Holger Karsten Schmidt: Die Toten von Marnow

Brutale Mordserie und alte DDR-Seilschaften

Autor: 
Lukas Jenkner
Lesezeit 3 Minuten
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13. Februar 2020
Wer einmal anfängt, legt „Die Toten von Marnow“ so schnell nicht aus der Hand.

Wer einmal anfängt, legt „Die Toten von Marnow“ so schnell nicht aus der Hand. ©Foto: Lukas Jenkner

Das 30-Jahr-Jubiläum der deutschen Einheit nutzen viele Verlage, um die eine oder andere Leiche im Keller der deutsch-deutschen Geschichte auszugraben. Holger Karsten Schmidt ist mit „Die Toten von Marnow“ ein echter Pageturner gelungen.

Stuttgart - Es beginnt einigermaßen konventionell im Glutsommer 2003, also 13 Jahre nach der deutschen Einheit: Frank Elling ist ein tüchtiger, etwas kleinbürgerlicher Kommissar in Rostock, der allerdings deutlich über seine Verhältnisse lebt, um seine anspruchsvolle Ehefrau bei Laune zu halten. Seine Kollegin Lona Mendt ist ebenso attraktiv wie undurchsichtig und eigensinnig. Sie vagabundiert in einem Wohnmobil über die mecklenburgische Seenplatte.

Ein weiteres ungleiches Ermittlerpaar, das sich an seinen Unzulänglichkeiten abarbeitet und von denen es in der Kriminalliteratur reichlich gibt, denkt der Leser zunächst. Doch dann nimmt der Falsche 20.000 Euro Schmiergeld, ein weiterer Falscher wird regelrecht über den Haufen geschossen und plötzlich drehen Mendt und Elling frei in einem Thriller, in dem die Grenzen von Recht und Moral zusehends verschwimmen. Der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt hat mit „Die Toten von Marnow“ einen rasanten Thriller vorgelegt, der den Leser ein ums andere Mal überrascht.

Eine unappetitliche Episode der deutsch-deutschen Geschichte

Es beginnt mit einem brutalen Mord: In einer Wohnung entdecken Mendt und Elling eine übel zugerichtete Leiche. Tatmotiv und Ablauf scheinen zunächst klar, doch dann stellt sich heraus, es ist nicht nur ein Täter in der Wohnung gewesen. Doch ehe die Rostocker Kommissare erste Ermittlungsergebnisse zusammentragen können, sterben weitere Menschen.

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Und allmählich schält sich aus dem undurchsichtigem Geschehen heraus, dass es um eine unappetitliche Episode in der an fragwürdigen Machenschaften so reichen deutsch-deutschen Geschichte geht. Welche das ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Immerhin gibt der Umschlagtext mit den Schlagwörtern „westdeutscher Pharmakonzern“ und „ostdeutsche Klinik“ erste Hinweise.

Holger Karsten Schmidt, seit Jahren als Drehbuchautor („Gladbeck“) und unter dem Pseudonym Gil Ribeiro mit Portugal-Krimis unterwegs, hat einen lesenswerten Thriller geschrieben, der gekonnt mit den Erwartungen des Lesers spielt und ihn mit gut gesetzten Cliffhangern bei Laune hält. Das Personaltableau wirkt und handelt glaubwürdig. Besonders erfreulich ist, dass Mendt und Elling auch echte Ermittlerarbeit abliefern und Kommissar Zufall kaum Hilfe leistet. Es verwundert nicht, dass „Die Toten von Marnow“ vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) bereits verfilmt wird.

Holger Karsten Schmidt: Die Toten von Marnow. Ein Fall für Lona Mendt und Frank Elling. Kiepenheuer&Witsch Köln 2020. Paperback, 480 Seiten, 16 Euro, auch als E-Book, 12,99 Euro.

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