Kehl

Die Schönheit des sich Hingebens

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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22. September 2021
Konzert mit großer Aussagekraft: das Eliot Quartett in der Kehler Stadthalle. 

Konzert mit großer Aussagekraft: das Eliot Quartett in der Kehler Stadthalle.  ©Oscar Sala

Das Eliot Quartett begeisterte das Kehler Publikum mit einem anspruchsvollen Programm mit Werken von Joseph Haydn, Robert Schumann und Dmitri Schostakowitsch.

„Gegenwart und Vergangenheit sind vielleicht in der Zukunft enthalten und im Gewesenen das Künftige“, schrieb einst der berühmte amerikanisch-britische Dichter T.S. Eliot. Davon ist das gleichnamige Eliot Quartett allemal überzeugt, das am Montagabend mit einem epochenübergreifenden Programm einen musikalischen Höhepunkt in der Kehler Stadthalle bot.
Eigentlich hätte das international besetzte Quartett bereits im vergangenen Jahr in Kehl gastieren sollen, doch aufgrund der verschärften Corona-Regeln musste das Konzert verschoben werden. Doch wenn Corona etwas Gutes hat, so vielleicht dies, dass die Menschen die Kraft der Musik während dieser Zeit der kulturellen Dürre ganz neu zu schätzen gelernt haben. Entsprechend dankbar zeigt sich das Publikum, als Maryana Osipova (Violine), Alexander Sachs (Violine), Dmitry Hahalin (Viola) und Michael Preuss (Cello) die Bühne im kleinen Saal der Stadthalle betreten.
Das Programm des 2014 gegründeten Quartetts erweist sich als genauso anspruchsvoll wie geschickt gewählt. Zwischen zwei klassischen Komponisten wie Joseph Haydn (1732-1809) und Robert Schumann (1810-1856) positionieren sie mit Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) Klänge der Moderne. Mancher Musikliebhaber umschreibt diese Vorgehensweise bei Konzerten augenzwinkernd als die „Sandwich-Methode“, da die avantgardistischen Klänge dadurch besser verdaulich sein sollen. Doch mittlerweile wissen immer mehr Zuhörer diese für das Ohr noch etwas ungewohnte Kompositionen zu schätzen.Und so entpuppt sich Schostakowitsch großartiges „Quartett Nr. 9 in Es-Dur“ auch als der Höhepunkt des Abends. Es präsentiert sich als vielschichtiges Werk, dessen fünf Sätze pausenlos ineinander übergehen.
Klangausbrüche
Mit bewundernswerter Aussagekraft agieren die vier Musiker auf der Bühne ohne die Transparenz der einzelnen Instrumenten zu verlieren. Melancholie und Nachdenkliches, Elegie und Tragik bleiben hier nicht verborgen und werden musikalisch eindrucksvoll gestaltet. Klangausbrüche peitschen sich wechselseitig hoch, pirschen sich vorsichtig heran. Trotz des Feuerwerks an unterschiedlichen Stimmungen verleihen dem Zuhörer klare Strukturen immer wieder genügend Freiraum, um die abrupten Kontraste der fesselnden Wiedergabe auszukosten. Mit spannungsreicher Energie und eruptiver Intensität erreichen die Stimmen das Finale – grandios gespielt. Und hier wird deutlich: Die Schönheit von Schostakowitschs Klängen ist eine andere als die eines Haydns oder Schumanns, es ist eine Schönheit des sich Hingebens. Der Zuhörer muss die Bereitschaft mitbringen mitzuleiden.
Nicht minder spannend erklingt das Quartett in f-Moll, op, Nr. 5 von Joseph Haydn aus dem Jahr 1772 zum Konzertauftakt, ein Werk von großer Kunstfertigkeit und Originalität. Joseph Haydn, den man den „Vater des Streichquartetts“ nennt, begründete seinerzeit eine Tradition, die mit seinem Quartett in f-Moll, op. 20, Nr. 5 vom Eliot Quartett wunderbar aufgegriffen wird. Die vier Sätze kommen leicht und locker plaudernd daher. Virtuos erklingt vor allem die Doppelfuge im Finalsatz. Mit dem erfrischenden Streichquartett Nr. 3 A-Dur op. 41,3 von Robert Schumann, ein Liebeslied an seine Frau Clara zu deren 23. Geburtstag, schließt das Ensemble in strahlendem A-Dur das Konzert ab.
Der technisch brillante Zauber der vier Interpreten entlockt noch einmal langanhaltenden Applaus von den begeisterten Zuhörern. Zwei kurze Stücke aus den Kinderszenen von Robert Schumann als Zugabe runden den kurzweiligen Abend perfekt ab.

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