Konzert in der Alten Kirche

Das Cyrian Ensemble Freiburg in Achern zu Gast

Autor: 
Albrecht Zimmermann
Lesezeit 2 Minuten
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18. März 2019

Das Cyrian Ensemble Freiburg in der Alten Kirche Fautenbach. ©Bodo G. Toussaint

Ein interessanter Vergleich erwartete die Gäste der sehr gut besuchten Konzerte in der Alten Kirche Fautenbach am Sonntag: Unter dem Titel »Der Lehrer und sein Schüler« spielte das Cyprian Ensemble Freiburg das Klavierquintett f-Moll von Brahms und das Klavierquartett F-Dur von Gustav Jenner.

Der Dirigent und Komponist Gustav Jenner war der einzige Schüler, den Johannes Brahms jemals akzeptierte; die Abhängigkeit versagte jenem wahrscheinlich aber den Ruhm, den er verdient hätte – denn kein Lexikon vermerkt seine Leistung. In der Fautenbacher Konzertreihe bekam Jenners Quartett (von 1905) den Vortritt. Hörte man Eigenheiten des allseits bekannten Lehrmeisters heraus? Gewiss: Die Verbindung von leidenschaftlichen Emotionen mit dem anspruchsvollen Regelwerk von Barock und  Klassik in Harmonielehre und Kontrapunkt offenbarte die Nähe zum Stil des Vorbildes. 

Deutlich Brahms

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Da wurde man an die typische Verarbeitung des Themas, die »Zerlegung« erinnert, an die oft führende Dynamik des Klaviers, an die überraschenden Tempowechsel, spürbar vor allem im Scherzo Allegro. Ein ausgesprochen melodisches Intermezzo ziert Gustav Jenners Adagio mit schönen Trillerketten des Geigers Johannes Blumenröther. 
Und übertrifft der Schüler nicht den Lehrer, wenn er da und dort elegant tänzerische Episoden mit einem Hauch Wiener Charme einflicht? Im Schlusssatz werfen sich die Künstler mit quirlig-munterem Vivace-Tempo die Bälle zu, die Viola von Dorothea Funk, der Cellist Tomohisa Yano und der Pianist Carl-Martin Buttgereit, der das Cyprian Ensemble gegründet hat.

Publikum entdeckte Jenner

Mit dem »echten« Brahms nach der Pause legten sich f-Moll-Schatten übers musikalische Geschehen. Brahms-Versteher betonen stets, dass seine Musik sich nicht anbiete, sondern in ihrer Schönheit gesucht sein wolle. So muss man sich auch die Schroffheit zu Beginn des ersten Allegros erklären: Eine sanft gebundene Achtelbewegung verklingt schon nach vier Takten mit Fermate. Pause. Unvermittelt, wie eine finstere Sturzflut, brechen nun f-Moll-Sechzehntel über den Hörer herein, der diesen Gegensatz noch mehrmals verarbeiten muss. 
Er hat auch mehr Laustärke zu gewärtigen, wenn die zweite Violine von Julia Weeda Brahms’ Klangfülle in Akkorden und Läufen steigert. Die Klänge lichten sich im langsamen Satz, alle fünf Stimmen bekamen herrlich gespielte solistische Aufgaben. Von besonders kompakter Wirkung war das Scherzo, das das Quintett als gekürzte Zugabe ausersehen hatte.
Und die Zuhörer? Ein zirpendes Handy (in der Matinee) führte nicht zum zornigen Abbruch – dem Ensemble Cyprian liegt so viel an der Entdeckung der Werke von Gustav Jenner, dass sie das gestörte Adagio nochmal begannen. Der Beifall schon zur Pause war herzlich, der am Ende belohnte die Brahms-Fans.

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