Venedig

Doku mit Steve Bannon beim Festival in Venedig

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. September 2018
Errol Morris, Regisseur und Oscarpreisträger aus den USA, stellte seine Doku «American Dharma» in Venedig vor.

Errol Morris, Regisseur und Oscarpreisträger aus den USA, stellte seine Doku «American Dharma» in Venedig vor. ©dpa - Kirsty Wigglesworth

Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, war am Mittwoch beim Filmfestival Venedig zu sehen - zumindest auf der Leinwand. Bei den Festspielen wurde die Dokumentation «American Dharma» mit Bannon gezeigt.

Ob der 64-Jährige auch selbst auf den Lido kam, blieb allerdings unklar. Bannon sei weder ein offizieller Gast des Festivals, noch gehöre er zur Delegation des Films, erklärte das Festival. Man habe jedoch «gehört», dass Bannon in Venedig sei. Es gab auch Gerüchte, er sei im letzten Moment in den Premierensaal gegangen; bestätigt wurde das aber nicht.

«American Dharma» ist die neue Dokumentation des Oscarpreisträgers Errol Morris. Der 70-jährige Morris traf sich dafür mit Bannon und befragte ihn zu seinem Werdegang, seinen Ambitionen und seiner Rolle im Wahlkampf von Trump. Das Werk läuft bei den Festspielen außer Konkurrenz.
«Es ist wichtig, dass wir ein besseres Verständnis dafür bekommen, was passiert», erklärte Morris auf einer Pressekonferenz, zu der er alleine erschienen war. Man müsse verstehen, was bei den US-Wahlen 2016 passiert sei und was derzeit in den USA vor sich gehe, «damit es nicht wieder passiert». Er habe mit sich gehadert, ob er Bannon eine größere Plattform geben wolle. «Aber ich will auch nicht stumm bleiben.(...) Stumm zu bleiben ist nicht gut, es ist schlecht.» Bannon «versucht nun, seine Ideen nach Europa zu exportieren, was ich extrem beängstigend finde.»

- Anzeige -

Der Film «American Dharma» ermöglicht einen genaueren Einblick in Bannons Gedankenwelt. «Es kann keine Kissenschlacht sein, du brauchst Killer», sagt er etwa im Gespräch mit Morris, als es um seine zentrale Idee, den Populismus, geht. Als Morris ihn mit Satan vergleicht, scheint Bannon das nicht als Affront zu sehen: «Es ist besser, in der Hölle zu regieren, als im Himmel zu dienen».

Morris, der 2004 für «The Fog of War» über den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara einen Oscar für die beste Dokumentation gewann, mischt in «American Dharma» Interviewsequenzen mit Fotos, Nachrichtenschlagzeilen und Filmausschnitten - Bannon ist großer Filmfan. Manchmal hakt Morris dabei nicht konsequent genug nach. Will Bannon wirklich die Mittelschicht stärken, ohne eigene, finanzielle Hintergedanken? Darauf schweigt Bannon.

Dennoch bekommen Zuschauer im Laufe von 95 Minuten einen Eindruck davon, wie strategisch und zielgerichtet Bannon denkt. Aufgeben gibt es für ihn nicht. «Vereinfache alles» sei der Rat an Trump gewesen. Bei seinen Erzählungen über die Webseite Breitbart News Network wird außerdem deutlich, wie früh er die Bedeutung digitaler Medien für die Verbreitung seiner Ideen entdeckte. «Es wird eine Revolution geben, ganz sicher», prophezeit Bannon - und das ist die Schluss-Sequenz des Films.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Regine Schulz, Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums, zeigt das künstlerische Werk eines Reiters im Indischen Stil (Afghanistan, vor 1854, Mica, bemalt).
Hildesheim
vor 4 Stunden
Mit der Zerstörung des Kulturgutes von Afghanistan beschäftigt sich das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.
Gewänder muslimischer Designer aus Südostasien.
San Francisco
vor 6 Stunden
Das überdimensionale Foto eines Models mit einem kunstvoll drapierten Kopftuch leuchtet von der eleganten Fassade des de-Young-Kunstmuseums in San Francisco. Daneben die Fakten: 1,8 Milliarden Muslime, 53 Designer, 1 globale Ausstellung.
Mauerteile für das Berliner DAU-Projekt.
Berlin
vor 9 Stunden
Das umstrittene Kunstprojekt «DAU Freiheit» mit dem Nachbau einer Mauer in Berlin muss abgesagt werden. Die Veranstalter bekommen nach dpa-Informationen keine Genehmigung, weil den Behörden die Zeit für die notwendigen Sicherheitsprüfungen zu kurz ist.
Die Musikgruppe Trio mit Stephan Remmler (von links), Peter Behrens und Kralle Krawinkel, aufgenommen im Jahr 1983.
Rückblick auf 1978
vor 16 Stunden
Vor vier Jahrzehnten brachen junge Wilde in die bislang größte Leichtigkeit des Seins der deutschen Musikgeschichte auf. Die Neue Deutsche Welle (NDW) dauerte aber nur wenige Sommer – ein Rückblick.
Ernie (l) und Bert.
New York
20.09.2018
Sie teilen sich ein Schlafzimmer. Sie baden gemeinsam. Sie lachen auf dem Cover eines Musikalbums namens «Love». Wer das Zusammenleben von Ernie und Bert aus der «Sesamstraße» näher verfolgte, stand früher oder später vor der Frage: Sind die Puppen aus der TV-Kindersendung schwul?
Spielen für Kinder und Erwachsene: Das Ensemble des Theaters Baal novo.
Neue Spielzeit 2018/19
20.09.2018
Mit drei neuen Stücken und einem Kinder- und Jugendfestival will das deutsch-französische Theater Baal novo in der Saison 2018/19 das Publikum in die Säle locken.   
Dietrich Mack.
Kulturkolumne
20.09.2018
Als ich Ende August die Berichte aus Chemnitz las und die Bilder sah, die um die Welt gingen, war ich entsetzt über den Totschlag eines Menschen und die Instrumentalisierung dieses Verbrechens. Eine Woche später kamen 65 000 Menschen zu dem Konzert „#wirsindmehr“.
Typisch Monet: «Seerosen» aus dem Jahr 1908.
Wien
19.09.2018
Am Anfang sind die Bilder noch voller kleiner Details, Perspektiven, klaren Linien. Doch je älter Claude Monet wurde, desto mehr verschwanden die Grenzen und Konturen.
Papst Franziskus redet mit jungen Leuten über Sexualität und Liebe.
Rom
19.09.2018
Papst Franziskus hält Sex für eine himmlische Gabe. «Die Sexualität, der Sex, ist ein Geschenk Gottes. Kein Tabu», sagte der 81 Jahre alte Pontifex bei einer Audienz mit französischen Jugendlichen, wie der Vatikan am Dienstag mitteilte.
Der Blick auf die Londoner Royal Opera Covent Garden.
London
19.09.2018
Die roten Samtbänke im Foyer der Royal Opera, auf denen die Besucher in der Pause Sandwich oder Eis verzehren, waren zwar gemütlich - man konnte dort gelegentlich auf prominente Fans treffen, wie zum Beispiel den Pianisten Alfred Brendel, und ihn spontan nach seiner Meinung befragen.
«Schädel» (1983), Öl auf Leinwand 80 x 65cm, von Gerhard Richter.
London
19.09.2018
Deutsche Nachkriegskunst dominiert die Oktober-Auktionen beim Londoner Auktionshaus Christie's.
Für den früheren Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg wäre eine Rennfahrerkarriere seiner Kinder «der größte Alptraum».
München
19.09.2018
Für den früheren Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg (33) wäre eine Rennfahrerkarriere seiner Kinder «der größte Alptraum». «Das würde ich nicht erlauben», sagte er der Zeitschrift «Bunte».