Kammerchor Offenburg

Blumen in Musik und Poesie besungen

Autor: 
Andreas Buchta
Lesezeit 3 Minuten
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08. Juli 2019

Der Kammerchor Offenburg besang im Wolfacher Blauen Salon, Foto, und in Offenburg die Blumen. ©Andreas Buchta

Eine geradezu virtuose Verbindung von Musik und Poesie ist Chorleiter Reinhardt Bäder mit seinem Kammerchor Offenburg bei gleich zwei Konzerten gelungen: Am Samstag im Offenburger „Salmen“ und am Sonntag in Wolfachs „Blauem Salon“ gab der Kammerchor das sich mit Chor- und Klaviermusik um die Schönheit der Blumen rankende Konzert „Von Rosen und Narzissen“. Beide Konzerte fanden ihre Bewunderer, beide waren sie sehr gut besucht.
 
 

Eigentlich wusste man während des ganzen Konzerts nicht so recht, wen man mehr bewundern sollte: Den melodisch strahlenden Chor, das von Manfred Kratzer mit erstaunlicher emotionaler Bandbreite gespielte Klavier, den das Konzert mit seinen expressiven Lesungen begleitenden Schauspieler Christian Baumann oder den Dirigenten Reinhardt Bäder, dessen ausstrahlende Ruhe sich unmittelbar auf den Chor zu übertragen schien.

In der wundervollen Akustik des „Blauen Salons“ von Wolfach konnte sich am Sonntag jedenfalls die ganze Pracht des Chorgesangs entfalten, der schon bei Benjamin Brittens „Five Flower Songs“ akkurat inhaltsbezogen moduliert auf den Text einging. Da wurde musikalisch eindringlich über die nur ein einziges Mal in der Dunkelheit blühende Nachtkerze meditiert, über die piesackende Nessel geklagt und vor dem Gift spritzenden Nachtschatten gewarnt, und in der Art eines Castings wurden in „The Succession of the Four Sweet Months“ die Monate April bis Juni vorgestellt.

Beschwingte Dahlienpolka

Mit der Ballade um Green Brown endeten in einem befreienden Happyend die „Five Flower Songs“, zwischen denen Christian Bormann in seiner ausholenden Gestik und eindringlichen Mimik die Liedtexte in deutscher Übersetzung einstreute. 

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Bewegend spielte Manfred Kratzer auf dem Klavier „Schneeglöckchen“ aus Peter Iljitsch Tschaikowskys „Jahreszeiten“, und Christian Bormann rezitierte Joseph von Eichendorffs „Schneeglöckchen“, während vom Klavier, mal lyrisch gestimmt, mal beherzt zupackend, Nils Wilhelm Gades „Frühlingsblumen“ ertönte. Der Reigen der Chor- und Klavierstücke und der Rezitationen setzte sich in buntem Wechsel fort, etwa mit Toru Takemitsus „Rain Tree Sketch I“, einem Naturbild in ungewohnter musikalischer Sprache, Bedrich Smetanas beschwingter „Dahlienpolka“ und Julius Sturms „Der Bauer und sein Kind“ – bis hin zu den von Morten Lauridsen vertonten „Les chansons des roses“ von Rainer Maria Rilke, die der Chor faszinierend lautmalerisch interpretierte.

Viel Beifall für überzeugende Leistung

Der Hauptakt des Konzerts aber kam nach der Pause: Robert Schumanns „Der Rose Pilgerfahrt“, ein Stück für Chor, Solostimmen und Klavierbegleitung nach einem Libretto von Moritz Horn, das Schumann selbst als „Märchen“ bezeichnete. Zwischen den als drei- und vierstimmige Frauenchöre, als Männer- und als gemischte Chöre gestalteten Gesängen rezitierte Christian Bormann, selbst hörbar bewegt, aus Hans Christian Andersens „Rosenelf“ von einer Elfe, die nur für kurze Zeit im Reich der Menschen verweilen durfte. In Text und Musik sind alle Zutaten der Romantik reichlich vorhanden und der Chor ging in seiner Art des Gesangs überzeugend auf diese Stimmung ein. Besonders schön kam der Wechselgesang zweier Solistinnen beim zweiten und dritten Gesang zur Geltung. 

Minutenlanger Beifall stand am Schluss beider Konzerte und eine Zugabe war unausweichlich. Mit Udo Jürgens’ „Vielen Dank für die Blumen“ bedankten sich der Chor, der Pianist, der Rezitator und der Dirigent für die Ovationen.
 

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