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Berlinale zeigt «Vice» - Streit um Netflix

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dpa
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11. Februar 2019
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nach der Pressekonferenz lässt Christian Bale sich von Fans fotografieren.

nach der Pressekonferenz lässt Christian Bale sich von Fans fotografieren. ©dpa - Christof Soeder

Ein bisschen Hollywood bei der Berlinale: Der Oscar-Preisträger Christian Bale hat am Montag in Berlin die amerikanische Politsatire «Vice» vorgestellt.

Bale erzählte, dass er seinem Körper für seine Rollen so einiges abverlange. «Er schreit ganz laut auf. Du wirst bald sterben, wenn du so weitermachst», sagte der 45-Jährige. Bale spielte damit augenzwinkernd auf seine Verwandlung in den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney an, den er in dem Film darstellt. Dafür nahm Bale etliche Kilo zu - und inzwischen wieder ab.

In der Rolle habe er sich manchmal wie ein Bulldozer gefühlt, «wie eine nicht aufzuhaltende Naturgewalt». Bale bezeichnete Cheney, der Vizepräsident unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush war, als einen «Menschen unendlicher Widersprüche». Zu Vergleichen mit dem aktuellen US-Präsidenten Donald Trump sagte der Brite, es gebe deutliche Unterschiede zwischen den beiden. So habe Cheney stets gewusst, dass wahre Macht hinter den Kulissen und in der Stille zu finden sei.

«Vice» brachte Bale bereits einen Golden Globe ein und ist im Rennen um die Oscars mit acht Nominierungen dabei. Darauf angesprochen hielt er sich bedeckt: «Es ist ein schönes Gefühl.» Bei der Berlinale ist der Film nicht im Wettbewerb. In Deutschland ist «Vice» ab 21. Februar in den Kinos zu sehen.

In der Konkurrenz starteten am Montag Filme aus Kanada und der Türkei: «Répertoire des villes disparues (Ghost Town Anthology)» von Denis Côté und «Kz Kardeler (A Tale of Three Sisters)» von Emin Alper.

Im Wettbewerb um die Berlinale-Bären fällt ein Film aus: Aufgrund von technischen Problemen bei der Post-Produktion könne «Yi miao zhong (One Second)» von Zhang Yimou leider nicht wie vorgesehen am Freitag präsentiert werden, teilten die Filmfestspiele mit. Um die Preise, die am Samstag verliehen werden, konkurrieren damit noch 16 Filme.

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Netflix als Konkurrenz fürs klassische Kino bleibt ein Thema: Mehrere Kinobetreiber forderten den Ausschluss eines Netflix-Films aus dem Wettbewerb der Berlinale. Es deute alles darauf hin, dass Isabel Coixets Drama «Elisa y Marcela» nicht regulär ins Kino komme, meinen sie. «Wir fordern daher, den Beitrag außer Konkurrenz zu zeigen», heißt es in einem Brief an Festivaldirektor Dieter Kosslick und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Bisher hätten rund 160 Kinobetreiber den Aufruf unterschrieben, teilte der Verband AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater mit. Nach früheren Angaben Kosslicks wurde dem Festival versichert, dass der Coixet-Film in Spanien ins Kino kommt.

Streamingdienste produzieren immer mehr eigene Filme. Es gibt aber Debatten, ob sie bei Filmfesten mitmachen sollen. In Cannes gab es Auseinandersetzungen. In Venedig dagegen ging der Netflix-Film «Roma» ins Rennen und gewann den Goldenen Löwen. Die Kinobetreiber fürchten um ihre Geschäfte, weil Filme von Streamingdiensten oft nicht oder nur kurz ins Kino kommen.

«Elisa y Marcela» soll am Mittwoch auf der Berlinale laufen. «Unser Stand ist, dass es einen Kinostart in Spanien geben wird», sagte eine Sprecherin des Filmfestivals am Montag. Netflix hält die Vertriebsrechte an dem Film und hatte in der Vergangenheit betont, dass der Film in Spanien ins Kino kommen soll. An diesen Plänen habe sich nichts geändert, hieß es auf Anfrage.

Der Termin für die 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin steht derweil schon fest. Das Festival findet vom 20. Februar bis 1. März 2020 statt. Das ist etwas später als sonst und im selben Zeitraum wie die Oscarverleihung (23. Februar). Es wird die erste Berlinale mit der neuen Leitung sein. Auf Kosslick folgt mit der Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und dem künstlerischen Leiter Carlo Chatrian eine Doppelspitze.

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