Offenburg

Die böse Hexe ist ein Liebling

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 4 Minuten
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14. September 2021
Märchen­erzählerin Sigrid Voigt.

Märchen­erzählerin Sigrid Voigt. ©Günter Ferber

Sigrid Voigt feiert das 20-jährige Bestehen ihrer Reihe „Märchenzeit für Erwachsene“ am 17. September in der Offenburger Reithalle. Ihr allererster Märchenabend war nicht ganz so zauberhaft.

Märchen für Kinder und vor allem auch Erwachsene erzählt Sigrid Voigt: Die Wahlohlsbacherin begann vor rund 30 Jahren, die Aufführungen der „Blauen Märchenbühne“ mit Text zu unterlegen – jetzt feiert ihre eigene Reihe „Märchenzeit für Erwachsene“ das 20-jährige Bestehen.
Gong, Glockenspiel, Klangschale und dazu fließende Tücher untermalen bei den Vorstellungen von Voigt den Eintritt in die Märchenwelt. Auch bei der aufgrund von Corona verschobenen Jubiläumsveranstaltung, die am Freitag, 17. September, um 20 Uhr in der Reithalle stattfindet, bleibt sie ihrem Konzept treu. „Es stehen Frauen und Männer auf der Bühne“, sagt sie.
Außer ihr selbst erzählt Philipp Layer aus Münchhausens Märchen unter dem Titel „Männermut und Frauenzauber“. Marion und Jesper Dyremose begleiten die Show, die wegen Corona ohne Pause zirka 1,5 Stunden dauert. Mal erklingen temperamentvolle, mal melancholische Akkordeonstücke, wenn Voigt ein irisches und ein russisches Märchen vorträgt.
Für sie sind Märchen „Weisheitsgeschichten in verschleierter Form“. Auch für die moderne Gesellschaft hätten sie Botschaften: „Zum Beispiel, dass alles seine Zeit hat und man auch mal etwas aushalten oder abwarten muss.“ Das sei verloren gegangen – immer sei überall alles sofort verfügbar. Oft brauche es im Märchen drei Versuche, bis etwas glücke. Märchen würden oft belächelt, dabei zeigten sie oft drastische Ereignisse und eine raue Welt. Voigt streicht den Aspekt Hoffnung heraus: „Auch wenn schlimme Dinge passieren, kann man Hoffnung haben, dass sich alles zum Guten wendet.“

Kürzer treten mit 80

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Dem scheint ihr Publikum zuzustimmen, dem auch Männer und immer wieder neue Gesichter angehören. Die Gäste geben als Rückmeldung, dass sie „ewig zuhören“ könnten. Märchen entschleunigen, berühren und passen zu vielen Gelegenheiten. „Ich werde für Geburtstage, Weinproben oder Kliniken gebucht“, sagt sie. Und sie hofft, dass die Schultermine wie geplant stattfinden können. Den nächsten Termin für die Erwachsenen-Märchenreihe hat sie erst wieder für Januar 2023 festgelegt. „Dann werde ich 80“, sagt sie, und will eventuell kürzertreten.
Wenig zauberhaft gelang der Auftakt für die „Märchenzeit für Erwachsene“ vor 20 Jahren. Als sich zur Tagung der Europäischen Gesellschaft für Märchen in der Region zahlreiche Erzähler einfanden, organisierte Voigt den ersten Abend. „Spitalspeicher oder Spitalkeller“ hieß damals die Alternative. Da der Märchenkünstlerin ein voller Saal lieber ist als ein halb leerer, entschied sie sich für den Keller. In der Pause schimpfte die Dame des Kulturbüros noch vor Voigts Auftritt mit ihr, dass es völlig überfüllt sei. Für die Märchenerzähler stand nicht einmal ein Glas Wasser bereit. In einem Brief beschwerte sich Voigt bei Edgar Common, dem Leiter des Kulturbüros.
Er sorgte dafür, dass die Veranstaltung künftig im Salmen stattfinden konnte, in Spitzenzeiten mit über 200 Besuchern. „Der Titel hieß ‚Ein Hauch von Wüstenwind‘“, erinnert sich Voigt. Wie immer ergänzte sie ihren Vortrag mit dem von Gästen: Diese trugen persische und isrealitische Märchen vor.
Anfangs las sie vor, erinnert sich die Märchenkünstlerin. Langsam, um das Spiel der Marionetten zu untermalen: „Ich lernte, die Kraft in meine Stimme zu legen.“ Später befreite sie sich vom Buch: Als erstes Märchen konnte sie den „Froschkönig“ auswendig.
Schon bald wollte Voigt mehr: Die aufwendigen Produktionen der Märchenbühne dauerte meist ein Jahr, weil alles handgefertigt wurde. Also las sie andere Märchen vor Publikum vor. Sie schulte sich beim Galli-Theater in Freiburg, als sie merkte, dass das, was zur Begleitung des Puppenspiels gefragt war, solo mehr Pep gebrauchen könnte. Mimik und Gestik waren gefragt, und mit verschiedenen Instrumenten untermalte sie ihre Vorträge.
Inzwischen bearbeitet sie die Texte: „Ich ließ die Figuren mit unterschiedlicher Stimme sprechen.“ Nicht übertrieben, aber doch erkennbar – und mit einem Liebling: der bösen Hexe. „Sie macht mir sehr viel Spaß: Vielleicht ist es eine Seite, die man unterdrückt hat.“

Info

Karten und Regeln

„Männermut und Frauenzauber“ heißt es bei der „Märchenzeit für Erwachsene“ mit Sigrid Voigt und Gästen am Freitag, 17. September, 20 Uhr, in der Reithalle Offenburg. 3G-Nachweis erforderlich (geimpft, genesen, getestet). Tickets: im Bürger- oder Kulturbüro Offenburg, unter www.reservix.de und Abendkasse.

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