Kulturkolumne

Gedanken von Mark Aurel sind Mutmacher - prev

Autor: 
Dietrich Mack
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16. Mai 2021
Dietrich Mack

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Es gibt weise Sprüche, die flüchtig sind, andere sind hartnäckiger, haften fest. Man trägt sie mit sich herum und nervt mit ihnen gelegentlich sein persönliches Umfeld („schon wieder!“). Jeder kennt das.

Im Zimmer einer Äbtissin in Oberfranken hängt die Mahnung: „Versuche niemals jemanden so zu machen, wie du bist. Denn du weißt es und Gott weiß es auch, einer von deiner ‚Sorte‘ ist genug.“ Beim Chefarzt einer Spezialklinik für Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata in Valens bei Bad Ragaz las ich: „Frage nie, warum Dich diese Krankheit getroffen hat, sondern wozu.“ Und in den unbeschwerten Zeiten a. C. (ante Corona) lag auf dem Frühstückstisch eines italienischen Hotels als weitere Aufforderung der Text: „Quando ti alzi al mattino, pensa quale prezioso privilegio è essere vivi: respirare, pensare, provare gioja e amare – Marco Aurelio“. (Wenn du am Morgen aufstehst, denke daran, welches kostbares Privileg es ist, zu leben, zu atmen, zu denken, sich zu freuen, zu lieben.)
Ob das Zitat wörtlich von Mark Aurel stammt (er schrieb Griechisch), kann man bezweifeln, aber seinem Geist entspricht es, passt zu den Schlagworten, die man mit ihm verbindet: Gelassenheit, Dankbarkeit, Gemeinwohl, Vernunft, Pflicht. Helmut Schmidt verehrte ihn, auf seinem Schreibtisch stand eine kleine Kopie der berühmten überlebensgroßen Reiterstatue auf dem Kapitol in Rom (jetzt im Museum).
Kluges von Mark Aurel
Am 26. April war der 1900. Geburtstag von Mark Aurel. Es gab kluge Gedanken von Fachleuten für Fachleute, aber das sonst bei Jubiläen übliche Tamtam in den Medien fand nicht statt. Schade, er hat uns mit einfachen Worten viel zu sagen. Mark Aurel war 19 Jahre römischer Kaiser und er war ein Philosoph von großer, bis heute wachsender Bedeutung, obwohl er nur ein schmales Buch hinterlassen hat. Diese „Selbstreflexionen“ kann man, wenn man sie nicht auf dem Nachttisch vergisst, bequem in die Jackentasche stecken und auf einer Bank lesen. Weltliteratur für unterwegs.
Es waren keine friedlichen Zeiten: Kriege gegen Perser- und Germanenstämme, Naturkatastrophen, Seuchen wie die Antoninische Pest, Massensterben. Daran gemessen ist unsere aktuelle Situation noch gnädig. Der ruhende Pol in all diesen Krisen war der Kaiser selbst. Er war immer an der Front, agierte ruhig, besonnen, und fand sogar noch Zeit, die Rechte der Frauen und Sklaven zu verbessern. Die Kraft für dieses „Krisenmanagement“ erwuchs ihm aus der Gedankenwelt seiner Vorfahren und Vorbilder und vor allem aus der philosophischen Schule der Stoa. Stoisch nennen wir bis heute Menschen, die mit ruhiger Überzeugung denken und handeln; nicht mit störrisch zu verwechseln.
Es sind Selbstgespräche über Vernunft, Gerechtigkeit, Gemeinnutz („Was dem ganzen Bienenschwarm nicht zuträglich ist, das ist auch der Biene nicht zuträglich“), Pflichterfüllung („Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut“), Gelassenheit („Es ist sinnlos dem Schicksal zu grollen, denn es nimmt keine Klagen an“), Nachsicht („Das Vergehen eines anderen muss man da lassen, wo es ist“), Einsicht („Die Menschen sind aufeinander angewiesen. Bessere oder dulde sie“), Großmut („Die beste Art, sich an jemandem zu rächen, ist die, nicht Böses mit Bösem zu vergelten“).
Die 50 prominenten, also wohlhabenden Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit ihrer Aktion #alles-dichtmachen ein unnötiges, nach rechts ausuferndes Medienecho erfuhren, hätte Mark Aurel ermahnt, lieber an das zu denken, was sie haben, als an das, was ihnen fehlt. Denn es sei kein Unglück, sondern ein Glück, mit edlem Mut zu ertragen, was einem Traurigkeit verursacht.
Diese und viele andere Gedanken von Mark Aurel sind Mutmacher. Und immer wieder, nicht nur am frühen Morgen, sollte man sich daran erinnern, welch „kostbares Privileg es ist, zu leben, zu atmen, zu denken, sich zu freuen, zu lieben.“

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