Ausstellung in der Illenau

"Behausung und Landschaft" in Achern

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
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09. März 2019

(Bild 1/2) Nicole Reuther, Kulturbeauftragte der Stadt Achern (l.), im Gespräch mit einer Besucherin der Ausstellung. ©Regina de Rossi

In der Illenau in Achern, der ehemaligen Heilanstalt für psychisch kranke Menschen, in dem heute vielfältige Kultur angeboten wird, wurde jetzt eine Ausstellung des Kunsthauses Kannen eröffnet, das Werke von Menschen mit seelischen Erkrankungen präsentiert. Die Schau heißt »Behausung und Landschaft« und ist bis 24. März geöffnet.

Es ist eine Ausstellung der besonderen Art, die jetzt in der ehemaligen Heilanstalt Illenau eröffent wurde. Hier,  wo früher psychisch kranke Menschen lebten und therapiert wurden, hat man Künstlern Platz eingeräumt, die  ein ebensolches Schicksal teilen: »Behausung und Landschaft« heißt die Schau, Werke von Menschen mit einer seelischen Erkrankung präsentiert. Es ist auch der Titel einer Werkreihe aus dem Kunsthaus Kannen. Das Kunsthaus ist einem großen Klinikkomplex angegliedert, der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Alexianer Münster GmbH. 
 

»Alexianer«, erfährt man in der Laudatio von Lisa Inckmann, der Leiterin des Kunsthauses Kannen, »gehören zu einem Laienbrüderorden, der sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft verdient gemacht hat«, son Inckmann. »Im Notwendigen die Einheit, im Zweifel die Freiheit, in allem die Liebe!« nach Augustinus von Hippodes liest man als Leitsatz der Klinik. Der Mensch steht im Mittelpunkt, es wird nachgespürt, was er braucht, um ein angesehenes, geachtetes Leben zu führen. Aus diesem Gedanken heraus ist das Kunsthaus entstanden, ein Atelier quasi, das künstlerische Aktivität unterstützt – malen, schnitzen, bauen oder dichten. 
 

Eigener Ausdruck
 

Die Kunst ist hier keine Therapie, sondern eine Möglichkeit des eigenen Ausdrucks. »Wir möchten den hier arbeitenden Künstler nicht von dem gesunden unterschieden wissen«, erläutert Lisa Inckmann. Entstanden ist somit keine Ausstellung »aus der Kunsttherapie« heraus, stattdessenw ird hier Kunst als das gezeigt, was sie immer schon ist oder sein solle: die Möglichkeit des freien, ureigenen Ausdrucks.  Christian Gospos hatte als Mitglied des Förderkreises Forum Illenau e.V. den Kontakt zum Kunsthaus Kannen hergestellt, das, gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt Achern diese  Ausstellung umgesetzt hat. 
 

90 Arbeiten

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Kurator Vuré zeigt 90 Arbeiten – neben Gemälden und Skulpturen finden sich auch ausdrucksstarke Gedichte: »Unsere schöne arme Erde« klagt Wolfgang Brandel die Zerstörungswut an, oder die Karriereleiter, auf der er andere gerne vorbei lässt: »Es blieb mir nichts als meine Gedichte, meine Intelligenz«. Mit leisen Tönen ruft er zu einer besseren Welt auf. Laut und voller Enthusiasmus sieht man Hans Werner Padberg in einem kleinen Film freudvoll Holzreste übereinander nageln. Später wird er sie farbenfroh bemalen. Begleitet von lauter Rockmusik. Wie bizarre Landschaften setzen sich seine Objekte  kontrastreich ab. 
Seit 1968 lebt Robert Burda im Wohnbereich der Alexiander. Seine Arbeitsweise ist höchst konzentriert. Bis zu einem Jahr malt er an einem Bild, weiß Vuré. Vornehmlich zeigt er Gebäude, Straßenbahnen und Stadtbusse. Präzise datiert er in Schönschrift, markiert seine Bilder mit aktuelle Daten. Auf liebliche Landschaften, belebt durch freien Farbauftrag, hat sich Anton Fliss spezialisiert.

 

Sehenswert
 

So versteht es jeder einzelne der Ausstellenden, sich seiner Welt zu bemächtigen. Farbenfrohe, kontrastreich abgegrenzte Häuser stehen feinen mit Buntstiftstrichen skizzierten Innenräumen mit Decke, Tapete, Boden gegenüber; schwarzrote Häuser aus Karton den leisen  Gedichten zur Umkehr. Das Haus, die Landschaft, die Umwelt – gesehen mit den Augen von Menschen, die die Welt auf ihre Weise wahrnehmen, sich Ausdruck verschaffen oder einen Schutzraum aufbauen.
Die Ausstellung ist in mehr als einer Hinsicht bemerkens- und sehenswert. Vielleicht, weil sie den Blick des »gesunden« Betrachters fokussiert.

 

 

 

 

Info

Termin

»Behausung und Landschaft«, Illenau Achern; bis 24. März; Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

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