Berlin

Drei Klassiker von Stanley Kubrick neu aufgelegt

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dpa
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14. November 2019
Den Bänden von «Das Making-of eines Meisterwerks» ist immer auch ein Original-Filmplakat beigegeben.

Den Bänden von «Das Making-of eines Meisterwerks» ist immer auch ein Original-Filmplakat beigegeben. ©dpa - Stanley Kubrick/Taschen/dpa

Ein radikaler Pessimist und ein großer Visionär mit einer unglaublichen Einbildungskraft: Stanley Kubrick (1928-1999) war sicher einer der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts.

Seine außergewöhnlichen Filme haben ästhetische, philosophische, musikalische und filmische Standards gesetzt - und von ihrer Aktualität haben sie kaum etwas verloren haben. Sein Werk strahlt bis ins Jetzt.
In der Reihe «Das Making-of eines Meisterwerks» des Taschen Verlags sind jetzt mit «2001: Odyssee im Weltraum»(1968), «Uhrwerk Orange» (1971) und «Barry Lyndon» (1975) drei Klassiker des obsessiven Cineasten und exzentrischen Ausnahmekünstlers in einer Buch/DVD-Ausgabe neu aufgelegt worden. Die Filme wurden remastert und auf knapp 100 Seiten führen Essays und Interviews, die mit reichlich Filmstills und Set-Aufnahmen aufbereitet wurden, prägnant in den Kosmos des jeweiligen Werkes ein. Ein großes Schauerlebnis, das durch die beigelegten Original-Filmplakate noch erhöht wird.

Über die immer auch kontrovers diskutierten Filme Kubricks wurden Legionen von Büchern, Aufsätzen und Abhandlungen verfasst - da ist es überaus wohltuend, die Essenz aus dieser kaum beherrschbaren Flut in einer auch optisch äußerst ansprechenden Form griffig herausdestilliert präsentiert zu bekommen. Das Format der Neuerscheinungen ist an eine Schallplatte angelegt - Kubrick goes Pop.

Die conditio humana ist eine der zentralen Fragen im äußerst vielschichtigen Werk von Stanley Kubrick: Was ist der Mensch? In seinem wohl umstrittensten Film «Uhrwerk Orange» («A Clockwork Orange») gibt der britische Regisseur eine vernichtende Antwort: Der Mensch ist eine bösartige, gewalttätige Bestie.

Nahe Zukunft

In einer nahen Zukunft: Mit seinen «Droogs» hat der dämonische Alex (Malcom McDowell) «Bock auf Ultra-Brutales». Da werden Obdachlose zusammengeschlagen, Frauen vergewaltigt und sogar getötet. Eine Glorifizierung der Gewalt, die Kubrick hemmungslos und extrem artifiziell in einem Pop-Art-Ambiente zeigt, wurde dem Regisseur am häufigsten zum Vorwurf gemacht.

Dazu sagt Kubrick: «Jeder ist doch von Gewalt fasziniert. Schließlich ist der Mensch der unbarmherzigste Killer, der die Erde je heimgesucht hat.» Da hilft Kultur übrigens auch nicht weiter, denn Alex putscht sich zu den Klängen von Beethovens Neunter zu seinen Gewaltexzessen auf. Welch ein Abgesang...

Als Kubrick aber auch noch unter Faschismusverdacht geriet, platzte ihm der Kragen. In einem offenen Brief, der 1972 in der «New York Times» veröffentlicht wurde, wehrte er sich vehement gegen einen Filmkritiker: «Fred M. Hechinger hat das Recht, die menschliche Natur optimistisch zu sehen, aber das gibt ihm noch lange nicht das Recht, diejenige, die seine Meinung nicht teilen, mit dem Vorwurf des Faschismus zu verunglimpfen», schrieb Kubrick.

In dem gewalttätigen Kosmos von «Uhrwerk Orange» geht es letztlich um den freien Willen - sich entscheiden zu können zwischen Gut und Böse. Als Alex von seinen «Droogs» verraten und schließlich verhaftet wird, muss er sich der «Ludovico»-Therapie unterziehen. Er wird gezwungen, sich gewalttätige Filme anzusehen, um von seiner eigenen Gewaltbereitschaft befreit zu werden. Aus Alex wird schließlich eine Orange - organisch zwar, die aber nur noch wie ein Uhrwerk funktioniert.

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Bitter gestaltet

Ähnlich bitter gestaltet sich zunächst der Sciene-Fiction-Klassiker «2001: Odyssee im Weltraum», der visuell ganz neue Maßstäbe gesetzt hat und in weiten Teilen auf Sprache verzichtet, die eigentlich wesentlich zum Wesen des Menschen gehört.
Nachdem zu den erhabenen Klängen von Richard Strauss' «Also sprach Zarathustra» die Sonne aufgegangen ist, rückt eine Affenherde ins Bild, deren Anführer zum Mörder wird: Mit einem Knochen erschlägt er - nach einem Moment der «Erkenntnis» - einen Gegner. Die biblischen Anklänge zu Kain und Abel sind kaum zu übersehen. Die Menschwerdung beginnt.

Dann folgt der legendäre Schnitt von dem in die Luft gewirbelten Knochen zu dem im All schwebenden Raumschiff. Eindrucksvoller kann man Zeit und Raum nicht überbrücken. Die «Discovery» ist auf dem Weg zum Jupiter, nur der Computer HAL kennt den wahren Grund der Mission. Das Perfide: Während die Menschen zu schlichten Technokraten herabgesunken sind, die den Anforderungen des Raumfluges eigentlich nicht mehr gewachsen sind, ist HAL der Einzige, der menschliche Gefühle zeigt. Ist in der Zukunft die Maschine der bessere Mensch? Allerdings endet «2001» durch das «Sternenkind» versöhnlich mit Hoffnung und Optimismus.

Die verschiedenen Interpretationen des Films wurden in einem glänzenden Essay von Margaret Stackhouse aufbereitet. Neben allen philosophischen Fragen, die der Film aufwirft, ist «2001: Odyssee im Weltraum» vor allem auch ein unglaublicher visueller Trip, der allein tricktechnisch nichts von seiner Klasse verloren hat. Für die Special Effects, die alle handmade sind, gab es zurecht einen Oscar.

Wie aus der Ordnung Chaos entsteht - das ist ein Band, das die Science-Fiction-Trilogie «Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben», «2001» und «Uhrwerk Orange» zusammenhält. Wie aber passt da jetzt der Historienfilm «Barry Lyndon» hinein, der bei seinem Erscheinen nicht die ganz große Aufmerksamkeit bekommen hat, die er eigentlich verdiente.

In all seinen Filmen ginge es ihm darum, «etwas Relevantes über das menschliche Leben» zum Ausdruck zu bringen, meint der US-Regisseur. In «Barry Lyndon» (DVD in OF), die Geschichte eines nicht immer sympathischen Emporkömmlings, der im 18. Jahrhundert auf eine abenteuerliche Reise geht, komme die «Torheit der meisten menschlichen Bestrebungen zum Ausdruck», wird der Kritiker Todd McCarthy zitiert.

Mag der Film auch an manchen Stellen etwas langatmig sein, die Bilder, die der anfängliche Fotograf Kubrick hier komponierte, sind von einer außergewöhnlichen Schönheit. Alle Szenen bei Kerzenschein wurden ohne Kunstlicht gedreht - und geben dem Film ein ganz außergewöhnliches Leuchten.

Und wie war Stanley Kubrick so als Regisseur? Ryan O'Neal, der Barry Lyndon verkörperte, schrieb damals in sein Tagebuch: «Gott, er nimmt einen hart ran. Er bewegt dich, schubst dich, hilft dir, wird böse mit dir, aber vor allem lehrt er dich, was ein guter Regisseur ist.»
- Stanley Kubricks Uhrwerk Orange. Buch & DVD, Alison Castle, Buch und DVD, 96 Seiten, 30,7 x 30,7 cm, mit Filmposter, 52 x 78 cm, 30, ISBN 978-3-8365-7957-5 (Englisch)
- Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Buch & DVD, Alison Castle , 96 Seiten, 30,7 x 30,7 cm, mit Filmposter, 52 x 78 cm, 30, ISBN 978-3-8365-7953-7
- Stanley Kubricks Barry Lyndon. Buch & DVD, Alison Castle, Buch und DVD, 96 Seiten, 30,7 x 30,7 cm, mit Filmposter, 52 x 78 cm 30, ISBN 978-3-8365-7962-9

 

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