Neuried - Altenheim

Blick auf das Weltgeschehen mit Ovid

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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11. April 2021
Eine Szene aus dem Projekt "Metamorphosen" von Theater Baaal novo und der Tanzkompanie Szene2

(Bild 1/2) Eine Szene aus dem Projekt "Metamorphosen" von Theater Baaal novo und der Tanzkompanie Szene2 ©Tilman Krieg

Baal Novo, das Theater Eurodistrict Baden-Alsace, stemmt sich mit kreativer Energie gegen die Einschränkungen eines Lockdowns, der die Bühnenkunst in die Warteschleife verbannt hat. Inspiriert von dem Gedicht­epos „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid, hat das Ensemble eine außergewöhnliche Inszenierung aufgelegt, die das Weltgeschehen kommentiert und dabei auch neue Wege für das Theater aufzeigt.
Der antike Stoff, in dem die Elemente toben und ganze Welten vernichtet werden, Menschen- und Göttergeschlechte untergehen, als Tiere und Pflanzen neu erschaffen werden, mutiert bei Baal novo zu einer szenischen Metapher, in der vieles neu gedacht wird. Stilelemente vermischen sich, Theater und Tanz, Musik und Performance greifen ineinander, Sprechtheater, Action und Poesie greifen mit subtilem Humor ineinander. Mythen und Menschheitsgeschichte kreisen in einem wilden Reigen, die Grenzen zwischen den Akteuren und dem als Statisten in das Geschehen einbezogenen Publikum verschwimmen. Die bisher teuerste Produktion des Theaters, das sich mit der inklusiven Tanzcompany Szene 2wei aus Lahr und dem Straßburger Duo Ork zusammengetan hat, setzt in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Duftmarke.

Fördergelder beantragt

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Die Premierenvorstellung mit elf Akteuren auf der Bühne und 24 Zuschauern in beweglichen Glaskabinen wurde im Theater in Neuried von einem professionellen Filmteam aufgezeichnet. Es kann an Ostern in zwei Etappen gestreamt werden. Temporeich, dicht und ohne Abstand, aber regelkonform, wie Intendant Edzard Schoppmann und Koregisseur Sanchez H. von Szene 2wei betonen. Seit dem Probenbeginn im Januar wird getestet, getestet und noch einmal getestet. Das Publikum sitzt in eigens angefertigten Glaskabinen, geschützt und doch auch mitten im Geschehen. Es soll vom
Virus der Kunst angesteckt werden, nicht von Covid-19. Mitten in der Pandemie, in der die meisten Bühnen in der Schockstarre des scheinbar endlosen Lockdowns verharren, hat das Theater Baden-Alsace Fördergelder beantragt, die Ärmel hochgekrempelt und Neuland betreten. Fast 100 000 Euro, rund 40 000 Euro allein für die Glaskabinen, wurden in die Produktion von „Metamorphosen“ gesteckt. Das Theater erobert sich den Saal zurück und setzt ein Ausrufezeichen. Transformation, Wandel und Erneuerung, auf der Bühne und im Kopf. Die Kunst ist systemrelevant, wie überall betont wird, sie muss die Herausforderung der Pandemie aber auch annehmen, Präsenz und Flagge zeigen, kreativ damit umgehen, wie Schoppmann und Sanchez H. betonen. Ovids mystische Erzählung ist hochaktuell, weil sie dazu einlädt, die Dinge neu zu denken, den stetigen Wandel als Teil unserer Lebensrealität anzunehmen.

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Mutiges Experiment

Mit „Metamorphosen“ scheint das mutig angepackte Experiment zu gelingen. Die bei der Pressevorstellung gezeigten Ausschnitte geben einen Vorgeschmack auf eine archaische und wilde, ernste, poetische und komische Inszenierung, die mit viel Tempo, elektronischen und rockigen Klangkaskaden, klassischem Sprechtheater und überbordenden Bildern daherkommt. Ob die knapp zweistündige Aufführung das Versprechen einlöst, wird das Streaming der Premiere an Ostern zeigen.

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