Kehl

Ein Grieche auf dem Olymp

Gerd Birsner
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2023
Als er nicht mehr Lehrer sein wollte, hat sich Nektarios ­Vlachopoulos vom Kleinkünstler und Poetryslamer zum Kabarettisten hochgearbeitet. 

Als er nicht mehr Lehrer sein wollte, hat sich Nektarios ­Vlachopoulos vom Kleinkünstler und Poetryslamer zum Kabarettisten hochgearbeitet.  ©Gerd Birsner

Kabarettist Nektarios Vlachopoulos hat dem Publikum der Kehler Wortreich-Reihe selbstironisch den Spiegel vorgehalten.

Nektarios Vlachopoulos verspricht gleich zu Beginn singend, eines Tages ein Schloss zu bauen – aus Klopapier und Nudeln. Noch besser als im Schloss bauen und im Singen ist er aber im Zuschauer fesseln. Mit einer Überdosis an Pfiffigem, Stacheligem, Gescheitem hält er ihnen in der Wortreich-Veranstaltung im Kehler Kulturhaus den Spiegel vor.

Der als „wahrscheinlich beste Mensch der Welt“ angekündigte Kabarettist war mit seinem Programm „Das Problem sind die Leute“ zu Gast – sich selbst nicht ausgeschlossen. Gottfroh ist der Nektarios, dass „wir nicht ausverkauft sind“, schließlich sei er kein Kommerzkünstler. Und so möchte er das Publikum auf 70 limitieren – aber die besten, attraktivsten und intelligentesten Menschen, die Kehl zu bieten hat.

Der in Bretten geborene Grieche hat Konsequenzen aus seiner intensiv-griechischen Erziehung gezogen, indem er Germanistik studiert hat. Fürs Lehramt. Des schnöden Beamtentums schnell überdrüssig geworden, ist er dann „raus in die Welt gezogen, um mit Poetry-Slam die ganz fette Kohle zu machen“. Das war nix. Danach wechselte er ins Kleinkunst-Fach. Da durfte er die kleinen Bühnen bespielen. Für sehr kleines Geld. „Ich habe mich in meinen literarischen Ansprüchen immer weiter runtergearbeitet“, kokettiert er, denn sein neues Programm ist nichts für Halb-Intellektuelle. 

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„Wenn ihr brav seid, rappe ich noch was“ – Barbaras Rhabarberkuchen-Bar muss dafür herhalten. Er hat erkannt, mittels musikalischer Übergänge sein Publikum bei Laune halten zu können. Dies sei aber gemapflichtig. Also müssen die Zuschauer herhalten, um gemafreie musikalische Übergänge zu erschaffen. Der große „Freund von Qualitätsmanagement“ ist zufrieden. Und er besteigt mit Selbstironie und mehreren Flaschen Rotwein den literarisch-kabarettistischen Olymp. „Tucholsky wäre stolz!“

„Der Weg ist das Ziel? – Das ist Humbug“, sagt Nektarios Vlachopoulos, genau wie die Pärchenabende – für den Griechen ein Wettbewerb, wer die bessere Beziehung führt. Inzwischen ist er aber glücklicher Single, der mit neuen Hygienekonzepten experimentiert: „Wie sehr kann ich meinen Haushalt schleifen lassen, ohne dass sich meine Umwelt von mir abwendet?“ Seine Kindheit war prima, aber er weiß nicht, wo seine Jugend hin ist: „Kindheit, Kindheit, Kindheit – und dann hab ich einmal Alkohol probiert – und zack, war ich 37. Bibamus!“

Und er gibt dem Publikum noch eine Weisheit mit auf den Weg: „Was ist dieses eitle Leben denn schon wert, wenn wir es nicht mit Lust zu leben wissen?“

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