Ausstellung im Museum Tomi Ungerer in Straßburg

Freundliche aber auch recht kritische Blicke auf Europa

Autor: 
Petra Klingbeil
Lesezeit 3 Minuten
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17. August 2019
Das Poster mit der Sternensammlerin hat Tomi Ungerer 1994 zum 40. Jahrestag der Europäischen Kulturkonvention des Europarates gestaltet.

(Bild 1/2) Das Poster mit der Sternensammlerin hat Tomi Ungerer 1994 zum 40. Jahrestag der Europäischen Kulturkonvention des Europarates gestaltet. ©Musées de la Ville de Strasbourg/Martin Bernhart

Im Straßburger Tomi Ungerer-Museum sind nach dem Tod des Karikaturisten und Autors erstmals Zeichnungen und Plakate zum Thema Europa zu sehen. Themen sind die Symbolkraft und die Schwächen Europas und das deutsch-französische Verhältnis, das Ungerer besonders am Herzen lag.   

Als Kind des Zweiten Weltkriegs ist der Straßburger Tomi Ungerer (1931–2019) zu einem Verteidiger Europas geworden. Für ihn bedeutete die Einigung der Länder des Kontinents das Ende aller Kriege. »In den Jahren in den USA und Kanada bearbeitete Tomi andere Themen. Erst nach seiner Rückkehr ins Elsass und seiner Umsiedlung nach Irland rückte Europa in den 1970er-Jahren in den Vordergrund seines Schaffens«, erklärt die Konservatorin des Ungerer-Museums, Thérèse Willer. 

Hintergrund der Ausstellung ist auch der 70. Jahrestag der Gründung des Europarates mit heute 47 Mitgliedsländern am 5. Mai 1949. »Ich bin Europäer, weil ich mir ein friedliches 21. Jahrhundert und ein friedliches drittes Jahrtausend wünsche«, sagte der im Februar verstorbene Künstler einst. Willer betont, dass die Grundwerte Europas auch diejenigen Ungerers waren. »Tomi war immer für Toleranz, Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung und Gewalt«, betont sie. 

Einen sehr kritischen Blick richtete Ungerer hingegen auf die bürgerferne Brüsseler Bürokratie, die er als Krankheit »Bruxellose« diagnostizierte. Beamte mit gesichtslosen klotzigen Köpfen marschieren wie eine Armee von Robotern. So europafreundlich Tomi Ungerer auch war, so scharf waren seine Feder und sein Blick auf die Politik. Eine Zeichnung zum Thema Neonazis in Deutschland ab den 1980er-Jahren zeigt ein Fischskelett mit Hakenkreuz als Auge unter dem Titel »Schwarzes Biest«. 

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Rolle der Elsässer

Im Blick behielt er auch die Höhen und Tiefen des deutsch-französischen Verhältnisses und die Rolle seiner elsässischen Heimat als Verbindung zwischen beiden Ländern. »Das Elsass als Bindeglied« heißt die heiter-erotische Zeichnung eines kleinen Elsässers, der sich auf einem Frauenschenkel krampfhaft zwischen einem schwarz-rot-goldenen Strumpfband und einem blau-weiß-roten Strumpf klammert.

Im Ungerer-Museum schwingt zurzeit eine gewisse Nostalgie durch die Räumlichkeiten. »Erstmals seit Eröffnung des Museums 2007 kommt Tomi nicht zu Besuch, wir bleiben ohne seine Reaktionen, ohne seine geistreichen Bemerkungen«, bedauert Willer. »Eine Europa-Ausstellung hätte er mit lustigen Sprüchen und Anekdoten kommentiert«. 

In den Monaten nach dem Tod des Meisters ist die Zahl der Museumsbesucher um etwa 50 Prozent angestiegen, schätzt Willer. »Es war eine deutliche und ehrliche Anteilnahme spürbar.« Ungerers Kinder- und Jugendbücher, wie »Die drei Räuber« und »Kein Kuß für Mutter« werden nach wie vor gern gelesen. Auch bei Erwachsenen sind sie populär. Willer ist in diesen Monaten mit Vorträgen in Frankreich und besonders in Deutschland unterwegs, wo Ungerers Werke herausragende Zeugnisse volkstümlicher Kultur bleiben. 
 

Info

Öffnungszeiten

Ausstellung »Tomi Ungerer l’Européen (Tomi Ungerer der Europäer)«, Museum Tomi Ungerer in der Villa Greiner, 2 Avenue de la Marseillaise, bis 3. November. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr, dienstags geschlossen.Infos im Internet unter  https://de.musees.strasbourg.eu/museum-tomi-ungerer

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