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«Avengers: Endgame»: Großes Superhelden-Finale

Autor: 
dpa
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24. April 2019
Scarlett Johansson in einer Szene von «Avengers: Endgame».

Scarlett Johansson in einer Szene von «Avengers: Endgame». ©dpa - Disney/Marvel Studios

Wohl noch nie in der Historie der US-Superheldenfilme hat ein Werk im Publikum so viele offene Münder hinterlassen wie zuletzt «Avengers: Infinity War». Der Film, der vor einem Jahr in die deutschen Kinos kam, überraschte mit einem so melancholischen wie brutalen Ende: Mit einem Fingerstreich hatte Bösewicht Thanos (gespielt von Josh Brolin) mal eben die Hälfte des Universums vernichtet.

Dass dabei ein Teil des Superheldenteams der Avengers auch dran glauben musste, sich einfach in Staub auflöste, machte die Sache für Fans nicht eben einfacher. Nun ist die Spannung fast ins Unerträgliche gestiegen: Wie wird es weitergehen nach diesem unglaublichen Finale?

Dreistündiges Superheldenepos

Die Antwort liefert nun «Avengers: Endgame», ein drei Stunden langes Superheldenepos, erneut entstanden unter der Regie der Brüder Anthony und Joe Russo. Auf großer Leinwand zu sehen sind Darsteller wie Chris Evans, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Brie Larson, Paul Rudd und Chris Hemsworth.

Der Anfang des neuen «Avengers»-Films ist von ähnlich nachdenklicher Art wie das atemberaubende Finale von «Infinity War». Zwar gelingt es den noch verbliebenen Avengers (auf Deutsch etwa: «die Rächer»), recht schnell und ziemlich überraschend mit Thanos abzurechnen. Das eigentliche Problem aber ist damit nicht gelöst: Wie bekommt man all die lieben Verwandten, all die Freunde und Weggefährten zurück, die Thanos im Vorgängerfilm pulverisiert hat?

Ausgerechnet «Ant-Man» (erneut: Paul Rudd) hätte da eine Idee. Hat er doch die Apokalypse in einer Art Schwarzem Loch überlebt, einer physikalischen Anomalie, in der die Gesetze der Zeit außer Kraft gesetzt sind. Man bräuchte eine Zeitmaschine, das sieht schließlich auch Mastermind Iron Man ein. Eine Maschine, mittels derer sich das Thanossche Unheil rückgängig machen lässt. Und so schicken sich unsere Helden, schicken sich Hawkeye und Black Widow, Hulk und Captain America und die anderen Überlebenden an, in der Vergangenheit ein paar menschenrettende Reparaturmaßnahmen vorzunehmen.

Liebevolle Figurenzeichnung

Auch der vierte «Avengers»-Film bleibt der bisherigen Linie treu: Seine Stärken liegen weniger in den teils kruden, nicht immer nachvollziehbaren Erzählsträngen rund um Zeitreisen und «Infinity Steine». Sondern erneut in der liebevollen Figurenzeichnung. Eine besondere Rolle kommt in «Endgame» Tony Stark alias Iron Man zu. Nicht nur, dass die ersten Filmminuten komplett Starks Seelenwundheit gewidmet sind - zum Ende hin wartet auf Anhänger des so schlauen wie vorlauten Eisenmannes ein veritabler Schocker.

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Eine wunderbare Überraschung hält der Film für den sanften Riesen Hulk parat, dem es endlich gelingt, die ihn ausmachenden Gegensätze in Einklang zu bringen. Auch für Captain America ersinnt das Drehbuch manch hübschen Moment; wenn wir zum Ende hin einen deutlich in die Jahre gekommenen Captain erleben dürfen, dann liegt das auch an den Wundern, die Maske und Digitaltechnik heute zu leisten im Stande sind.

«Avengers: Endgame» fühlt sich an wie eine Mischung aus Psychotherapie, Familienzusammenführung und nostalgischem Blick gen Fotoalbum. Die Figurenfülle macht schwindlig. Kaum eine Figur aus den zurückliegenden drei «Avengers»-Filmen (der erste kam 2012 ins Kino), die hier nicht erneut auftaucht. Das wird Fans erfreuen, Neueinsteiger dürfte die Masse an Charakteren, die Vielzahl an Anspielungen schier überfordern.

Das ohnehin komplexe Figurengefüge wird durch die Zeitreisen noch verkompliziert. Diese Reisen aber führen auch immer wieder zu kleinen Highlights. Darunter eine rührende Begegnung mit einem jugendfrischen Michael Douglas (der ja in den «Ant-Man»-Filmen eine tragende Rolle innehat). Kaum ein Trauma aus der Vergangenheit, das hier nicht noch einmal thematisiert wird. Sei es der Tod von Hawkeyes Familie, sei es Nebulas schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater, Bösewicht Thanos.

«Avengers: Endgame», das sind drei Kino-Stunden - eine Menge an Unterhaltung, eine Menge an Leinwanddrama, eine (zum Glück diesmal nicht allzu große) Menge an Action. Kein Film der Reihe erforderte bisher so viel Sitzfleisch. Zusammen kommen die vier «Avengers»-Streifen auf eine Länge von mehr als 610 Minuten. In Gänze formieren sich die so spannenden wie stets selbstironischen, mit unzähligen Figuren aufwartenden Abenteuer der Avengers zu einem Epos, das in seiner Umfänglichkeit an die viel diskutierte Fantasy-TV-Serie «Game of Thrones» erinnert. Im Kinosessel indes stellt sich nach zehn Stunden «Avengers» durchaus so etwas wie Ermüdung ein.

Marvel-Film-Universum dreht sich weiter

Auch, wenn die Avengers als Team jetzt wohl tatsächlich erst mal von all der Leinwandarbeit ruhen dürfen: Das Marvel-Film-Universum dreht sich weiter. Für den Sommer etwa ist ein neuer Spider-Man angekündigt: In «Far from Home» soll es Peter Parker nach Europa verschlagen. Wenn man den Ankündigungen glauben darf, dann wird auch die von Scarlett Johansson verkörperte Black Widow in nicht allzu ferner Zukunft mit einem Solo-Film belohnt.

Auch ein neuer «Black Panther» ist angekündigt, zudem ein dritter Teil der «Guardians of the Galaxy». Marvel-Fans also werden nicht darben. Einen großen Wermutstropfen indes müssen sie schon jetzt schlucken: Stan Lee, ohne den es einen Gutteil der Comic-Helden des Marvel-Universums, ohne den es manch Figur aus «Avengers: Endgame» nicht gäbe, der große, im zurückliegenden November verstorbene Comic-Erfinder hat in «Endgame» seinen wohl letzten (indes wieder sehr überraschenden, wieder hübsch-skurrilen) Kurzauftritt.

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