World-Hip-Hop mit Zweierpasch

Felix und Till Neumann sind die friedlichen Rapper am Rhein

Autor: 
Jürgen Stark
Lesezeit 4 Minuten
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18. Mai 2018
Kreative Grenzgänger: Till (links) und Felix Neumann.

Kreative Grenzgänger: Till (links) und Felix Neumann. ©Timmy Hargesheimer

Straßburg ist eine der beliebtesten Metropolen. Künstler aus aller Welt schätzen die Kombination von rustikalem Charme und buntem Leben. Die Mittelbadische Presse berichtet aus der Kulturszene des Nachbarn. Heute: Die Brüder Felix und Till Neumann und ihre Hip-Hop-Band Zweierpasch.

Als Duo kamen sie bereits auf die Welt, damals in Heilbronn. Die Zwillinge Till und Felix Neumann (34) blieben zusammen, um als moderne Geschichtenerzähler den Lauf der Welt zu begleiten. Als Hip-Hop-Duo Zweierpasch sind sie poetisch, politisch und polyphon. Ihre flotten, frechen und fröhlichen Texte sind deutsch und französisch. Ihr Sound mischt Urbanes mit Jazz, Funk und Weltmusik. 

Schon als Jugendliche hörten die Brüder Ende der 1990er-Jahre deutschen, amerikanischen und französischen Hip-Hop. Nach dem Abitur und dem anschließenden Zivildienst brach sich das Interesse an der kreativen Grenzgängerei Bahn. Beide gingen für sieben Monate nach Lons-le-Saunier, wo sie ihr erstes Konzert in Frankreich gaben. 

Trotz der Lust auf Musik beendeten beide ihr Studium in Freiburg: Till in Romanistik und Journalismus, Felix in Politik und Sozialer Arbeit. Auch dabei überschritten sie den Rhein, wo es nur ging: Auslandskurse und Semester in Straßburg, Colmar und Mulhouse gehörten dazu. 
Till erinnert sich: »Wir sind in einer deutschen Familie aufgewachsen, waren als Kinder regelmäßg im Frankreich-Urlaub, vor allem an der Ardèche und auf Korsika. Die Sprache hat uns gefallen und wir hatten das Glück, eine tolle Französisch-Lehrerin zu haben. Zudem haben wir schon als Jugendliche französischen HipHop gehört und gefeiert. IAM, NTM, Saian Supa Cru, MC Solaar… Wir haben dann im Wörterbuch nachgeschlagen, um die Texte zu verstehen.« 

Felix ergänzt: »Unser Vater ist Musiker. Hat in vielen Bands gespielt. Das hat uns geprägt. Über die Liebe zum HipHop sind wir selbst kreativ geworden. Vom Fan zum Akteur. Das hat sich Stück für Stück professionalisiert. Dass es mal unser Beruf wird, hätten wir früher selbst nicht geglaubt, denn wir sind totale Autodidakten. Bei unserem Pensum kann man sagen: Ein Stück Wahnsinn ist immer dabei. Double Vie.« An Frankreich gefällt den Brüdern die Musik, die Sprache, das Land, an Deutschland die Unaufgeregtheit, das alternative und friedliebende Denken, die Bodenständigkeit. 

Unterschiede gravierend

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Das Beste aus diesen zwei Welten möchten die Zwillinge mit ihrer vierköpfigen Paschband unter die Leute bringen, musikalische Botschafter ohne Diplomatenpass. Die Unterschiede in den Szenen seien teils gravierend, wobei die Deutschen sich von den Franzosen inspirieren lassen könnten. Till meint: »Frankreich hat wahnsinnig gute Musiker. Eine sehr kreative und innovative Szene. Wir finden, Musik hat in Frankreich einen viel größeren Stellenwert als bei uns. Das merkt man auch bei Konzerten.«

 Kommen diese Botschaften an? Gibt es eine deutsch-französische Freundschaft über politische Karlspreise und einzelne Projekte hinaus? Till ist davon fest überzeugt: »Klar gibt es die! Wir treffen viele Leute, die Freundschaften leben und pflegen. Da geht es nicht um Politik, sondern um persönliche Begeisterung. Eine Vorliebe für Sprache, Kultur und Besonderheiten des Nachbarn.« Bruder Felix ergänzt: »Wir waren vor Jahrzehnten noch verbitterte Feinde, unsere Großväter waren gegeneinander im Krieg. Seitdem ist viel gemacht worden, heute engagieren sich viele dafür. Klar, es gibt auch Vorbehalte, selbst hier im Grenzgebiet. Aber die deutsch-französische Freundschaft lebt und wird auch von uns mit unseren bescheidenen Möglichkeiten gepflegt.«

Bescheiden war bei den immer erfolgreicheren Zweierpaschlern gestern, denn inzwischen sind die famosen Zwillinge Woche für Woche in Deutschland und Frankreich unterwegs, mit Konzerten, Workshops und Förderprojekten. Die Grenzgänger Till und Felix tanzen auch international, mit Tourneen durch Westafrika, Kasachstan oder die Ukraine, weshalb das selbst verliehene Attribut »World-Hip-Hop« wirklich keine Übertreibung ist. 

Diese Kreativität mit einem in der Musikszene eher seltenen Engagement beeindruckte auch Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, der die Zwillinge für ein Konzert ins Schloss Bellevue einlud. Auch mit Udo Lindenberg standen sie auf der Bühne. Und soeben wurden sie auch noch zu »Freiburgs Band des Jahres« gewählt. Im Frühjahr tourten sie mit ihrem neuen Album »Double Vie« durch ganz Frankreich. Yoko Ono, die Witwe von Ex-Beatle John Lennon, hat einmal gesagt: »Wenn John heute noch leben würde, dann würde er ganz sicher rappen und Hip-Hop machen.« Lennons friedliches Erbe lebt. Am Oberrhein. Bei Zweierpasch. 

Viertes Album in Arbeit

Die Rapper vom Rhein arbeiten neben ihrer künstlerischen Tätigkeit in Teilzeitjobs: Till in Freiburg als Redakteur, Felix in Kehl in der grenzüberschreitenden Bildungsarbeit mit Geflüchteten. Doch die Musik steht weiterhin an erster Stelle: Aktuell arbeiten sie am vierten Album, denn sie haben der Welt noch viel zu sagen.

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