"Jazzpassage" in Offenburg eröffnet

Die Altmeister Joachim Kühn und Henri Texier in Hochform

Autor: 
Monika Schumacher
Lesezeit 3 Minuten
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16. November 2019
Feierte sein Idol Coleman: Pianist Joachim Kühn.

Feierte sein Idol Coleman: Pianist Joachim Kühn. ©Ulrich Marx

Die 17. Ausgabe der Offen­burger „Jazzpassage“ wartet einmal mehr mit deutsch-französischen Begegnungen vom Feinsten auf. Den Auftakt in der Reithalle machten am Donnerstagabend Pianist Joachim Kühn und der Grand­seigneur am Kontrabass, Henri Texier, mit seinem Sand Quintett.

Joachim Kühn eröffnete den ersten Festival­abend mit der Königsdisziplin des Jazz, dem Piano-Solo. Vor einem erwartungsvollen Publikum in der gut besetzten Reithalle würdigte der Altmeister, der vor kurzem seinen 
75. Geburtstag feierte, mit „Melodic Ornette Coleman“ den 2015 verstorbenen US-Saxofonisten, einer der Mitbegründer des Free Jazz. 

Von 1996 bis 2000 spielten Kühn und Coleman insgesamt 16 gemeinsame Konzerte – jedes davon ein Unikat. Wurden für jedes der Konzerte doch komplett neue Stücke geschrieben und danach niemals wieder aufgeführt noch aufgenommen. Kühn sammelte das Material, insgesamt 170 Kompositionen, und extrahierte in seinen Bearbeitungen für Solo­piano daraus den weniger geläufigen Aspekt, nämlich die wunderbar melodische Seite der Jazzlegende Ornette Coleman.

Zuerst eröffnete Kühn jedoch mit einer energetischen Eigenimprovisation „Free Life“, um danach ganz in der kompositorischen Welt seines ehemaligen Duo-Partners aufzugehen. Lyrisch, sanft und in sich gekehrt, aber voller überraschender Details tauchte er mit fünf Stücken in Folge tief ein in den Klangkosmos von Colemans Musik. 

Selbstporträt

Bestachen seine Bearbeitungen auch mit wunderbarem Fatalismus, so war Kühns Anschlag doch auch in den leisesten Momenten von unverkennbarer Dynamik. Die Widmung an sein Idol geriet dem Pianisten zugleich zum Selbstpor-trät, das wahre Meisterschaft offenbart: eine tiefe Verbeugung vor dem Werk Colemans, selbstbewusst umgesetzt, ganz nach „Kühn‘scher Art“.

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Zum Abschluss ließ Kühn seinem künstlerischen Ego dann wieder freien Lauf. Zwei seiner Eigenkompositionen gerieten zum furiosen Ritt durch seine ureigene Klanglandschaft, untermalt mit gewohnt ausdrucksvoller Mimik und Körpersprache. Sein Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus.

Im zweiten Teil des Abends präsentierte der französische Bassist Henri Texier sein neu formiertes Sand Quintett. Schon allein die Person wies diese Band als Konterpart zum ersten Set des Abends aus. Kraftvolle, erdverbundene Musik, spirituell und voll energetischer Spannung war zu erwarten.

Grande am Kontrabass 

Doch in den ersten Minuten zog auch der Grande am Kontrabass mit einem virtuosen Solo das Publikum in seinen Bann – um dann mit einem markant perkussiven Einsatz seines Instruments seine vier Mitstreiter hinzu zu holen. Diese machten es Texier­ dann auch relativ leicht, zu Hochform aufzulaufen. Denn jeder des international besetzten Ensembles – Vincent Le Quang (Saxofon), Sebastien Texier (Saxofon, Klarinette), 
Manu Godja (Gitarre) und Gautier Garrigue (Drums) – fügt sich so selbstbewusst wie sensibel in die Vorgaben des Altmeisters ein, ohne ein Quantum Nostalgie aufkommen zu lassen.

Henri Texier ist ein (ewig junges!) Urgestein seiner Disziplin, seit den 1960er-Jahren hat sein Name in der internationalen Jazzszene Gewicht. Musikalisch blickt er auf die unterschiedlichsten Einflüsse und Klangwelten: Mit Bebop hat er angefangen, befasste sich dann später mit Free Jazz, Neuer Musik und schließlich mit ethnischen Traditionen.

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