New York

Cynthia Nixon will New York regieren

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. September 2018
Cynthia Nixon fordert Andrew Cuomo heraus.

Cynthia Nixon fordert Andrew Cuomo heraus. ©dpa - Craig Ruttle/AP

«Ich bin eine Miranda und ich wähle Cynthia» steht auf den Taschen und T-Shirts ihrer Unterstützerinnen: Fast 15 Jahre nach dem Ende der Erfolgsserie «Sex and the City» will Cynthia Nixon, die darin die Karriere-Anwältin Miranda Hobbes gespielt hat, Gouverneurin des Bundesstaats New York werden.

Am Donnerstag (13. September) tritt sie gegen Amtsinhaber Andrew Cuomo in der Vorwahl um die Kandidatur für die demokratische Partei an. Die Gouverneurswahl ist dann für den 6. November angesetzt.
«Was es bedeutet, 2018 eine 'Miranda' zu sein? Es bedeutet, dass man sich und sein Leben selbst definiert, dass man zu dem steht, was richtig ist und dass man andere Frauen unterstützt», sagt Nixon. «Für mich bedeutet es, meine Leidenschaft für Gerechtigkeit überall - vor allem in der Bildung und bei der Reform des Strafjustizsystems - zu nutzen, um meinen Heimatbundesstaat New York zu einem besseren Ort für alle zu machen. Deswegen bewerbe ich mich als Gouverneurin. Ich denke, Miranda würde Cynthia Nixon als Gouverneurin unterstützen.»

Der Wechsel von der Schauspielerei oder auch aus dem Musik-Business in hohe politische Ämter ist in den USA nicht unüblich. Bekanntestes Beispiel ist US-Präsident Ronald Reagan (Amtszeit 1981-1989), der vor seiner politischen Laufbahn beim Studio Warner Bros unter Vertrag stand und in Dutzenden Filmen und TV-Serien mitspielte. Kaliforniens früherer Gouverneur Arnold Schwarzenegger (2003-2011) spielte etwa in den «Terminator»-Filmen mit und gewann einen Golden Globe. Beide wurden mit einem Stern auf dem «Walk of Fame» in Hollywood ausgezeichnet.

Der frühere Wrestler Jesse Ventura wurde 1998 Gouverneur von Minnesota. Popsänger Sonny Bono (1935-1998) wurde erst Bürgermeister von Palm Springs im Bundesstaat Kalifornien und 1994 ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Filmstar Shirley Temple (1928-2014) scheiterte 1967 mit einer Kongresskandidatur, bekam danach aber einen Posten als Botschafterin. Ihr Kollege Clint Eastwood war in den 90er Jahren zwei Jahre Bürgermeister des kalifornischen Küstenstädtchens Carmel.
Auch der derzeitige US-Präsident Donald Trump hat mit der TV-Show «The Celebrity Apprentice» vor seiner Politik-Karriere Kamera-Erfahrung gesammelt. Rapper Kanye West macht immer wieder deutlich, dass er einen Anlauf aufs Weiße Haus nicht ausschließt. «Es könnte 100 Prozent passieren, 2024», sagte West jüngst dem Radiosender Power 92 in Chicago. «Wenn ich mich dazu entschließe, wird es passieren. Es wird kein Versuch sein.»

Außerhalb der USA haben ebenfalls schon viele Schauspieler und Sänger politische Ambitionen entwickelt. Der philippinische Filmstar Joseph Estrada war zwischen 1998 und 2001 Staatspräsident. Die zur Legende verklärte argentinische Schauspielerin Evita Peron spielte bis zu ihrem Tod 1952 als «Presidenta» eine einflussreiche Rolle an der Seite ihres Mannes, des Präsidenten Juan Peron. Die polnischen Politik-Zwillinge Lech und Jaroslaw Kaczynski spielten als Teenager in einem Kinderfilm mit.

Auch aus Thailand, Indien, Brasilien, Großbritannien und Pakistan gibt es Beispiele. In Deutschland engagierte sich der frühere «Tatort»-Kommissar Peter Sodann für die Partei Die Linke und trat im Mai 2008 erfolglos für das Amt des Bundespräsidenten an.

- Anzeige -

Der Vorteil: Wer sich am Filmset gut vor der Kamera macht, gibt oft auch vor Presse und Publikum eine gute Figur ab. Der Nachteil: Mangelnde Politik-Erfahrung und ein bereits existierendes Bildschirm-Image, das vielleicht nicht unbedingt der Realität entspricht und vielleicht auch nicht von allen gemocht wird.

Cynthia Nixon war schon lange vor «Sex and the City» in der Branche erfolgreich. Bereits als Teenager stand die 1966 in New York geborene Schauspielerin vor der Kamera. Bei ihrem ersten Kinofilm «Kleine Biester» war sie gerade einmal 14 Jahre alt. Die Rolle der Miranda Hobbes machte sie dann zum Weltstar, danach zog sie sich hauptsächlich ans Theater zurück.

Nixon, die an der noblen New Yorker Upper West Side lebt, hat zwei Kinder aus einer früheren Beziehung mit ihrem Studienkollegen Danny Mozes. Sie ist seit 2012 mit der Aktivistin Christine Marinoni verheiratet, das Paar hat einen Sohn.
Aber: «New Yorker sind keine Kalifornier - wir sehen Bekanntheit nicht als Qualifikation für ein politisches Amt an», sagte die Politikwissenschaftlerin Ester Fuchs von der New Yorker Columbia Universität dem «Guardian». «Die Menschen in dieser Stadt sind sehr übersättigt - sie lassen sich von Berühmtheit nicht so blenden.»

Mit Amtsinhaber Andrew Cuomo hat Nixon, die sich schon vor ihrer Kandidatur häufiger vor allem zu bildungspolitischen Fragen öffentlich geäußert hatte, einen starken Gegenkandidaten. Der Amtsinhaber ist beliebt, hat die Unterstützung großer Geldgeber und Verbände und lag bislang in allen Umfragen deutlich vor Nixon.

Cuomo sei ein «korrupter Konzern-Demokrat», warf die 52-Jährige ihrem Herausforderer bei einer Fernseh-Debatte vor. Der 60-Jährige Amtsinhaber, dessen Vater ebenfalls bereits Gouverneur von New York war und der für eine dritte Amtszeit antreten will, kritisierte die mangelnde Erfahrung seiner Herausfordererin. «Meine Gegnerin lebt in der Welt der Fiktion, ich lebe in der Welt der Fakten.»

Nixons Name sei zwar sehr bekannt, sagt Wissenschaftlerin Fuchs. «Aber das bedeutet nicht auch gleich Unterstützung - und das hat sie vielleicht durcheinander gebracht.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Das Werk «Die Bürger von B.» (1967) von Segfried Neuhausen in der Ausstellung «Flashes of the Future - Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen».
Koblenz/Aachen
vor 3 Stunden
Zweifache Würdigung des Aachener Ludwig Forums für zeitgenössische Kunst: Das Museum mit umfangreichen Beständen aus der Sammlung von Irene und Peter Ludwig ist von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA zum Museum des Jahres 2018 gewählt worden.
Eine Besucherin fotografiert im New Yorker Whitney Museum Andy Warhols Bilderserie von Mao Zedong.
New York
vor 6 Stunden
Die erste große US-Retrospektive zum Werk des Künstlers Andy Warhol (1928-1987) seit rund 30 Jahren ist seit Montag im New Yorker Whitney Museum zu sehen.
Der Kammerchor Oberkirch bei der Aufführung des Oratoriums »A Child of Our Time«.
Konzert zum Jahrestag der Reichprogromnacht
vor 15 Stunden
Der Kammerchor Oberkirch widmete sich am Samstagabend dem 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Mit Michael Tippetts Oratorium »A Child of Our Time« wurden die Themen Vertreibung, Flucht und Terror eindrucksvoll aufgegriffen. 
Tochter eines berühmten Vaters mit eigener Karriere: Deva Mahal.
Interview
vor 15 Stunden
Taj Mahal, der bekannte Blues-Musiker, ist ihr Vater: Deva Mahal schaffte in diesem Jahr mit »Snakes«, ein Titel aus ihrem Debüt-Album »Run Deep«, den internationalen Durchbruch. Die Soul-Sängerin wuchs auf Hawaii auf und lebt mittlerweile in New York.
Ob Karneval, Fastnacht oder Fasching: In vielen Regionen Deutschlands beginnt am 11.11. wieder die närrische Zeit.
Köln/Düsseldorf
11.11.2018
Alaaf und Helau: Pünktlich am 11.11. um 11 Uhr 11 hat im Rheinland und in anderen Regionen Deutschlands die närrische Zeit begonnen. Zehntausende Karnevalisten feierten in Köln ausgiebig den Karnevalsauftakt.
Dietrich Mack.
Kulturkolumne
11.11.2018
Angela Merkel ist ein Glücksfall.
Literatur-Kolumne
10.11.2018
Rumsdibums! Stockdunkel herrgottsfrieh und ich. Komplett unlyrisch. Mit großen Augen außerplanmäßig munter. Vor ein paar Tagen war ich kurz vor fünf urplötzlich wach geworden.
Ozzy Osbourne in Budapest 2016.
Berlin
09.11.2018
«Und Tschüss»: Heino hört auf. Noch ein Album im November, dann wird er im Dezember 80 Jahre alt und dann noch eine große Tournee im Frühjahr 2019. Aber dann soll Schluss sein - dieses Mal wirklich.
Stephen Hawkings Rollstuhl wurde in London versteigert.
London
09.11.2018
Ein alter Rollstuhl des Physik-Genies Stephen Hawking hat bei einer Auktion fast das 20-fache seines Schätzpreises eingebracht. Das motorisierte Gefährt mit rotem Leder wurde für 296 750 britische Pfund (gut 340.000 Euro) in London ersteigert.
David Zwirner, deutsch-amerikanischer Galerist, führt das Ranking an.
London
09.11.2018
Die weltweite #MeToo-Bewegung erschüttert das Machtgefüge in der Kunstwelt. Die Kampagne gegen sexuelle Übergriffe landete in diesem Jahr aus dem Stand auf Platz drei des Kunstrankings «Power 100».
Alexander Gerst beim wöchentlichen Putzen auf der Internationalen Raumstation ISS.
Berlin
09.11.2018
Der Astronaut und ISS-Kommandant Alexander Gerst (42) wird nach seiner geplanten Rückkehr zur Erde am 20. Dezember erst einmal ein Rehabilitationsprogramm absolvieren.
Im Hier und Jetzt: Herbert Grönemeyer.
Berlin
09.11.2018
Herbert Grönemeyer, so hat er mal erzählt, geht eher ohne Konzept an ein neues Album. Er klimpere vor sich hin, und wenn er fünf oder sechs sinnvolle Stücke beisammen habe, merke er: «Jetzt hast Du wieder Hunger, jetzt könntest Du wieder eine Platte machen.»