Kunstmesse Art Basel

Ausstellung »Unlimited« mit Baumriesen und Licht-Spielen

Autor: 
Tim O. Roth
Lesezeit 3 Minuten
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13. Juni 2019
Entgrenzter Raum in der Ausstellung «Unlimited» auf der Art Basel: Antony Gormleys begehbarer »Breathing Room II«.

Entgrenzter Raum in der Ausstellung «Unlimited» auf der Art Basel: Antony Gormleys begehbarer »Breathing Room II«. ©Tim O. Roth

Kunst lebt davon zu zeigen, was man von ihr nicht zwangsläufig erwartet. Auf solche Überraschungen setzt auch eine Kunstmesse wie die Art Basel, die noch bis Sonntag, 16. Juni, ihre Pforten geöffnet hat. Eine davon ist Antony Gormleys Lichtinstallation »Breathing Room II« 

Mit der Sektion »Unlimited«, die mit 75 Exponaten verschiedenster Künstler eine ganze Halle einnimmt, zeigt die Art Basel ein außerordentliches Format. Hier versammelt sich in fast schon musealer Atmosphäre all das, was etwas mehr Platz benötigt und nicht in eine klassische Messekoje gezwängt werden kann.

Bereits 2014 zeigte Giuseppe Penone auf der »Unlimited« einen seiner geschälten Bäume. Diesmal präsentiert der Vertreter der Art Povera mit »Cedro di Versailles« (2000–2003) ein noch mächtigeres Exemplar und zwar in der vertikalen: Der Stamm, der in der Mitte den Blick auf den Kern des Baumes freigibt, stammt von einer mehr als 190 Jahre alten Zeder, die der Orkan »Lothar« Ende 1999 im Park von Versailles bei Paris zu Fall brachte. 

Noch weiter den Blick zurück richtet die  Inszenierung eines Skultpurenpaares »Conjunction of Opposites«, die Liliane Lijn 1986 auf der Biennale in Venedig präsentierte. Mit der »Woman or War« und der »Lady of the Wild Things« stehen sich in einem künstlichen Nebel zwei beflügelte Frauenmaschinenwesen gegenüber, die in der Kombi von Leuchtdioden, Laser, Sound und den sich bewegenden Flügeln zu den Vorreitern der Medienkunst gehört. 

Leuchtende Linien

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Zu Atony Gormleys »Breathing Room II« von 2010 muss man sich erst durch einen langen Gang in eine abgedunkelte Szenerie vorantasten, in der schwachleuchtende bläulich-weiße Linien rechtwinklige Körper in den Raum zeichnen, zwischen denen sich der Betrachter hindurch bewegen kann. Die sechs ineinander geschachtelten Körper haben gemein, dass sie alle dasselbe Volumen beschreiben, jedoch mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen. Alle zehn Minuten leuchtet der Raum gleißend auf und lädt die phosphoreszierende Farbe der Gebilde aus schmalen Aluminiumprofilen zum Nachleuchten an. 

Visuelle Anklänge an eine Diskoatmosphäre kommen in dem Lichtenvironment »Split Second« (2018) von Antony McCall auf. In die Dunkelheit zeichnen nun keine Laser ihre Spuren, sondern projizieren zwei Videoprojektoren extrem verlangsamt weiße Linien in den benebelten Raum. So eröffnet sich ein Spiel von allmählich sich verändernden Lichtflächen und -kegeln, in denen die Betrachter wandeln können. McCall nimmt damit ein in den 1970er-Jahren für Filmprojektoren entwickeltes Konzept auf. Jedoch verliert sich das Flackern des Projektors und auch das leichte Zittern der Linien von damals nun in der kühlen Akkuratesse der Videopixel. 

Ein Licht auf McCalls frühes Schaffen wirf der Messestand von Thomas Zander: Mit »Four Figures« (1974–1975) spielt der amerikanische Künstler auf Manets berühmtes Gemälde »Le Déjeuner sur l’herbe« an. In 24 ausgeschnittenen Studiophotographien variierter er mit vier Modellen die Posen und die Bekleidungszustände, um mit diesen das »Frühstück« immer wieder neu zu komponieren. 
Einen ephemeren Gegenpol zu den angepriesenen Kunstwaren bildet auf dem Messeplatz ein großes igluförmiges Zelt, in dem mit »Aggegate« die rumänische Künstlerin und Choreographin Alexandra Pirici mit über 60 Darstellerinnen und Darsteller bis morgen, Samstag, eine sich ständig wandelnde performative Landschaft inszeniert. 

Auf der Art Basel präsentieren sich dieses Jahr 290 Galerien aus 34 Ländern. 19 Galerien sind zum ersten Mal dabei. Die Messe ist bemüht, mehr Sammler im unteren und mittleren Preissegment anzusprechen.  

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