Thomas Schadt schlägt Alarm

Filmakademie-Chef ruft zum Dialog auf

Bernd Haasis
Lesezeit 2 Minuten
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19. Mai 2022
Der Filmakademiedirektor Thomas Schadt schlägt Alarm

Der Filmakademiedirektor Thomas Schadt schlägt Alarm ©Foto: Filmakademie Baden-Württemberg/Roland Mönch

In Zeiten von Überkorrektheit und Fake News wird immer schwieriger, sachliche Auseinandersetzungen zu führen. Thomas Schadt hat dazu einen Grundsatztext verfasst.

„Lasst uns miteinander sprechen“ steht über einem Grundsatztext von Thomas Schadt (65), dem Direktor der Ludwigsburger Filmakademie. Sein Thema: wie Zukunftsängste und der Klimawandel sowie der Wunsch nach mehr Chancengleichheit und Diversität das Diskursverhalten der Studierenden verändern.

Ein Beispiel: Die Reaktion auf Nick Uts berühmtes Foto von flüchtenden Menschen im Vietnamkrieg im Jahr 1972. Damals habe dieses Proteste gegen den Krieg befeuert, erklärt Schadt in seinem Text, heute steche jüngeren Menschen ins Auge, dass ein nacktes Mädchen zu sehen ist: „Sei das Bild (. . .) nicht in erster Linie sexistisch, zumal es von einem Mann fotografiert wurde?“, schreibt Schadt. Und weiter: „Der Tonfall Einzelner wird bei meiner Aufforderung, das Bild doch zuerst einmal historisch einzuordnen, durchaus aggressiv.“

Der Diskurs mit den Studierenden ist schwieriger geworden

Im Interview mit unserer Zeitung hat der Filmakademie-Chef schon im vergangenen Jahr festgestellt, dass der Diskurs mit den Studierenden immer schwieriger werde bis hin zur Weigerung, sich mit den Werken von Regisseuren wie Roman Polanski oder Bernardo Bertolucci auseinanderzusetzen, weil diesen Übergriffe vorgeworfen werden.

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Das führe zu einer Art „Zensur“ und stehe im Gegensatz zu seiner eigenen Sozialisation: Schadt beschreibt, zum Teil sehr persönlich, wie seine Generation Freiheiten erst mühsam erkämpfen musste, die Teile der neuen Generation nun wieder in Frage stellten. Sein Text ist ein Aufruf zum offenen Dialog, ein starkes Plädoyer für eine konstruktive Auseinandersetzung mit „Zwischentönen“ – und damit gegen eine übertriebene „Cancel Culture“.

Das Ziel: ein Angst- und zensurfreies Miteinander

„Wir leben in einer Zeit, in der alles nur noch schwarz oder weiß betrachtet wird“, sagt er. „Alle beharren auf ihrer eigenen Meinung, teilweise sogar, ohne sich mit den Ansichten Anderer überhaupt auseinanderzusetzen. Fake News, Hetze und Shitstorms in den sozialen Medien befeuern diesen Trend zusätzlich.“

Die „oberste Aufgabe“ einer Filmhochschule sei es aber, „den Gedanken von Demokratie, Freiheit der Wissenschaft und einem angst- und zensurfreien Miteinander hochzuhalten und dies unseren Studierenden zu vermitteln“.

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