Premiere im Theater Baden Alsace in Neuried

„Emmas Glück“: Tiefgründig und mit viel Galgenhumor

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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13. Dezember 2019
Frisch getraut: Emma (Stéphanie Felix) und ihr Max (Benjamin Wendel).

Frisch getraut: Emma (Stéphanie Felix) und ihr Max (Benjamin Wendel). ©Ellen Matzat

Mit der Tragikomödie „Emmas Glück“ nach dem Roman von Claudia Schreiber feierte das Theater Eurodistrict Baden Alsace am Freitag eine gelungene Premiere vor fast ausverkauftem Haus. Es war bereits die dritte Uraufführung im Europäischen Forum am Rhein seit der Eröffnung am 28. September. 

„Emmas Glück“ ist der erste Teil der neuen Reihe „Bauern leben, Bauern sterben“ beim Theater Baden Alsace. „Wir suchen uns gerne aktuelle Themen, die zu uns in den ländlichen Raum passen“, erklärte Edzard Schoppmann, der das Drehbuch schrieb. Top aktuell­ und viel diskutiert seien sowohl die Nutztierhaltung als auch die Sterbehilfe. Um das Grenzüberschreitende einzubinden, wurde die Handlung des Stücks von Claudia Schreiber aus dem Hessischen ins Elsass verlegt. 

 Schweinezüchterin Emma (Stéphanie Felix) lebt ganz alleine mit ihren Tieren auf einem abgelegenen und hoch verschuldeten Hof. Die Räume ihres unordentlichen Hauses befinden sich auf einer Drehbühne, sodass das Stück ohne Umbau auskam. Aus einem Waschzuber oder Futtertrog und einem Eimer wurde fast unmerklich ihr Lieblingsschwein Helene, mit dem Emma ihren liebe- und würdevollen Umgang mit Tieren demonstrierte. 
Sie sehnt sich allerdings auch nach einem Mann und betet daher täglich „Liewer Gott, màch mi gleckli oder rich“. Als ihr der liebe Gott eines Nachts durch einen Unfall Mann und Geld frei Haus liefert, scheint Emmas Glück auf einen Schlag perfekt. Sie lässt sich einiges einfallen, um Max (Benjamin Wendel) auf dem Hof zu halten. Doch Max ist todkrank und das Geld entpuppt sich als gestohlen, ebenso wie der Unfallwagen, den Emma vorsorglich anzündet. 

Emma versteckt Max vor ihrem Jugendfreund, dem Dorfpolizisten Henner (Matthieu Singuerlet) und dessen Mutter (Guido Schumacher), aber auch vor dessen Freund Karl (Luc Fontaine). Zu allem Überfluss taucht auch noch Hans (Edzard Schoppmann) auf, der Mann, den Max bestohlen hat. Emma sperrt ihn kurzerhand in einen Stall. Während sich zwischen Max und Emma Liebe entwickelt, kommt Hans, ein tüchtiger Geschäftsmann, ebenfalls mit ihr ins Gespräch und entdeckt ihr Potential. 

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“Happy Park-Projekt“

Während für Emma der Umgang mit ihren Tieren sowie ihre Art des schmerzfreien und würdevollen Schlachtens das Normalste der Welt sind, sieht Hans darin eine Marktlücke, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Denn Verbraucher wollen Fleisch von glücklichen Tieren, um es ohne schlechtes Gewissen verzehren zu können. Kurze Zeit nach der Hochzeit mit Emma geht es Max so schlecht, dass Emma ihn auf dieselbe Weise erlöst, wie sie ihre Schweine schlachtet. Die Reise nach Mexiko, die zu dritt geplant war, tritt Emma nun mit Hans alleine an und gründet dort ihr „Happy Pork – Projekt“. 

Regie bei dem Stück führt Diana Zöller. Die Dorfbevölkerung, die als dunkle dämonische Masse Emmas Isolation zusätzlich verstärkt, stellt die Dundenheimer Laienspielgruppe dar. Deren Gerede wird in Filmseqzenzen eingeblendet. Die auf das Stück abgestimmte Musik spielen Matthieu­ Singuerlet und Luc Fontaine live. Die gesungenen Lieder untermalen die verschiedenen Stimmungen. Trotz der tiefgründigen und manchmal traurigen Handlung ist „Emma Glücks“ ein heiteres Stück, das Lebensfreude versprüht und dazu über jede Menge Galgenhumor verfügt.
 

Info

Weitere Vorstellungen

Weitere Aufführungen von „Emmas Glück“ sind am Freitag, 13. Dezember und Samstag, 14. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Theater Baden Alsace im Europäischen Forum bei der Pont Pierre Pflimlin (Yachthafen 1). Karten: https://baal-novo.reservix.de/

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