Konzert mit Hélène Grimaud und Bamberger Symphonikern

Beethovenjahr im Festspielhaus in Baden-Baden eröffnet

Autor: 
Dietrich Mack
Lesezeit 3 Minuten
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15. Januar 2020
Spielte souverän und ohne Pathos: Pianistin Hélène Grimaud am Flügel im Festspielhaus Baden-Baden.

Spielte souverän und ohne Pathos: Pianistin Hélène Grimaud am Flügel im Festspielhaus Baden-Baden. ©manolo press/Michael Bode

Die französische Pianistin Hélène Grimaud und die Bamberger Symphoniker eröffneten am Samstag das Beethoven-Jahr im Festspielhaus Baden-Baden mit einer Sinfonie des Jubilars sowie Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Jan Václav Vorísek. 

Im Festspielhaus Baden-Baden wurde das Beethoven-Jahr mit einem ungewöhnlichen Programm eröffnet. Zunächst konnte man die unbekannte Sinfonie D-Dur von Jan Václav Vorísek entdecken, die wie eine böhmische Hommage auf Beethoven klingt, unterhaltsam, farbig, draufgängerisch. Dann folgte ein Klavierkonzert von Mozart, das Beethoven liebte, und schließlich dessen eher selten gespielte 2. Sinfonie.

Die meisten Menschen verbinden mit Beethoven die „Neunte“ und mit der Pianistin Hélène Grimaud die Geschichte mit den Wölfen. So hat man eben seine Schubladen. Die 1970 in Aix-en-Provence geborene, in Frankreich verehrte und in aller Welt erfolgreiche Künstlerin hat ihr Engagement für Wölfe früh vermarktet und bewies als Schriftstellerin mit Büchern wie „Wolfssonate“ oder „Lektionen des Lebens“ ihr schriftstellerisches Talent. Als Pianistin muss sie nichts mehr beweisen. Sie hat keinerlei Allüren wie viele ihrer männlichen Tastenlöwen-Kollegen, ist keine kapriziöse Diva, sondern eine moderne Frau, die sehr gut Klavier spielt; schlank, sachlich, energisch.

Für das Gastspiel im Festspielhaus hatte sie Mozarts Konzert KV 466 in d-Moll gewählt. Es ist ein Stück mit Abgründen. Nur zwei der 27 Klavierkonzerte von Mozart sind in dieser Tonart komponiert, die schon auf „Don Giovanni“ hinweist. Mozart spielte es erstmals am 11. Februar 1785, in einer Zeit, in der bei ihm, wie seine Biographen schreiben, Depressionen und hypomanische Anfälle wechselten. 

Düstere Stimmung

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Das kann man hören: gleich im ersten Satz düstere, dramatische Momente in den Natur-Trompeten und den drohend aufsteigenden Bässen. Die Dynamik beruhigt sich in der Romance, aber die Stimmung bleibt düster und löst sich auch im dahin rasenden Finale nicht wirklich auf. Für die Zeitgenossen war das  wahrscheinlich eine Zumutung. Beethoven dagegen liebte und spielte das Konzert, fügte ihm, wie später auch Brahms, Kadenzen hinzu. 

Diese Beethoven-Kadenzen spielte Hélène Grimaud fast kantig. Aber insgesamt forcierte sie den grüblerischen Ton des Konzertes nicht. Sie blieb ohne Pathos mit souveräner, sich nie aufdrängender Technik. Atemberaubend schnelle Läufe, scharfe Kontraste. Das klang modern, aber auch etwas nüchtern. In den seelischen Abgründen wühlte die Pianistin nicht.

Dann folgte die 2. Sinfonie von Beethoven. Sie gehört zur heroischen Periode, steht aber im Schatten der 3. und 5. Sinfonie. Dennoch hat sie einen emphatischen Charakter, der persönlich und ideengeschichtlich bedingt ist. Beethoven komponierte sie 1801/02 nach den „Geschöpfen des Prometheus“, aber vor dem „Heiligstädter Testament“ und vor der Kaiserkrönung Napoleons. Da hoffte er noch auf Heilung seiner fortschreitenden Schwerhörigkeit und glaubte an den Korsen. Er will mit dieser Musik „dem Schicksal in den Rachen greifen“.

Dieser emphatische Duktus gelang den Bamberger Symphonikern großartig. Bei Mozart durften sie sensibel begleiten, hier aber konnten sie alle ihre musikalischen und emotionalen Qualitäten direkt ausspielen, energisch und ausdrucksstark angetrieben von ihrem Chefdirigenten Jakub Hrusa, der schon im letzten Frühling mit „Mein Vaterland“ von Smetana begeistert hatte. Auch Beethoven hätte seine Freude an ihm gehabt, wahrscheinlich auch an der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“, die das Orchester dem begeisterten Publikum als Zugabe schenkte.

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