Nachruf auf Mariss Jansons

Der wissende Menschenfreund

Autor: 
Susanne Benda
Lesezeit 3 Minuten
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01. Dezember 2019
Der lettische Dirigent Mariss Jansons (1943 – 2019)

Der lettische Dirigent Mariss Jansons (1943 – 2019) ©Foto: dpa

Der lettische Dirigent Mariss Jansons ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Er war groß als Detailarbeiter und als Kommunikator.

St. Petersburg - Er war Schüler der beiden wohl strengsten Dirigenten-Lehrer des 20. Jahrhunderts, Hans Swarowsky und Jewgeni Mrawinski. Letzterer wurde für Mariss Jansons zu einem zweiten Vater: Mrawinski habe, so hat es sein 1943 im lettischen Riga geborener Schüler einmal berichtet, stundenlang stumm da sitzen können, um nichts anderes zu tun als einfach nur: über Musik nachzudenken. Was genau ist hinter den Klängen, und wie gelingt es, die Seele der Musik hörbar zu machen? Jansons, der in der Nacht zum Sonntag in St. Petersburg verstorben ist, war ein großer Dirigent vor allem wegen der Art, mit der er diese Fragen gestellt und wegen der Akribie, mit der er an Antworten gearbeitet hat. Jansons’ Konzerte – zuletzt mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das ihm seit 2003 neben dem Concertgebouw in Amsterdam seine erste künstlerische Heimat war – lebten zwar maßgeblich von ungemein präzise ausformulierten Details, zeugten aber auch von einem berührenden menschlichen Mitteilungsbedürfnis, nein, mehr noch: von einer Mission. Jansons’ Proben beizuwohnen, war indes fast noch schöner, denn dort legte er, im Gegensatz zu seinen großen Dirigenten-Lehrern immer freundlich und unendlich geduldig, die Bilder und Zusammenhänge offen, die er Klang werden lassen wollte. Jansons war kein Alleinherrscher am Pult, kein Despot; er hat die Musiker vor ihm vielmehr mit dem überzeugt, was er konnte, dachte und wollte.

Jansons hatte auch ein Händchen für das Leichte

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Dabei ging es nie nur um große, schwere Werke. Nicht zuletzt bei drei Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker hat Mariss Jansons bewiesen, dass er auch für Leichtes ein Händchen und sehr viel Leidenschaft hat. Der Sohn des Dirigenten Arvid Jansons hatte immer ein breites Repertoire: am Leningrader Konservatorium, wo er zu studieren begann, dann als Assistent Herbert von Karajans in Berlin und Salzburg, außerdem an der Wiener Musikhochschule. Dass sich die Karriere dennoch nur langsam entwickelte, hat Jansons eher genutzt als geschadet, denn das passte zu seinem Charakter. Die Osloer Philharmoniker, die er 1979 übernahm, erlangten mit und unter ihm Weltklasse. Internationalen Ruf erlangte der Dirigent aber erst ab 1997 durch die Chefposition beim Pittsburgh Symphony Orchestra, dessen Besucherzahlen er durch seine Präsenz in der Stadt und durch zahlreiche Bildungsangebote stark steigerte. Unermüdlich arbeitete sich Jansons hier wie dort akribisch durch die Partituren, vornehmlich jene der (Spät-)Romantik und der frühen Moderne, und hatte immer mindestens zwei Chefpositionen gleichzeitig inne. Am Ende hat sein großes Herz nicht mehr mitgemacht, immer mehr Konzerte musste er absagen. Wir werden ihn, den Akribischen, Ehrlichen, Weltbejahenden, vermissen.

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