Mondlandung

Vor 50 Jahren: «Der Adler ist gelandet» – und die Welt sah zu

Autor: 
dpa
Lesezeit 6 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. Juli 2019
Die Mondlandung war auch ein großes Gemeinschaftserlebnis.

Die Mondlandung war auch ein großes Gemeinschaftserlebnis. ©dpa - Roland Witschel

Es war ein Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte – die Mondlandung vor 50 Jahren hat aber auch Mediengeschichte geschrieben.

Als Apollo-11-Kommandant Neil Armstrong in den Morgenstunden des 21. Juli 1969 vorsichtig den Fuß auf den Erdtrabanten setzte und seine berühmten Worte von dem kleinen Schritt für einen Menschen und dem Riesenschritt für die Menschheit zu hören waren, hatte er ein enormes Publikum.

Radio- und Fernsehsender übertrugen die Szene weltweit, schätzungsweise mehr als eine halbe Milliarde Menschen verfolgen die Mondlandung. Für viele war es das Fernsehereignis ihres Lebens.

Die Deutschen sahen nachts zu

Auch in Deutschland, wo Armstrongs berühmte erste Schritte um 3 Uhr 56 zu sehen waren, waren Hunderttausende wach geblieben oder extra dafür wieder aufgestanden. Viele Kinder durften zum ersten Mal in ihrem Leben noch nach Mitternacht Fernsehen gucken.

Die Live-Übertragung der Ereignisse fast 400.000 Kilometer von der Erde entfernt demonstrierten mit den einzigartigen Bildern aus dem Weltall die Überlegenheit des damals noch vergleichsweise neuen Mediums. Wie viele Zuschauer sie gesehen haben, lässt sich nicht genau sagen, in Deutschland, wo sowohl ARD als auch ZDF ausführlich live über die Mondlandung berichteten, wurden damals noch nicht die heute üblichen Einschaltquoten ermittelt.

Für die ARD war Günter Siefahrt im Dauereinsatz, der dafür den Spitznamen «Mr. Apollo» bekam. Für das ZDF moderierte der Wissenschaftsjournalist Heinrich Schiemann, von Haus aus Luftfahrtingenieur. Jahre später, im April 1981, war er einer der Kommentatoren bei der Live-Übertragung der ersten Landung einer bemannten Space Shuttle. Wie Siefahrt wurde er durch seine Moderation bei der Mondlandung einem breiten Publikum bekannt.

»Man konnte sich das nicht vorstellen«

«Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern», sagt Christiane Götz-Sobel. «Ich war in den Sommerferien in Oberitalien, der Wirt hatte im Foyer einen Fernseher aufgestellt. Der lief in der Nacht durchgehend, und die Hotelgäste schauten zu.» Die Szene, als die Mondfähre landete, hat sie noch vor Augen: «Ich war damals 13, das war Wahnsinn, man konnte sich das nicht vorstellen. Man hat die Luft angehalten, ob das gutgehen wird», erzählt Götz-Sobel, inzwischen Leiterin der ZDF-Redaktion Naturwissenschaft und Technik.

Bevor Armstrong über die Mondoberfläche gelaufen ist, sei zwischendurch auf dem Bildschirm allerdings stundenlang wenig passiert. Dennoch war die Mondlandung für die heute 63-Jährige ein Fernseherlebnis wie nie wieder ein anderes, sagt Götz-Sobel, die seit 1990 beim ZDF arbeitet.

WDR-Redakteur Thomas Kamp war im Sommer 1969 ebenfalls mit seinen Eltern im Urlaub, allerdings nicht in Italien, sondern im Teutoburger Wald. «Eine meine ersten Fragen war, ob es in der Pension ein Fernsehgerät gibt.» Der Fernseher stand im Frühstücksraum, wo sich am 20. Juli abends die Gäste versammelten.

«Es war ein Happening und ein Gemeinschaftserlebnis - Rudelgucken würde man das heute nennen. Woran ich mich genau erinnern kann, ist ein älteres Ehepaar», erzählt Kamp. «Als die ersten Bilder vom Mond kamen, da schüttelten die nur den Kopf, sagten 'Hollywood' und verabschiedeten sich in ihr Zimmer. Die haben das nicht für möglich gehalten.»

- Anzeige -

De Mondlandung zog sich in die Länge

Kamp, damals acht, musste am Nachmittag vorschlafen, durfte dann aber bis in tief die Nacht aufbleiben. Denn die Mondlandung zog sich in die Länge. Die Berichterstattung im Ersten, für die der WDR zuständig war, begann am 20. Juli bereits um 17.10 Uhr. Die Landung der Mondfähre Eagle (Adler) war um 21.17 Uhr zu sehen. «Der Adler ist gelandet», lautete Armstrongs berühmter Kommentar. Seine ersten Schritte auf dem Mond waren erst mehr als sechseinhalb Stunden später zu sehen.

Für die Sender war das eine enorme Herausforderung, nicht nur weil die Moderatoren eine XL-Strecke vor sich hatten, sondern auch weil sie nicht genau wissen konnten, welche Bilder zu sehen sein würden. Im Apollo-Sonderstudio des WDR in Köln moderierte Siefarth unterstützt unter anderem von Hans Heine und Anatol Johansen.

Den Mondlandungsmarathon im Fernsehen zu begleiten, war eine Mammutaufgabe. Der WDR hatte die Kabine der Mondfähre im Maßstab 1:1 mit allen Knöpfen und Schaltern nachbauen lassen, das ZDF den Kommandostand der Apollo-Kapsel. Im Studio ließ sich dann mit den Attrappen demonstrieren, was live nicht zu sehen war.

Funktionieren die Kameras auf dem Mond?

Eine ganze Expertenrunde saß im WDR-Studio in Köln, das an das Kontrollzentrum in Houston erinnerte - vorne eine Bühne und hinten mehrere Reihen mit den Wissenschaftlern - alles Männer - die zwischendurch interviewt wurden. Live wurden auch Zuschauerfragen am Telefon beantwortet. «Per Telefon wurde außerdem der USA-Korrespondent Werner Büdeler in Houston zugeschaltet, immer mit seinem Foto samt Telefonhörer, wie es damals üblich war», sagt Kamp.

Die eigentliche Herausforderung begann erst nach der Landung: Die Sender waren abhängig davon, dass die Kameras auf dem Mond tatsächlich funktionierten. «Wir müssen uns mal vorstellen: Die Fähre landet. Die Kamera, die den Ausstieg filmte, die war in der Mondfähre eingebaut», erläutert Kamp. «Man konnte von innen die Abdeckung per Seilzug entfernen, bevor Armstrong die Leiter runterging. Nachher stand die Kamera dann auf einem Stativ.»

Dass so mancher keine Ahnung hatte, wie es möglich war, Armstrong schon beim Aussteigen zu filmen, spielte den Verschwörungstheoretikern in die Hände, die später behaupteten, die Szenen auf dem Mond seien in einem Studio gedreht worden und nie ein Mensch dort oben gewesen.

»Das Ereignis des Jahrhunderts«

Thomas Kamp fand den Moment, als Armstrong aus der Landefähre kletterte, am eindruckvollsten: «Das war schon ungeheuerlich, dass da jetzt einer auf dem Mond rumlief und man die Bilder von da sendete.» Auch den Ton der Liveübertragung hat er noch im Ohr: «Ich kann mich noch sehr genau dran erinnern, weil diese Funkgespräche so etwas Atmosphärisches hatten. Es war immer dieser Roger-Beep dabei: 'Eagle calling Houston, piep.' Das hat mich total fasziniert.»

Für Kamp war es «das Ereignis des Jahrhunderts», wie er sagt. «Es gab für mich nichts Größeres, auch später nicht. Ich glaube, in dem Jahr danach sind zum Karneval ganz sicher viele als Astronaut gegangen. Und es war dann auch der Wunsch von vielen Kindern, Astronaut zu werden.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Jürgen Stark.
06.12.2019
Kulturkolumne
Der britische Underground galt immer schon als extrem fruchtbar, denn seit den 1960er-Jahren schiessen hier die Bands wie Pilze aus dem Boden. Was jetzt aber The Heavy  mit dem neuen Album „Sons“ abliefern, ist zukunftsweisend.      
Boten Entertainment pur (von links): Djamel Laroussi, Tobias Reisige und Markus Conrads beim Konzert im Kehler Kulturhaus.
06.12.2019
Konzert im Kulturhaus Kehl
Vergessen Sie alles, was Sie über Blockflöte gehört haben! Dieses vermeintlich infantile Instrument wird zu Unrecht völlig unterschätzt. Diese Lehre konnte der Musikfreund vom Konzert des Trios Wildes Holz am Dienstagabend im vollbesetzten Kehler Kulturhaus mitnehmen.  
Brachte ihre eigene Brotzeit mit: die Kabarettistin Simone Solga.
05.12.2019
Kabarett im Lahrer Schlachthof
Simone Solga katapultiert sich vom Kanzleramt direkt auf die Bühne des Lahrer Schlachthofs und beantragt erst einmal politisches Asyl. Die Kanzlersouffleuse hat die Nase gestrichen voll und rechnet noch einmal gnadenlos ab, bevor sie 2020 mit einem neuen Programm an den Start geht.
Oma Dora (Heidi Mahler, Mitte) erlebt einen turbulenten 90. Geburtstag, Links Enkelin Gisela (Eyleen Weidel), rechts Ex-Schwiegertochter Selma (Marina Zimmermann
04.12.2019
Nostalgischer Schwank im Lahrer Parktheater
Heidi Mahler sagt „Servus“! Die Tochter der legendären Heidi Kabel ist zum letzten Mal mit dem Hamburger Ohnsorg Theater auf Tournee. In Lahr wurde am Freitagabend „Ein Mann mit Charakter“ gezeigt, ein wunderbar nostalgisch aufbereiteter Schwank aus dem Jahr 1969.  
„Grande Dame“ des Klaviers: Elisabeth Leonskaja.
04.12.2019
Beethovens fünftes Klavierkonzert im Festspielhaus Baden-Baden
Kontrastprogramm im Festpielhaus Baden-Baden: Pianistin Elisabeth Leonskaja, die am Sonntag mit dem Budapest Festival Orchestra Beethovens fünftes Klavierkonzert spielte, ist keine Tastenlöwin. Mit ihren Konzerten will sie zu geistigen Erkenntnissen verhelfen.
So sieht die Künstlerin Valeria Docampo den gezähmten Fuchs des „kleinen Prinzen“.
03.12.2019
Ausstellung "Der kleine Prinz" in Gengenbach
Bei der Vernissage der Ausstellung „Der kleine Prinz“ in Gengenbach konnte Kurator Reinhard End mit Valeria Docampo die Malerin von zwölf Bildern des Adventskalenders vorstellen. Schauspieler Arno Kempf verkörperte sehr authentisch den 1944 abgestürzten Piloten und Autor Antoine de Saint Exupéry.  
Zwei Seelen und vier Hände: die Klaviervirtuosen Carles & Sofia.
03.12.2019
Carles & Sofia bei Oberrhein-Konzertreihe in Offenburg
Vier Hände, viel Gefühl: Wohlklang und Leidenschaft prägten am Samstagabend die Musik des katalanischen Klavierduos Carles & Sofia in der gut besuchten Oberrheinhalle. Zum zweiten Konzert der Oberrhein-Reihe hatten die beiden Pianisten eine breite musikalische Palette mitgebracht. 
Triosence: Bernhard Schüler (von links), Omar Rodriguez Calvo und Tobias Schulte.
02.12.2019
Erstes Konzert Im Offenburger Salmen
Musikalischer Drive und sorgsam verwobene Melodien, ein elegantes, aus unterschiedlichen Einflüssen schöpfendes Spiel der Jazzharmonien. So hat sich das 1999 von Bernhard Schüler gegründete Triosence am Donnerstagabend bei seiner Premiere in Offenburg präsentiert.  
Bäcker der Schutzgemeinschaft Dresdner Stollen streichen Butter und Zucker auf den Riesenstollen.
01.12.2019
Dresden
Der kulinarische Star des Dresdner Stollenfestes ist fertig: In stundenlanger Arbeit haben die Stollenbäcker am Sonntag den traditionellen Riesenstollen zusammengesetzt.
Bewiesen Improvisationstalent: Isabel Bogdan (rechts) und Cornelia Holfelder-von der Tann.
30.11.2019
Baden-Württembergische Übersetzertage in Kehl
Übersetzer und ihr Publikum machten sich auf die Suche nach passenden Worten und Sätzen. Mit einem unterhaltsamen Translation-Slam gingen am Donnerstagabend die 12. Baden-Württembergischen Übersetzertage in Kehl am  zu Ende.
Nina Janke als Marlene Dietrich.
29.11.2019
Berlin
Bald kommt die neue Staffel der Serie «Babylon Berlin». Im Admiralspalast wird die Revue «Berlin Berlin» gezeigt, das den «Tanz auf dem Vulkan» wagen will, natürlich mit einer Marlene-Dietrich-Darstellerin.
Paul McCartney ist gerne Großvater.
29.11.2019
London
Der Ex-Beatle Paul McCartney liebt es, Großvater zu sein. Das sagte der 77 Jahre alte Musiker dem britischen Radiosender Virgin Radio am Freitag.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.
  • 02.12.2019
    Freistett
    Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu einem besonderen Anlass: Edle Spirituosen sind ein beliebtes Geschenk. Wer aber das besondere Etwas sucht, wird bei „Getränke Hetz“ in Rheinau-Freistett fündig – denn dort ist die Auswahl wahrlich gigantisch!
  • 02.12.2019
    Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH
    „Wir machen Ihr Tor“ ist die Devise des Unternehmens Bergheimer Industrie- & Garagentore GmbH mit dem Hauptsitz in Appenweier und bietet seinen Kunden eine breite Palette verschiedenster Toranlagen. Für jede noch so schwierige Einbausituation fertigt Bergheimer Toranlagen für den privaten und...
  • 29.11.2019
    Bei Leitermann Schlafkultur
    Leitermann Schlafkultur wird 60 Jahre alt und feiert das mit Experten-Vorträgen und tollen Jubiläumsangeboten. Seien Sie dabei!