Neues Buch der Archäologin Gertrud Kuhnle

Das Soldatenleben der römischen Legion Augusta in Straßburg

Autor: 
Petra Klingbeil
Lesezeit 3 Minuten
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15. März 2019
Darstellung einer Doppelbaracke im Lager der 8. Legion nach den Ergebnissen der Fundstätte »4 Rue Brûlée«.

Darstellung einer Doppelbaracke im Lager der 8. Legion nach den Ergebnissen der Fundstätte »4 Rue Brûlée«. ©Ch. Gaston/Inrap.

Neue Erkenntnisse gibt es über das Lager der 8. römischen Legion Augusta in Straßburg aus dem Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Die Forschungen sind der Arbeit der Archäologin Gertrud Kuhnle zu verdanken. Ihr Monumentalwerk zu diesem Thema ist in französischer Sprache erschienen.

Die 8. römische Legion Augusta ist den Straßburgern und historisch interessierten Kreisen schon lange ein Begriff. Das 20 Hektar große Lager der 6000 römischen Legionäre lag im Viereck der Altstadt, wo sich heute das Münster erhebt, in den Grenzen zwischen dem Broglie-Platz, dem Gutenberg-Platz, der Ill und dem Kanal bis zur Oper. Das Lager war mit Stil und Geschmack errichtet. Die Quartiere der einfachen Soldaten waren kunstvoll ausgemalt, auch wenn sie nicht mit Fußbodenheizungen ausgestattet waren wie die hoher Offiziere. Allerdings mussten die Legionäre eng zusammenrücken. In ihren Barracken schliefen jeweils acht Mann in einem Raum in Stockbetten und mussten auch für sich selbst kochen. 

Die in Frankreich und Deutschland anerkannte Archäologin Gertrud Kuhnle aus Augsburg hat vier Jahre lang über das Leben der Soldaten und die Architektur des Lagers geforscht. Sie hat in ihrer ersten –  544 Seiten langen und über vier Kilogramm schweren – Monographie die Ergebnisse zweier Grabungen vorgestellt. Gearbeitet wurde von November 1999 bis Mai 2000 im mittelalterlichen Kornspeicher (Grenier d’Abondance) gegenüber der Oper mit acht Mitarbeitern, und von März bis Dezember 2008 im Innenhof der 4 Rue Brûlée mit sechs Archäologen. 

Die zwei Bände des Buches auf französischer Sprache enthalten zahllose Farbtafeln, Fotos, Pläne und Zeichnungen, und sind im deutschen Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) erschienen. »Es ist der angesehenste Verlag für derartige Werke und kein anderer hätte so eine Menge von Farbtafeln realisieren können«, berichtet Kuhnle. 

Für Forschungszentren

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Ihre Arbeit bringt die Forschung entscheidend voran, ist doch das letzte Werk auf hohem Niveau von Robert Forrer vor fast 100 Jahren erschienen (»Strasbourg-Argentorate«, Strasbourg 1927). »Mein Buch ist in erster Linie für Forschungszentren und Bibliotheken gedacht. Früher hätte es einen Platz im Bücherschrank heimatbewusster Straßburger Familien gehabt«, erklärt Kuhnle. »Aber das Geschichtsbewusstsein hat sich globalisiert«.

Zur 8. Legion gibt es kaum schriftliche Überlieferungen. Nur der Geograph Ptolemaios hat im zweiten Jahrhundert nach Christus Argentorate als Lager der 8. Legion erwähnt. Beweise über die Anwesenheit der 8. Legion in Straßburg liefern in erster Linie die gestempelten Ziegel der Legion und ein paar Grabstelen. Über das tägliche Leben der Legionäre informieren unter anderem  Tonscherben, Münzen, Metallfunde und Tierknochen.

»Zu den wichtigsten neuen Erkenntnissen gehört die Existenz eines Umfassungswalls aus Holz und Erde um das ganze Lager, der bis zum Wehrgang etwa 3,50 Meter hoch war. Im zweiten Jahrhundert wurde dieser Wall mit einer vermutlich bis zu sechs Meter hohen Steinmauer verstärkt. Eine weitere und noch höhere Verteidigungsmauer mit halbrunden Türmen errichteten die Legionäre um die Wende vom 
3. zum 4. Jahrhundert«, erläutert die Archäologin. 

Ab Mitte des vierten Jahrhunderts wandelte sich das Lager in eine urbane Befestigung um. Nun lebten Soldaten des spätrömischen Militärs und Zivilbevölkerung zusammen. Argentorate wurde zu einem Anziehungspunkt, weil Wall und Mauern den Menschen Schutz vor Angriffen und Überfällen boten. Straßburg kann stolz auf seine römische Vergangenheit sein. Gründet die historische Altstadt, Weltkulturerbe seit 1988, doch auf den Bauten der 8. Legion Augusta.
 

Info

Das Buch

Das Buch »Argentorate. Le camp de la VIIIe légion et la présence militaire romaine à Strasbourg« ist im deutschen Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in französischer Sprache erschienen. Es umfasst zwei Bände. 544 Seiten, 234 meist farbige Tafeln), 120 Euro, ISBN: 978-3-7954-3365-9.

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