Buchvorstellung

Ein Blick auf die Kindheit in der Nazizeit

Autor: 
Ralf Recklies
Lesezeit 3 Minuten
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14. Januar 2020
Die ersten Kindheitsgeschichten hatte Sigrid Baumann Senn zur Hochzeit ihres Zwillingsbruders aufgeschrieben und diese mit eigenen Zeichnungen versehen.

Die ersten Kindheitsgeschichten hatte Sigrid Baumann Senn zur Hochzeit ihres Zwillingsbruders aufgeschrieben und diese mit eigenen Zeichnungen versehen. ©Foto: Ralf Recklies

Die 1932 in Schwerte geborene Sigrid Baumann Senn hat in einem Buch ihre Kindheitserinnerungen aus der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg festgehalten. Die Bilder aus ihrem Kopf, die sie in Worte übersetzt hat, seien nicht verklärt, sondern die damals aus der Perspektive eines Kindes abgespeicherten.

Sillenbuch - Ich weiß gar nicht, wie und wann ich das alles noch hinbekommen soll“, sagt Sigrid Baumann Senn. Nachdem Ende vergangenen Jahres ihr Buch „Die Rührschüssel meiner Mutter – Wahre Geschichte einer Kindheit in Westfalen 1932 – 1950“ erschienen ist, macht sich die 87-Jährige bereits Gedanken darüber, weitere Publikationen, mit denen sie einen Teil ihrer künstlerisch-kreativen Arbeit für die Nachwelt bewahren möchte, umzusetzen.

Buch war ihr ein Herzensanliegen

„Es war mir ein Herzensanliegen, dieses Buch zu machen“, sagt Baumann Senn. Mit diesem will sie den Lesern auf fast 300 Seiten aber „keinen verklärten Rückblick auf die Zeit kurz vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg“ geben. Vielmehr habe sie die in ihrem Kopf bewahrten „ganz wahren Bilder, wie sie sich mir einst eingeprägt haben“ abgerufen, um so ein „ein Zeitzeugnis für die Kindheit in der Nazizeit“ zu schaffen. „Und zwar aus der Perspektive eines Kindes“, erklärt Baumann Senn mit Nachdruck. Dabei lässt sie die Leser an vielen persönlichen Erlebnissen teilhaben, die sie – teils mit ihrem Zwillingsbruder Gerhard – auf dem Weg von der Geburt zum Erwachsensein er- und durchlebt hat. Mit Erinnerungen an das Zuhause, die Schulzeit und Kinderspiele, sowie die Reichskristallnacht oder den Lebensmittelmangel im Krieg.

Die 1932 in der Ruhrstadt Schwerte geborene Sigrid Baumann Senn, die mit dem 1990 verstorbenen Bildhauer Herbert Baumann verheiratet war, hatte 1962 zur Hochzeit ihres Zwillingsbruders erste Geschichten aus der Kindheit verfasst und diesem in Form eines kleinen Buches geschenkt – ergänzt von eigenen Zeichnungen. Von denen finden sich auch einige im Rührschüssel-Buch, neben Familienfotos.

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Erst 1998, als ihr Sohn Christoph auf Fuerteventura Sand durch seine Finger rieseln ließ und Baumann Senn es ihm gleichtat, wurde sie vieler Bilder aus ihrer Kindheit wieder gewahr, die bis dahin in ihr geschlummert hatten. „Viele davon habe ich aufgeschrieben“, sagt die als Künstlerin und Märchenerzählerin bekannte Wahlstuttgarterin.

Einen Bezug zu Stuttgart hatte sie übrigens schon früh. Eine Großtante war mit dem an der Oper tätigen Sänger Ludwig Feuerlein verheiratet. Bei deren Tochter Lilly wohnte Baumann Senn, als sie zum Kunststudium nach Stuttgart kam – und dort auch ihre neue Heimat fand.

Früher Bezug zu Stuttgart

Erst zwei Lesungen hat Baumann Senn bisher gemacht, die zweite (Klein-)Auflage des Buches ist aber bereits nahezu vergriffen. Dass sie das Buch mit einiger Hilfe weitgehend selbst gemacht hat, bedauert sie trotz der vielen Mühen nicht: „Es ist ein echtes Abenteuer gewesen“, so die 87-Jährige – und wohl auch nicht ihr letztes.

Info Das Buch „Die Rührschüssel meiner Mutter von Sigrid Baumann Senn“ (ISBN: 978-3-942743-92-1) ist auch erhältlich über die Autorin unter Telefon 07 11  / 47 10 43.

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