Tanz im öffentlichen Raum

Die Lahrer "Szene 2wei" beendet "Rapunzel-Projekt"

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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30. August 2020

(Bild 1/2) Tanzszene aus dem „Rapunzel-Projekt“ der Lahrer Szene 2wei, ... ©Jürgen Haberer

Zum Abschluss des vom Land geförderten „Rapunzel-Projekts“ hat „Szene 2wei“ wieder Duftmarken im öffentlichen Raum gesetzt. Im Oktober feiert das neue Stück „No Name*“ Premiere.

Das Publikum versammelt sich im Rund des interkulturellen Gartens auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau und auf den Balkonen einer Seniorenwohngemeinschaft. Zufällig vorbeikommende Passanten bleiben stehen, ein vorbeifahrendes Auto wird immer langsamer und kurzerhand am Bordstein geparkt.

Das vom Land Baden-Württemberg mit rund 26 000 Euro geförderte „Rapunzel Projekt“ der inklusiven Tanzkompanie „Szene 2wei“ ist am Samstag mit zwei kurzen Aufführungen im öffentlichen Raum zu Ende gegangen. Das Moderne Tanztheater hat die ohnehin weitgehend verwaisten Tempel der Kultur bewusst verlassen und dabei wundersam poetische Impulse im Alltag der Menschen gesetzt. Tänzerische Gesten, die verzaubern und verwundern, choreographische Fragmente, mit wenig Aufwand in einem Garten, einer innerstädtischen Grünanlage oder wie bei den vorangegangenen Aufführungen auf einem Platz, in einem Innenhof, einer Lichtung am Waldrand inszeniert. 

Training in Quarantäne

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Die von Timo Gmeiner und William Sánchez H. geleitete Tanzkompanie mit Sitz in Lahr hat bereits 2019 mit kurzen Aufführungen im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam gemacht, einen Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umfasst. Nun hat die Truppe das „Rapunzel Projekt“ aufgelegt, eine durch Workshops vorbereitete, in fünf Module aufgeteilte Reihe von Tanzdarbietungen auf dem Braunberg bei Oppenau und in Lahr: „Auf die Menschen zugehen, eine Duftmarke mitten in ihrem Alltag setzten“, wie Timo Gmeiner unterstreicht, aber auch neue Wege gehen, Brücken zur Wahrnehmung von Tanzkultur bauen, durch innovative Ideen die eigene Existenz in Zeiten von Corona sichern. 

„Szene 2wei“ war wie alle Tanzkompanien vom Lockdown betroffen. Das Ensemble hat aber Wege zur Abfederung der eigenen Situation gefunden. Digitale Workshops für die weit verstreut lebenden Tänzer und Tänzerinnen, Trainingsblöcke mit integrierter Quarantäne in der Wohngemeinschaft des Ensembles, gemeinsame Aufenthalte auf dem Braunberg, wo neben der Probenarbeit auch ein Bauerngarten beim „Braunbergstüble“ angelegt wurde. 

Finanziell abgefedert wurde das Ganze über Projekte wie „Rapunzel“, das über den vom Land bereitgestellten Fördertopf für den „Kultursommer 2020“ unterstützt wurde. 26 000 Euro, die indirekt auch dem Pilotprojekt „Szene Dr3i“ zugute-gekommen sind. 

Drei Monate lang waren die Lahrer Werkstätten geschlossen, das Tanztraining von Ricarda, Jörg, Matthieu und Deborah konnte deshalb sogar ausgeweitet werden. Die vier Ensemblemitglieder mit Handicap sind deutschlandweit die ersten, die abseits des universitären Betriebes in den Genuss einer fünfjährigen Tanzausbildung mit anerkanntem Abschluss kommen. 

Hintergrund

Neues Musical

Das Finale dieses „Rapunzel Projekt“ fällt zusammen mit der heißen Probenphase für die neue Produktion von „Szene 2wei“, ein mit Musicalelementen durchsetztes Tanztheater. „No name* – das Muxical“, eine komplette Eigenproduktion nach einer Choreografie von William Sanchez H., setzt sich tänzerisch mit der Genderthematik auseinander. Es vermischt modernes Tanztheater und Musicalelemente. Premiere ist für 17. und 18. Oktober im Theater „Die Tonne“ in Reutlingen angesetzt. Am 21. und 22. Oktober ist das Stück im „Kesselhaus“ in Lahr zu sehen. 

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