Blick auf die Kulturszene im Elsass

Die Liebe machte Buddy Hill Lust auf Countrymusik

Autor: 
Jürgen Stark
Lesezeit 4 Minuten
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16. Mai 2019
Ein Mann wie ein Felsen. Musiker Buddy Hills ist in den Vogesen zu Hause.

Ein Mann wie ein Felsen. Musiker Buddy Hills ist in den Vogesen zu Hause. ©Jürgen Stark

Straßburg ist eine der beliebtesten Metropolen. Künstler aus aller Welt schätzen die Kombination von rustikalem Charme und buntem Leben im Elsass. Die Mittelbadische Presse berichtet aus der Kulturszene des Nachbarn. Heute: Musiker Buddy Hills, der zwischen Grendelbruch und Fessenbach pendelt. 

Ein Mann wie ein Felsen. Wenn er mit seiner Gitarre im Koffer das Lokal betritt, brechen die Gespräche ab. Der Riese mit dem Cowboyhut wirft einen Schatten bis zum Tresen. Die Franzosen mögen das. »Ich war mal in der Provinz, in einem winzigen Restaurant. Kaum war ich drinnen, schleppten die alle Tische raus, reihten die Stühle wie im Theater auf, setzten sich und starrten mich an«, erzählt Buddy Hills. Wer sich vor ihn hinhockt, um seine Musik zu erleben, der bekommt was geboten. Eine Stimme wie ein Orkan. »Wenn irgendwo Soundcheck ist und ich soll am Mikro mal singen, dann fahren die Mixer ganz schnell sämtliche Pegel runter und halten sich die Ohren, ich brauch’ eigentlich kein Mikro«, erklärt er augenzwinkernd. 

Das fröhliche Gesamtkunstwerk vom Oberrhein wurde am 27. September 1959 als Berthold Friedrich Kracke in Malsch bei Karlsruhe geboren. Zum runden Geburtstag in diesem Jahr ist eine Riesenparty im Elsass geplant. 2006 nahm der Sänger und Gitarrist seinen Künstlernamen Buddy Hills an. Inspiriert wurde er durch den Evergreen »Blueberry Hill« von Fats Domino und den ebenfalls barocken Superhelden Bud Spencer, der in zahllosen Westernkomödien für Furore sorgte. 

Baden, das Elsass und die Pfalz sind seine regionalen Bezugspunkte. 2005 lernte er beim elsässischen Country Music Festival »Belle Vallée« bei Niederbronn/Les Bains seine Frau Pierrette kennen. »Liebe auf den ersten Blick. Sie war lange Zeit Line Dance-Trainerin in Dorlisheim gewesen und in der Szene sehr vernetzt. Mein musikalisches Tun tendiert seither mehr zum Country, verrät Buddy beim Lokaltermin. Das Paar lebt im elsässischen Grendelbruch. »Heute bin ich in den Vogesen  daheim, genieße den weiten Blick über die Ebene bis zur Silhouette des Schwarzwaldes«, sinniert der weder »poor« noch »lonesome« durch die Region reisende musikalische Cowboy.

Pädagogische Grenzgänge

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Buddy ist ein Pendler, sowohl musikalisch als auch beruflich. In der Fessenbacher Jugendhilfeeinrichtung »Haus Fichtenhalde« arbeitet er in der Woche als gelernter Erzieher. »Dort hat Musikerziehung selbstverständlich einen festen Platz. Aber auch Ausflüge und Ferienfreizeiten mit den Kindern und Jugendlichen im französischen Nachbarland sind pädagogische Beiträge für ein grenzübergreifendes Verständnis«, gibt der vielseitige Mann im besten Alter zu Protokoll.

Buddy Hill lebt die deutsch-französische Freundschaft wie kaum ein Zweiter. Er ist ein wahrer Grenzgänger, der sich mehr echtes Europa, »ein Europa der Menschen und nicht der Bürokraten«, wünscht. Countrymusik und Line-Dance seien vor rund zwanzig Jahren im heutigen Grand Est mehr als im badischen Raum verbreitet gewesen. Wobei es laut Hills in seiner Jugend in den 1960er- und 70er-Jahren umgekehrt gewesen sei: »Durch die amerikanischen GI’s im deutschen Südwesten waren Country, Blues, Rockabilly und Rock ’n’ Roll ursprünglich mehr auf der deutschen Seite präsent«. Allerdings sei er seinen Karlsruher Musikfreunden treu geblieben. Mit dem Acoustic Bluesrock-Trio Blues Avenue tritt er seit 1981 in der gesamten Region auf.
Der Wild-West-Tanz Line-Dance wurde für ihn eine weitere Quelle der Inspiration. Er nahm in seiner französischen Wahlheimat an Tanzkursen teil und wurde Mitglied im Club Let’s Dance in Marmoutier. In der Line-Dance-Szene avancierte er zunehmend zum Programmpunkt »Cowboy Concert«. Er absolvierte unzählige Auftritte in Elsass und Lothringen, darüber hinaus in ganz Frankreich. Er stand mit vielen französischen Musikern linksrheinisch und rechtsrheinisch auf der Bühne, so mit Bands wie Buddy Hills & die Elektrischen Cowboys.

 
CD auf Deutsch

2015 wurde ein wichtiges Jahr im Leben des Musikers. Im November brachte er seine erste eigene CD »Viele Kilometer« in seiner Muttersprache heraus, für die sich auch Elsässer interessierten. Beim Sender »Radio Liberté« in Haguenau durfte er live seine eigenen Kompositionen in deutscher Sprache vorstellen – eine echte Seltenheit bei den Franzosen. 
Ebenfalls 2015 suchte die seit Jahrzehnten in der Region sehr beliebte Offenburger Countryformation Southbound einen Sänger und traf mit Buddy Hills eine gute Wahl. Southbound-Auftritte sind geradezu familiär. Unter den Besuchern sind  auch Line-Dance-Vereine aus Baden-Württemberg und Clubs aus dem Elsass – Völkerverbindung vom Feinsten. 
 

Info

Auftritte in der Ortenau

Einen Soloauftritt hat Buddy Hills am 22. Juni im Frei Steinkellerhaus in Gengenbach. Zusammen mit der Band Southbound gastiert er am 
29. Juni beim Waldfest der Trachtenkapelle am Eichberg in Schuttertal und am 6. Juli beim Lichterfest im Lahrer Stadtpark.

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