Interview mit Jan-Gregor Kremp

»Der Alte« hat viel Spaß an den Reibereien mit den Jungen

Autor: 
Florence-Anne Kälble
Lesezeit 6 Minuten
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23. März 2019
Schauspieler Jan-Gregor Kremp spielt die Hauptrolle in der ZDF-Krimiserie »Der Alte«.

Schauspieler Jan-Gregor Kremp spielt die Hauptrolle in der ZDF-Krimiserie »Der Alte«. © ZDF/Jacqueline Krause-Burber

Viele kennen sein Gesicht, aber nicht seinen Namen: Schauspieler Jan-Gregor Kremp findet das ganz angenehm. Im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse erklärt der 56-Jährige, was er an seiner Rolle in der ZDF-Krimiserie »Der Alte«schätzt und gibt Einblick in sein privates Leben. 

Sie spielen in einem der langlebigsten Fernsehformate mit. Wie sind Sie an die Rolle des Kommissars Richard Voss  gekommen?
Jan-Gregor Kremp: Ich habe einige Episoden-Rollen beim ›Alten‹ gespielt, noch unter Helmut Ringelmann als Produzenten. Als ich 40 war, hat er gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Titelrolle zu übernehmen. Damals habe ich gesagt: ›Ach wissen Sie, Herr Ringelmann, ich möchte mich noch nicht festlegen, ich guck mal was noch kommt.‹ Da war ich gerade vom Theater weg und wollte mich nicht gleich wieder fest binden. 

Hat er nochmal gefragt?
Kremp: Er hat tatsächlich ein zweites Mal gefragt, aber da hatte ich gerade ein Haus in Leverkusen bezogen. Und dann kam ein Jahr – ich glaube es war 2011 – als zwei Filme wegbrachen. Und ich dachte mir,  jetzt machst du mal sowas.  

Wie viele Drehtage haben Sie im Jahr? 
Kremp: Meist so um die 100. 

Dann sind Sie viel unterwegs. 
Kremp: Ja, das bin ich. Aber  zwischendurch auch länger am Stück zu Hause. Ich mag es eigentlich so. Für mich ist das besser, als ein Nine-to-five-Job.  

War es schwierig in ein bestehendes Format reinzukommen, und dem Ganzen auch noch den eigenen Stempel aufzudrücken? 
Kremp: Das war am Anfang nicht ganz einfach, weil ich in ein Ensemble reinkam, das schon lange zusammenarbeitete. Viele waren schon  seit 18 Jahren dort, teilweise sogar noch länger. Michael Ande, mit dem ich inzwischen sehr gut befreundet bin, hat über 40 Jahre beim ›Alten‹ mitgespielt. Es hat sich aber alles sehr schnell gefügt. Ich bekam  so nach und nach die Farben in die Figur, die ich haben wollte. Vieles hat sich im Arbeitsprozess ergeben und ist jetzt nochmal ganz anders geworden, seit wir die jüngeren Kollegen haben. Dadurch entstehen andere Spielmöglichkeiten. Wir haben wieder dieses Verhältnis der ›Alte‹ und die Jungen. Man kann sich reiben, man kann kritisieren, man kann loben. Das ist ein großer Spaß. 

Aber ›Der Alte‹ ist doch eigentlich eher… 
Kremp: Der Chef.  

Eben – nicht im Sinne von der Ältere. 
Kremp: Sie sind die erste, die das mal sagt. Aber inzwischen denke ich: Nicht nur. Es gibt eben nun auch die Spielmöglichkeiten zwischen jung und alt.  Aber klar, ›Der Alte‹ heißt der Chef. Ich finde eigentlich den englischen Titel noch schöner. Bei den Briten heißt es ›Old fox‹. Das verdeutlicht die Idee noch besser, weil es der alte Fuchs ist, der auf den Fall angesetzt ist. Darum geht es auch immer bei Entwicklungsgesprächen mit den Autoren: Es braucht noch mehr Momente, in denen der Kommissar durch gutes Zuhören seine Schlüsse zieht, auch um die Ecke denkt, wie ein alter Fuchs eben.
 
Gibt es eine Rolle die sie gerne einmal spielen würden? Wie zum Beispiel James Bond? 
Kremp: Nein. Eher ein Mafia-Boss der Ndrangheta. Ich habe eine leichte Affinität zu Gangsterthemen. Ich finde es sehr spannend, wie die Geschichten aufgebaut sind.  

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Sie haben mal gesagt, viele würden Ihr Gesicht, aber nicht Ihren Namen kennen. Ist das für Sie angenehm? 
Kremp: Ja, auch. Ich habe eigentlich nur angenehme Begegnungen. In Leverkusen kann ich überall hingehen, ohne das ein großes Bohei gemacht wird. Das ist schön. Es könnte ja auch nerven, wenn es zu viel wird mit der Aufmerksamkeit. 

Aber es gehört zu Ihrem Beruf dazu. 
Kremp: Ja, eben. Deshalb sollte man sich nicht darüber beklagen. 

Wie geht es Ihnen ansonsten im Leben? 
Kremp: Ansonsten im Leben bin ich schon sehr zufrieden mit meiner Rolle als Ehemann und Vater. Das gefällt mir. 

Ihre Frau ist auch Schauspielerin. Ist es einfacher, wenn man jemanden zu Hause hat, der das Geschäft kennt? 
Kremp: Es ist einfacher, wenn der Andere weiß, wie man so tickt und wie viel Zeit man braucht, um sich vorzubereiten und auch wie viel Zeit nötig ist, sich nach einem Dreh Zuhause wieder einzuleben. 

Was erdet Sie? 
Kremp: Vieles. Erstmal meine Herkunft. Ich bin aus Leverkusen. Da ist ein Glamourfaktor schwer zu finden. Aber ich liebe das Rheinland und meine Heimatstadt. Ich mag die Leute und den Dialekt. Ich mag unsere Arbeiterkultur – auch das ist Leverkusen. Ich mag den Fußball-Club und ich mag den Rhein. Auch die Musik erdet mich – ich spiele Klavier. Na, und die Hunde sowieso. Denen ist es wurscht, ob ich einen Preis gewonnen habe oder auf einer Titelseite bin. Die freuen sich, weil sie mich sehen.

Sie haben zuerst ein Musikstudium begonnen. Wie kam es denn bei Ihrer Familie an, dass Sie dann Schauspieler werden wollten? 
Kremp: Das war am Anfang schwierig. Mein Vater war Musikprofessor und hätte es gerne gesehen, wenn ich Musiklehrer geworden wäre. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das Lehramt nichts für mich ist. Und als ich sagte, ich will jetzt Schauspieler werden, waren die Bedenken erst groß. Es war dann aber okay, als ich einen Platz an der staatlichen Schule hatte. Meine Eltern sind später oft ins Theater gekommen und haben es sehr genossen. 

Sie kommen vom Theater. Fehlt Ihnen beim Film der direkte Kontakt zum Publikum? 
Kremp: Ja, manchmal. Deshalb mache ich auch mein Bühnenprogramm. Und jetzt auch eines mit meiner Frau zusammen. Ich mag die Scheinwerfer, ich mag das Spiel mit den Leuten, die Reaktionen. Das hole ich mir dort. 

Sie machen mit Ihrer Frau auch Lesungen in Hospizen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Kremp: Die Idee stammt von meiner Frau. Sie hatte schon vorher im Kinderhospiz ›Bärenherz‹ in Wiesbaden gelesen. Beim zweiten Mal waren wir gemeinsam dort. Bei der Gelegenheit haben die Mitarbeiter uns alles gezeigt und von ihrer Arbeit erzählt. Es ist ein wichtiger Ort, an dem eine sehr wertvolle Arbeit geleistet wird, die Unterstützung verdient. Wer mal da war, den lässt das nicht los. Jetzt, wo wir älter werden, ist es einfach gut, etwas Sinnvolles zu tun, statt herumzusitzen, wenn es im Beruf weniger zu tun gibt.

Hintergrund

Neue Folgen

Am 5. April kehrt der Krimi-Dauerbrenner »Der Alte« mit neun neuen Folgen zurück. Sie sind wie gewohnt freitags um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. Mit jeweils rund fünf Millionen Zuschauern ist die Serie auch nach mehr als 40 Jahren und 418 Folgen immer noch ein Quoten-Garant. Nach Siegfried Lowitz, Rolf Schimpf und Walter Kreye schlüpfte 2012 Jan-Gregor Kremp in die Titelrolle. 

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