Kultur

Fünf Stunden LIvestream mit vielen Stars

Autor: 
Dietrich Mack
Lesezeit 4 Minuten
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16. April 2021
Die niederländischen Brüder Arthur und Lucas Jussen bei einem Streaming-Konzert (Hausfestspiel Festspielhaus Baden-Baden; Oster-Edition 2021) im Festspielhaus Baden-Baden am Donnerstag, 1. April 2021

Die niederländischen Brüder Arthur und Lucas Jussen bei einem Streaming-Konzert (Hausfestspiel Festspielhaus Baden-Baden; Oster-Edition 2021) im Festspielhaus Baden-Baden am Donnerstag, 1. April 2021 ©Andrea Kremper

Die Hoffnungen hatten sich nicht erfüllt. Wieder mussten die Osterfestspiele auf dem Corona-Altar geopfert werden. Kein internationales Flair in Baden-Baden, keine Zuschauer, keine großen Konzerte, von Opern ganz zu schweigen. So gab es zum zweiten Mal ein „HausFestSpiel“ als Livestream. Mehr als 14 000 Zuhörer seien weltweit zugeschaltet gewesen, so Intendant Benedikt Stampa in einer Mitteilung.

Wie im Februar konnte man sich an einem hübschen Programmheft erfreuen, in dem die Spitzenköche den Snack zu einem Ostermenu für korrekt fünf Personen erweitert hatten. Keine Sache für die Couch. Wieder moderierte Jasmin Bachmann charmant und klug Musik, Gespräche und live gestellte Fragen aus aller Welt.

Beglückende Momente

Nach gut fünf Stunden Livestream von Gründonnerstag bis Ostermontag und einem großen Orchesterkonzert der Berliner Philharmoniker mit „Romeo und Julia“ von Tschaikowsky und der 2. Sinfonie von Rachmaninow, das in Berlin vor (getestetem) Publikum mehrfach gespielt und für Arte aufgezeichnet wurde und dem Haus-Fest-Spiel, nicht unähnlich einem großen Kuckucksei, untergeschoben wurde, schwirrt auch einem Kritiker der Kopf.
Dennoch – es gab in den vier Livestreams einige wirklich beglückende Erlebnisse. Je ein Highlight halten wir fest, besonders fest.

Da traten zunächst zwei ziemlich junge Pianisten aus Amsterdam auf, die Brüder Arthur und Lukas Jussen. Sie spielten vierhändig die Mozart-Sonate D-Dur; das klang sehr frisch und klar, ohne Mogeleien. Später das Concertino a-Moll für zwei Klaviere von Schostakowitsch.

Wunderbare Agogik

Doch wie diese jungen Musiker, und da muss man das Alter betonen, die romantisch tiefgründige Fantasie für vier Hände in f-Moll (D 940) von Franz Schubert spielten, sie mit wunderbarer Agogik auskostend, in der Melancholie des Largo verweilend, im Allegro leichtfüßig schwebend und schließlich ans Ende kommend, ans Ende des Lebens – diese Durchdringung der Musik, diese Weisheit traut man den großen alten Pianisten zu, und hörte sie jetzt von den Zwanzigjährigen. Großartig.

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Am Karfreitag gab es „Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn, komponiert für den Klerus von Cadiz. Sakraler, strenger geht es kaum. Sieben langsame Sätze zwischen den von den Evangelisten überlieferten Worten Christi und kurzen Gebeten.

Umwerfend schön

Die Worte wurden nicht gesprochen und gebetet wurde auch nicht. So folgte ein langsamer Satz auf den anderen, meditativ für die einen, langweilig für die meisten, obwohl das Marzona Quartett der Berliner Philharmoniker intensiv spielte. Aber ganz zum Schluss kam „Il terremoto“ – da bebte die Erde, da rasten die Streicher und verscheuchten alle Langweile.

Dann kam der Star Diana Damrau mit einem sehr gemischten Programm: Robert und Clara Schumann, spanische Volkslieder, Richard Strauss. Sehr beherrscht bei den Schumanns, ausdrucksstark in den spanischen Liedern, sich verströmend in den Strauss-Liedern. Umwerfend schön das Wiegenlied op 41/1, ebenso intim wie weltumspannend.

Trost im Lockdown

Dieses Lied allein war den ganzen Abend wert. Und welche Natürlichkeit sich dieser Star erhalten hat, erlebte man bei einem Gespräch in der Lichtentaler Allee und beim witzigen, abschließenden Ostereierbemalen auf der Bühne. Auch dabei errang sie locker den ersten Preis.
Zum Schluss als Matinee, umrahmt von zwei Petitessen von Schubert und Puccini, kam das berühmte Klarinettenquintett von Mozart KV 581. Ein Werk von berückender Schönheit: melancholisch, heiter, erhaben, volkstümlich, gebrochene Harmonien, damit es nicht allzu gemütlich wird. Hochkarätig mit Berlinern besetzt, dem ersten Konzertmeister Daishin Kashimoto und Wenzel Fuchs, dessen Klarinette eine Zauberflöte ist. Nicht nur das berühmte Larghetto, das ganze Werk wird uns im Lockdown trösten.

Man kann sich an Streaming gewöhnen. Möchte es aber nicht.

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