungen.
Miley Cyrus singt sich den Schmerz von der Seele.
16.08.2019
Los Angeles
Miley Cyrus (26) hat die erste Single seit der Trennung von Ehemann Liam Hemsworth (29) veröffentlicht. Am Donnerstag (Ortszeit) stellte die Sängerin das Video zu «Slide Away» auf YouTube und danach auf Instagram.
Gwyneth Paltrow und Chris Martin sind noch immer ganz eng.
16.08.2019
Los Angeles
Rosenkrieg oder rosige Worte? Wenn Promis sich trennen gibt es die vielfältigsten Versprechen und Erklärungen. Die einen nennen es «Entpartnerung», andere reden von Beziehungspause.
Rapper Macklemore ist auch ein großer Fußball-Fan.
15.08.2019
Washington
US-Rapper Macklemore (36, «The Heist») ist bei den Seattle Sounders als Investor eingestiegen. Das bestätigten der Fußballclub aus der nordamerikanischen Profiliga MLS auf seiner Homepage - und der Musiker auf Instagram.
Andreas Gabalier hat das Schlimmste überstanden.
15.08.2019
Kitzbühel
Der österreichische Musiker Andreas Gabalier ist auf dem Weg der Genesung. «Eine starke Virusinfektion fesselte Andreas Gabalier seit Tagen ans Krankenhausbett - nun kann aber Entwarnung gegeben werden: der Volks-Rock'n'Roller ist auf dem Weg der Besserung», teilte sein Management mit.
Guido Cantz macht weiter.
15.08.2019
Baden-Baden
Guido Cantz bleibt weitere zwei Jahre Moderator von «Verstehen Sie Spaß?». Er werde die ARD-Unterhaltungsshow mit Filmen der versteckten Kamera auch 2020 und 2021 präsentieren, sagte der 47-Jährige in Baden-Baden der Deutschen Presse-Agentur.
Ashley Graham ist schwanger.
15.08.2019
Los Angeles
US-Topmodel Ashley Graham (31) erwartet ihr erstes Kind. Auf Instagram präsentierte sie am Mittwoch (Ortszeit) einen Video-Clip, in dem sie und ihr Ehemann Justin Ervin lächelnd in die Kamera blicken und «Überraschung!» rufen. Dabei zeigte Graham stolz ihren Babybauch.
Schwanger oder nicht? Panda-Dama Meng Meng im Berliner Zoo.
14.08.2019
Berlin
Schwanger oder nicht? Diese Frage bewegt derzeit Tierfreunde in Berlin. Im Zentrum der Überlegungen steht das Panda-Paar des Hauptstadt-Zoos, der für den Sommer verhalten optimistisch mit Nachwuchs rechnet.
Paul Janke liebt die Show mit den Chippendales.
14.08.2019
Berlin
Der frühere RTL-«Bachelor» Paul Janke (37) genießt sein Leben als Stripper bei den Chippendales. «Wenn man jetzt auf der Bühne steht und 5000 Frauen zu einem hochgucken, ist das schon ein gutes Gefühl», sagte Janke der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ).

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.08.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...
  • 02.08.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Am Wochenende beginnt der Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg. In den kommenden Wochen folgen dann auch die anderen Ligen. Um die Saison durchhalten zu können, brauchen die Sportler eine gute Fitness, Gesundheit - und das individuell angepasste Schuhwerk. Dieses ist Voraussetzung...
  • 31.07.2019
    Medizin, Kosmetik, Naturheilkunde
    Wer krank ist oder eine Beratung zu medizinischen Themen braucht, für den ist oft die Apotheke die erste Anlaufstelle. Die Stadt-Apotheke in Offenburg, die Apotheke am Storchenturm in Lahr und die Apotheke am Klinikum in Lahr bieten als Partner-Apotheken neben einer freundlichen und qualifizierten...
  • 17.07.2019
    Große Wiedereröffnung
    Nur einige Meter vom alten Standort entfernt – und doch ist alles neu: Am Donnerstag, 18. Juli, öffnet um 8 Uhr im Lahrer Fachmarktzentrum nicht nur ein neuer, sondern zugleich der jüngste und modernste MediaMarkt Deutschlands seine Türen.