„Wer wird Millionär?“

Caipirinha und Bauchgefühle

Autor: 
Ariane Holzhausen
Lesezeit 3 Minuten
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25. März 2020
Ronald Tenholte wurde auch bei einem Cocktail aus Alkohol und Rechtschreibfragen nicht nervös.

Ronald Tenholte wurde auch bei einem Cocktail aus Alkohol und Rechtschreibfragen nicht nervös. ©Foto: RTL/Screenshot

Bei Günther Jauchs TV-Dauerbrenner „Wer wird Millionär?“ gab es mal wieder einen Hauptgewinner. Die Folge hat gezeigt, warum diese Sendung so erfolgreich ist: weil sie mehr als Fragen und Antworten zu bieten hat.

Stuttgart - Den Bauch von Ronald Tenholte möchte man sofort haben. Auf dessen Gefühle hat der 35-jährige Saftbarbetreiber aus Köln am Dienstagabend bei „Wer wird Millionär“ aufmerksam gehört. Die Zuflüsterungen seines Bauchs waren am Ende auch eine Million wert. Wie man Caipirinha schreibt? So eben. Welche Pflanze stirbt, wenn sie blüht? Bambus. In welchem Land der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2019 geboren wurde? In Jugoslawien. Selbst da, wo die Joker nur Ungewissheit brachten, war auf Tenholtes Bauch Verlass.

Ernst, ohne viel Worte und zockbereit ohne Ende rauschte er so unerschütterlich hoch in den sechsstelligen Bereich, dass Günther Jauch nur noch wortfetzen konnte: „Wahnsinn“, „Boah“, „Nee!“, „Der Bauch wieder!“ Nur Schweißflecken auf dem Hemd verrieten, dass der Kandidat doch ein bisschen nervös war.

Ein Tesla und vier Frauen

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Unter einer Million brauche er gar nicht nach Hause kommen, erzählte Tenholte von der Vorgabe seiner Verlobten. Schließlich wolle sie dieses Jahr noch ordentlich heiraten. Er dagegen träume von einem Auto, einem Tesla. Endlich: An dieser Geschichte konnte Jauch sich festbeißen und die Sendung über genüsslich darauf herumkauen. So langsam könne er sich einen Tesla und vier Frauen leisten, lästerte der Gastgeber so lange, bis sich die Buchstaben der Millionenfrage in den Bildschirm brannten: „Die klassische, genormte Europalette EPAL 1 besteht aus 78 Nägeln, neun Klötzen und wie vielen Brettern?“

Und schon fing Tenholtes Bauch wieder an zu tuscheln. Noch bevor die möglichen Antworten auftauchten, sagte der Meisterzocker „acht bis zwölf“. Dann fing es aber doch auch noch in seinem Kopf an zu hämmern und zu nageln, Tenholte räumt seine Ware immer selbst von so einer Palette, also musste er doch auf die Lösung kommen. Unsicher grinsend, sagte er schließlich, einen Hauch zögerlicher als bei seinen anderen Antworten: „Elf.“ Zack. Richtig. Million. Konfettiregen.

Witz und Herz

Für Tenholte, der jetzt am liebsten einfach in der Hocke auf dem Studioboden verharrt wäre, war es damit aber noch nicht ausgestanden. Jauch rief die Verlobte des Gewinners an, Nora Boeckler, die in Ludwigsburg geborene Komödiantin. Und da hagelte es nach dem Papier nun Vorwürfe ins Studio hinein: Sie habe nie Vorgaben gemacht, er wolle kein Geld für die Hochzeit ausgeben und überhaupt, dass er von einem Auto träume, davon höre sie jetzt zum allerersten Mal: „Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt noch mal nach Hause kommen soll“, sagte sie – noch bevor sie vom Gewinn hörte und dann lachend hörbar zusammenbrach. Jauch jetzt in Hochform: „Wären Sie schon verheiratet, wäre das ein Zugewinn und Ihnen würde die Hälfte gehören.“ Da funkelt das Juwelenhafte dieser Sendung wieder: Kein Drehbuch schafft es, so viel Witz und Herz ins Fernsehen zu zaubern.

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