Konzertmatinee im Salmen

Das Offenburger Ensemble und Buschs fromme Helene

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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12. März 2019

(Bild 1/2) Den Musikern des Offenburger Ensembles gelang wieder ein musikalisches Überraschungspaket. ©Oscar Sala

Sie sind längst zu einer Institution geworden, die Konzerte des Offenburger Ensembles. Zur Konzertmatinee am Sonntag hatten die Musikerinnen und Musiker wieder einige Kostbarkeiten und Raritäten mitgebracht.

Auch an diesem Sonntag wurden die Zuhörer im Salmen nicht enttäuscht  von den Darbietungen des Offenburger Ensembles: eine appetitanregende Matinee, kurzweilig und mit mitreißenden Klängen. Zum Auftakt kam mit Xavier Montsalvatge (1912-2002)  ein Vertreter der modernen Romantik. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren der spanischen Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Mit seinen »Cinco Canciones Negras« begründete der katalanische Komponist und Musikkritiker seinen Weltruhm. 

Tänze und Rhythmen aus Kuba

Hier werden Tänze und karibische Rhythmen aus Kuba verarbeitet, die eingängigen afro-kubanischen Melodien und hintergründigen Texte im Liederzyklus setzen sich mit dem Leben der schwarzen Bevölkerung auseinander wie das Wiegenlied »Canción de cuna para dormir a un negrito«, das die Geschichte eines kleinen schwarzen Jungen erzählt. In der Originalsprache singend, mit schillernden Nuancen, Temperament und gewitztem Charme zauberte Viola de Galgoczy (Mezzosopran) ein eindrückliches Erlebnis. Mit bestem Gespür für die Leidenschaften begleitete Uschi Gross am Klavier.
Zweifellos als Charakterstück par excellence erweist sich Erwin Schulhoffs (1894-1942)  »Bassnachtigall« für Kontrafagott solo (1922) in Anlehnung an Beethovens Nachtigallen-Motiv aus der Pastorale. Annette Winker lässt mit Wonne die tiefsten Töne ihres Instrumentes erklingen. Rasend und nahe am Grotesken ertönt das »Pepetuum mobile« – vom lieblichen Nachtigallen keine Spur. Charakterstück eben. 

Schulhoff ist kein Freund von halben Sachen: »Die Kunst an sich ist der Ausdruck gesteigerter menschlicher Sehnsucht, das Kunstwerk als solches die Explosion eines gesteigerten Empfindens. Absolute Kunst ist Revolution.« Wie Matinee-Moderator Gerhard Möhringer-Gross humorvoll anmerkte, pflegte der gebürtige Prager Schulhoff seine Stücke durch provokante Epiloge zu verfeinern: »Der göttliche Funke kann wie in einer Leberwurst auch in einem Kontrafagott vorhanden sein«. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er im Lager Wülzburg interniert, wo er an Tuberkulose starb.

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Brillante Marimbaphon-Solo

Es gab aber auch wieder Überraschendes und Neues:  Julian Belli lieferte mit »Recycling« (2018) ein brillantes Marimbaphon-Solo – eine Komposition des Freiburger Hochschulprofessors Otfried Büsing (geb. 1955), der sich im Anschluss beim jungen Musiker für dessen inspirierende Interpretation bedankte. Beschwingt entließ das Offenburger Ensemble schließlich sein Publikum mit Wilhelm Buschs satirischer Moritat für Erwachsene »Die fromme Helene«, die der Komponist Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) als »Rondo popolare« bezeichnete.  

Die harmlos beginnende Geschichte endet bekanntermaßen böse. »Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör!« Im Suff stößt die angeblich fromme Helene die Petroleumlampe um, »und hilflos und mit Angstgewimmer verkohlt dies fromme Frauenzimmer.« Dank der wunderbaren Interpretations- und Lesekunst von  Ursula Bengel geriet »Helene« zum vergnüglichen Höhepunkt der Matinee. Mit passender Gestik, Mimik und Stimmmodulation sorgte die Schauspielerin für ein Kabinettstück. 

Kongenial die musikalische Begleitung mit humoristischen Zwischenspielen unter der Leitung von Gerhard Möhringer-Gross, die eine eigentümliche Zusammensetzung aufwies: Kontrabasstuba (Thomas Matt), Violine (Carolin Korn), Flöte (Peter Stöhr), Oboe (Ulrich Steurer), Klarinette (Markus Raus), Fagott (Annette Winker), Trompete (Stephan Börsig) und Cello (Rebekka Hartmann). Dem war nichts mehr hinzuzufügen, nur noch begeisterter Applaus.

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