20.15 Uhr im Ersten

»Aenne Burda«: Film über Offenburger Verlegerin heute im TV

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. Dezember 2018
Video starten
Verknüpfte Artikel ansehen

Glücklich zeigt Aenne (Katharina Wackernagel) ihrer Belegschaft das erste fertig gedruckte Heft ihrer Modezeitschrift. ©SWR/Hardy Brackmann

Personen der Zeitgeschichte sind stets interessant für Verfilmungen. Jetzt geht es um das Leben und Schaffen der Verlegerin Aenne Burda. Sie hat mit »Burda Moden« in Offenburg ein Verlagsimperium aufgebaut. Der erste Teil des Films läuft am heutigen Mittwoch in der ARD.

Starke Frauen hat es immer gegeben, und das ist kein Klischee. Aber noch heute müssen sich Frauen im Berufsleben in einer dominierenden Männerwelt behaupten. Wie das in den 50er und 60er Jahren gewesen ist, schildert nun ein Zweiteiler über eine ganz besondere Frau: »Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau«, an diesem und am darauffolgenden Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Im Anschluss an Teil 2 wird die Dokumentation »Aenne Burda – Die Königin der Kleider« (21.45 Uhr) gezeigt. Premiere hatte der Film bereits am 20. November in Offenburg. In der ARD-Mediathek ist der erste Teil schon jetzt abrufbar.

Offenburg im Jahr 1949

Der Film setzt im Jahr 1949 ein: Aenne Burda (Katharina Wackernagel) heißt da noch Anna, lebt in Offenburg, hat drei Söhne und ist die Gattin des Verlegers Franz Burda (Fritz Karl). Sein Verlag wird schnell größer, das traute Heim ebenso, doch das wohlsituierte Leben einer »Frau an seiner Seite« genügt Anna schon bald nicht mehr. Sie möchte eine eigene Modezeitschrift gründen, um damit die Frauen aus ihrem grauen Nachkriegs-Einheitslook herauszuholen.

Eine arbeitende Frau passt nicht in das Weltbild des Verlegers, der seine Gattin schon längere Zeit mit seiner Ex-Sekretärin im Nachbarort Lahr betrügt und mit ihr eine kleine Tochter hat. Nicht nur das: Er finanziert ihr bereits eine eigene Zeitschrift. Die fassungslose Anna setzt ihrem Mann die Pistole auf die Brust: Entweder er willigt in die Scheidung ein, oder er überschreibt ihr die Zeitschrift. Sie bekommt sie, nennt sich nun Aenne und macht das Blatt namens »Burda Moden« – mit den von ihr erfundenen Schnittbogenmustern zum Rädeln –, zu einem riesigen Erfolg.

Bürgerliche Ehe zweier Alphatiere

- Anzeige -

Aenne Burda (1909-2005) ist hier als eine erfolgreiche Geschäftsfrau zu sehen, die sich ganz sicher für die Emanzipation der Frau einsetzte, ohne überhaupt davon gewusst zu haben. Sehr selbstbewusst trat sie auch gegenüber ihrem ebenfalls streitbaren Mann Franz (1903-1986) auf, der hier als selbstgefälliger Hallodri samt Zweitfamilie geschildert wird. Die beiden führen offensichtlich eine nach außen hin bürgerliche Ehe zweier Alphatiere. Deutlich wird eine Doppelmoral in vielerlei Hinsicht: Frauen dürfen gar nichts, außer den Haushalt führen, und fremdgehen schon mal gar nicht. Auch das macht die Film-Aenne, in Sizilien, und ansonsten fährt sie flott in einem Käfer-Cabriolet des Karosserieveredlers Hebmüller herum.

Regisseurin Francis Meletzky (45, »Die kalte Wahrheit«, »Nur eine Handvoll Leben«) und Autorin Regine Bielefeldt (44, »Keine Zeit für Träume«) entschieden sich für einige weitere filmische Freiheiten. Sie zeigen die eloquente Verlegerin dennoch so, wie sie vermutlich war – als eine durchsetzungsstarke Frau mit klaren Ansagen und dominantem Ton, die ihren Mann ziemlich im Griff hat und ihre Angestellten sowieso, die sie gerne beschenkt, auch mal mit einem nagelneuen Porsche. »Was ich mitnehme aus der Erfolgsgeschichte von AenneBurda, ist, dass es nicht um männliche oder weibliche Attribute geht, sondern um den Mix«, sagte Regisseurin Meletzky im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. »Vision, Willensstärke, Sinnlichkeit, Dominanz, Fleiß, Härte und den Riecher um die wirklich guten Mitarbeiter.« Ihrer Ansicht nach wäre eine Scheidung der Burdas damals nicht zu modern gewesen, sondern zu ineffektiv.

»Ein Vorbild, ohne dies je zu beabsichtigen«

Natürlich setzt der teilweise melodramatische Film auf eine detailgetreue Ausstattung und Kostüme, aber Offenburg ist halt nicht Paris, und so müssen Schauplätze in Berlin und Sizilien her. Katharina Wackernagel macht ihre Sache so präsent und überzeugend, dass Fritz Karl dagegen kaum eine Chance hat. Wackernagel sagt, dass Aenne Burda ganz sicher eine moderne Frau gewesen sei, die sie als Vorbild ansehe. »Ich glaube, Aenne Burda wurde ein Vorbild, ohne dies je zu beabsichtigen«, so Meletzky. »Sie wollte sich selber retten und hat dabei die Emanzipation mehr vorangetrieben als manche Frauenrechtlerin. Sie wollte einfach – um es mit Udo Lindenberg zu sagen – ihr Ding machen. Ja, das hat Vorbildfunktion.«

Dialoge wie »Brauchen Sie noch etwas? – Ein Wunder wäre nicht schlecht« und »Was machen Sie denn da? – Nachschauen, ob noch ein Wunder da ist« sind zwar stellenweise durchaus gelungen, doch hätte – insgesamt betrachtet – ein einzelner Film vollauf genügt. Der konventionelle Zweiteiler über eine unkonventionelle Verlegerin macht zumindest eines deutlich: Sie war eine visionäre und mutige Frau.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Bertold Thoma, hier in seinem Zuhause in der Schubertstraße, feiert seinen 75. Geburtstag. Im kommenden Jahr tritt er wieder für den Gemeinderat an.
Fit und noch mit vielen Zielen
vor 18 Stunden
Kommunalpolitiker mit Herzblut und Sachverstand – auch noch mit 75 Jahren: Berthold Thoma, seit 39 Jahren für die SPD im Gemeinderat feiert am Sonntag Geburtstag. Aktiv für die Stadt und für seine Mitmenschen, ist er stets mit dem Fahrrad unterwegs. Zu seinem vielseitigen Engagement gehört auch die...
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Hitradio Ohr: CD-Tipp
vor 23 Stunden
Max Giesingers neues Album heißt "Die Reise". Im November hatte er es bei Hitradio Ohr in Offenburg im Studio vorgestellt.
Moliere im Parktheater
14.12.2018
Molière wird doppelt gespiegelt, das »Neue Globe Theater« aus Potsdam liefert in Lahr ein Debüt ab, das für weitere Gastspiele empfiehlt. Das »Stegreifspiel von Versailles« (1663), diente am Mittwochabend als Rahmenhandlung für die Komödie »Die Streiche des Scapin« aus dem Jahre 1671.  
Ehrung
14.12.2018
Das Literaturhaus Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben dem Hausacher Dichter und Kolumnisten der Mittelbadischen Presse die 21. Kieler Liliencron-Dozentur zuerkannt. 
Angela Ponce ist die erste Transfrau, die an der Endrunde für den Schönheitswettbewerb Miss Universe teilnimmt.
Bangkok/Madrid
14.12.2018
Seit fast 70 Jahren wird beim Miss-Universe-Wettbewerb die schönste Frau der Welt gekürt, jetzt gibt es eine Neuerung, die nicht jedem gefällt: Neben der Deutschen Céline Flores Willers und 92 weiteren Kandidatinnen geht am Montag (17.12.) in Bangkok auch die Spanierin Angela Ponce ins Rennen -...
Deutsche Mitspieler im weltweiten progressiven Rock: Die Band Can wurde 1968 in Köln gegründet.
Rückblick auf 1968
14.12.2018
Vor einem halben Jahrhundert wackelte die BRD. Das Jahr 1968 ging in die Geschichte ein, als Startschuss zu einer neuen Protestbewegung. Doch auch in der Musikszene war der Teufel los. Sie lieferte aber weitaus mehr als nur Soundtracks gegen das Establishment.
Noch schnell sauberfegen: Blick auf die James-Simon-Galerie in Berlin.
Berlin
13.12.2018
«Die teuerste Garderobe der Welt», so nennen die Berliner gern das neue Empfangsgebäude zur Museumsinsel. Doch was Stararchitekt David Chipperfield nach einer schier unendlichen Baugeschichte bei der Schlüsselübergabe vorstellt, dürfte auch die ärgsten Spötter überzeugen.
Isha Ambani (r) und Anand Piramal bei ihrer Hochzeit.
Mumbai
13.12.2018
Es ist Hochzeitssaison in Indien, und nichts ist für indische Familien wichtiger, als die Kinder unter die Haube zu bringen. Dabei geht es vor allem darum, Familien zusammenzuführen, die hinsichtlich der sozialen Schicht und der Stufe im Kastensystem zusammenpassen.
Fatih Akin ist im Rennen um den Goldenen Bären wieder dabei.
Berlin
13.12.2018
Regisseur Fatih Akin (45) geht mit seinem Horror-Thriller «Der Goldene Handschuh» ins Rennen um den Goldenen Berlinale-Bären.
Während der Stern von Eddie Brock (Bradley Cooper) zu sinken beginnt, steigt Ally (Lady Gaga) zum Star auf.
Los Angeles
13.12.2018
Hollywoods Schauspielerverband (SAG) hat das Liebesdrama «A Star is Born» mit den meisten Preis-Nominierungen bedacht.
Jürgen Stark.
Kulturkolumne
13.12.2018
Schon im antiken Griechenland rauften sich die Gelehrten ihre Haare im Angesicht der chaotisch anmutenden Primzahlen. Denn diese sind bekanntlich nur durch sich selbst und die Eins teilbar, folgen im Verlauf auf der nach oben offenen Zahlenskala dabei keinem bislang klar definierten Regelwerk.
Gal Gadot ließ als Wonder Woman die Kinokassen kräftig klingeln.
Los Angeles
12.12.2018
Kinofilme mit einer weiblichen Hauptrolle spielen laut einer Studie mehr Geld ein als jene mit einem Hauptdarsteller. Zu diesem Ergebnis kommen die US-Analyseagenturen CAA und shift7. Sie untersuchten die 350 umsatzstärksten US-Filme, die zwischen 2014 und 2017 ins Kino kamen.
Der Drehbuchautor und Dramatiker Aaron Sorkin in New York.
New York
12.12.2018
Schon vor der Premiere landete das Theaterstück über einen Gerichtsprozess selbst vor Gericht: Die Broadway-Version des Bestsellers «Wer die Nachtigall stört» aus dem Jahr 1960 weiche zu sehr vom Original ab, argumentierte Tonja Carter, die Nachlassverwalterin der 2016 gestorbenen US-...