Swing, Jazz, Klezmer: Städtische Konzertreihe in der Stadthalle

Das Ruf-Jaurena-Quartett wurde in Gengenbach gefeiert

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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10. September 2019

Bernd Ruf (Klarinette) und der Bandoneon-Spieler Raul Jaurena mit Sängerin Marga Mitchell. ©Jürgen Haberer

Seit mehr als zwei Jahrzehnten stehen Bernd Ruf (Klarinette) und der Bandoneon-Spieler Raul Jaurena aus Uruguay immer wieder gemeinsam auf der Bühne. Mit den beiden Söhnen Rufs haben sie nun ein Quartett gebildet, das am Sonntag in Gengenbach glanzvoll debütierte.   

Allzu oft ist der aus Gengenbach stammende Mitbegründer der legendären Formation »Tango Five« derzeit nicht in der Heimat anzutreffen. Bernd Ruf hat einen Lehrstuhl weit im hohen Norden, in Lübeck, ist nebenher musikalisch in vielen Projekten aktiv. Es passt da schon ganz gut, wenn sich ein Auftritt in Gengenbach mit einem ohnehin anstehenden Familienfest, einer Hochzeit, verbinden lässt. Auf das Ständchen fürs Brautpaar folgt das Konzert in der Stadthalle. Eine waschechte Bühnenpremiere mit einem vielversprechenden Quartett, das sich zwischendurch immer wieder zum Quintett erweitert. 

Bernd Ruf und seine Söhne

Im Zentrum steht ein bestens eingespieltes Duo, das sich vor 21 Jahren kennengelernt hat. 1998 haben Bernd Ruf und Raul Jaurena mit »Tango Five« und großen Orchester erstmals ein Album mit sinfonischen Tangoklängen eingespielt und danach immer wieder miteinander kollaboriert. Nun sind Rufs Söhne dazugestoßen, der 21-järige Ivo (Klarinette) und der 18-jährige Ilja am Klavier.

Im Quartett frönen sie einer bemerkenswert feinsinnigen Melange unterschiedlicher Stile, tauchen ein in eine Klangwelt, die Klezmer und Tango, Jazzharmonien und klassisch angehauchte Fragmente zusammenführt. Als besonderer Leckerbissen gesellt sich zwischendurch die Sängerin Marga Mitchell, die Frau von Raul Jaurena dazu. Bernd Ruf nimmt sich in dem Projekt überwiegend auf die Bassklarinette zurück.

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Treibende Rhythmen

Die am Sonntag eindrucksvoll zutage tretende Stärke des Ensembles liegt in seiner musikalischen Ausgewogenheit, der überaus fruchtbaren Begegnung der Generationen, in der jeder seine Spuren hinterlässt. Ilja Ruf, der eben erst mit dem Jazzpreis des Kulturforums Schleswig-Holstein ausgezeichnet wurde, brilliert mit einem ausdrucksstarken Anschlag, reiht sich neben Raul Jaurena, Astor Piazzolla und anderen aber auch als Komponist ein. Sein »Tanz des Mondes« (La danse de la lune), kreiert eine schwelgerische Atmosphäre, im »Nachtzug nach Brooklyn« (Nightrain to Brooklyn), einer komplex angelegten Suite, prallen treibende Rhythmen und Elemente des Swing auf klassische Figuren und wunderbare Reduktionen. 

Marga Mitchell steuert in der Aura des Tangos sinnliche Leidenschaft bei, Raul, der musikalische Leiter des New Yorker »Thalia Theatre«, die Harmonien des Tango Nuevo. Der Abend besticht durch eine überaus feine Handschrift, verzaubert mit ausgefeilten Dialogen, in denen der Ball immer wieder weitergespielt wird. Klassiker des Tangos wehen mit einem frischen Wind herüber, Jazz und entspannt angelegter Swing blühen ebenso auf wie Klezmer und hier und da eingestreute Klangexperimente. Transformation und Verschränkung reichen sich unaufgeregt die Hand. 

Die Musik verdichtet sich, drängt und pulsiert, löst sich auf in einem zarten Fortissimo und musikalischen Zwiegesprächen, in denen jeder Ton zu tragen scheint. Das Publikum ist begeistert, feiert mit dem Projekt eine am Ende rauschhaft marschierende Premiere, die sich in einer kleinen Tour durch Norddeutschland fortsetzen wird.  

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