Opern-Abend im Parktheater

Bizets "Perlenfischer" in spannender Inszenierung in Lahr

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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11. Mai 2019

Szene aus der Pforzheimer Inszenierung von Bizets "Perlenfischer" in Lahr. ©Jürgen Haberer

Das Theater Pforzheim untermauerte mit Georg Bizets Oper »Die Perlenfischer« seine künstlerische Qualität. Es hat das Frühwerk als karg inszenierte Traumreise auf die Bühne gebracht. Die am Mittwoch in Lahr gezeigte Aufführung besticht mit einer musikalischen Bravourleistung.

 Die erste große Oper von Georges Bizet wäre ohne den späteren Erfolg von »Carmen« möglicherweise ganz verloren gegangen. Das 1863 uraufgeführte Frühwerk des damals gerade 25-jährigen Komponisten ist zu dessen Lebzeiten fast gänzlich in Vergessenheit geraten, die Orchesterpartituren sind seit langem verschollen. Eine Neuinszenierung kann deshalb auch nur auf der Basis des erhaltenen Klavierauszuges als Rekonstruktion erfolgen. Es bietet sich damit förmlich an, die Szenerie wie Olivier Desbordes und Eric Perez es getan haben, zu entschlacken und der im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Sehnsucht nach Exotik zu entsagen. 

Reduzierte Spielfläche

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Die Koproduktion des Theaters Pforzheim mit dem französischen »Festival de Saint-Céré« setzt auf eine sparsame, als Traumsequenz in Szene gesetzte Aufbereitung des inhaltlich ohnehin nicht gerade üppigen Stoffes. Nadir und Zurga entsagen in ihrer Jugend um ihrer Freundschaft Willen der Liebe zu der schönen Leila. Diese wird zur Tempelpriesterin der Perlenfischer von Brahma (Sri Lanka). Ihr Gesang besänftigt die Götter und das Meer, Laila muss dafür aber alles Irdische abstreifen. Als sie sich trotzdem ihrer Liebe zu Nadir hingibt, gerät das Gleichgewicht aus den Fugen. Ein Sturm zieht auf, die Perlenfischer fordern den Tod der beiden Verräter. Zurga gerät als Anführer des Dorfes in einen tiefen Konflikt. 
Die Pforzheimer Inszenierung reduziert die Kulisse auf eine weiße Fläche und eine Projektionswand für Videosequenzen, die den Konflikt zwischen Liebe und Freundschaft, Politik und Religion, in dramatisch angelegten, letztendlich aber nur in Schlüsselszenen präsenten Bildern verdeutlicht. Hinduistische Rituale und religiöse Raserei brechen hervor, die Lust an der Exotik wird kritisch reflektiert. 
Alles fokussiert sich so auf die drei westlich gekleideten Hauptakteure und den traditionell gewandeten Chor um den Priester Nourabad (Aleksander Stefanoski), der mit grollendem Bass die Wahrung der alten Ordnung und den Tod von Nadir und Leila fordert. Der Ansatz befördert klar die musikalische Seite der Oper. 

Großartige Solisten

Die Badische Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Markus Huber besticht mit Transparenz und filigranen Orchesterklängen voller Poesie und Pracht. Die mit »Carmen« perfektionierte Tonsprache Bizets wird wunderbar herausgearbeitet. Stamatia Gerothanasi (Leila) bezaubert mit glasklarem Sopran, der in einigen Arien von den Bläsern umspült, immer auch die Gefühle der jungen Frau transportiert. Paul Jadasch (Zurga) und Denis Marr (Nadir) überzeugen mit einer ungemein sinnlichen Erneuerung ihrer Freundschaft, eine Liebesduett zwischen Tenor und Bariton. 
Das Publikum im Lahrer Parktheater wird in einen Sog hineingezogen. Der Traum wird zum Albtraum. Pathetische Verdichtungen und ein wuchtig agierender Chor setzen einen Kontrapunkt zu den Seelenqualen, die sich im Gesang von Zurga, Nadir und Leila manifestieren. Das Ensemble erntet anhaltenden Beifall und empfiehlt sich schon einmal für die kommende Theatersaison, in der das Theater Pforzheim mit »Ariadne von Naxos« von Richard Strass gebucht ist.  

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